Kein Platz für mehr als 100 I-Dötze

Schule : Kein Platz für mehr als 100 I-Dötze

Die Katholische Grundschule Königshof muss mit 31 Erstklässlern am meisten Kinder abweisen. Viele Eltern seien verzweifelt, sagt Schulleiter Wolfgang Lueg. Für sie spiele bei der Wahl der Schule nicht nur der Weg eine Rolle.

Das sind keine guten Nachrichten für mehr als 100 angehende Krefelder Grundschüler und ihre Eltern: Wenn nach den Sommerferien die i-Dötzchen eingeschult werden, dann bekommt nicht jeder der bislang 1841 in der Stadt angemeldeten Erstklässler auch einen Platz an seiner Wunschschule. 34 Kinder sind nach Angaben der Stadt bis dato noch an gar keiner Grundschule angemeldet.

Besonders viele Abweisungen verzeichnet zum Schuljahr 2019/2020 die Katholische Grundschule Königshof: Von 87 angemeldeten Erstklässlern gibt es für voraussichtlich 31 Kinder an der Oberbruchstraße keinen Platz. Warum das so ist? Die Antwort der Stadt auf diese Frage wird betroffene Eltern und ihre Kinder wohl nicht zufriedenstellen: „Die Beliebtheit der Schulen schwankt von Jahr zu Jahr. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. In den Jahren zuvor waren an der Grundschule Königshof nur wenige Abweisungen zu verzeichnen“, heißt es auf Nachfrage aus der Verwaltung.

Nur zwei Eingangsklassen
für die Grundschule Königshof

Schulleiter Wolfgang Lueg zeichnet ein anderes Bild: Nachweislich stiegen die Anmeldezahlen bereits im dritten Jahr, sagt er. Vor zwei Jahren habe die Stadt einen Pavillon-Neubau an der Oberbruchstraße gebaut, dessen Kapazität bereits erschöpft sei. „Schon damals war klar, dass die Schule damit nicht auskommt. Aber ohne bauliche Veränderungen haben wir auch in Zukunft den Platz nicht.“

Das bescheinigt auch die Verwaltungsvorlage zur „Festlegung des Aufnahmerahmens für die städtischen Grundschulen“, die nach den Bezirksvertretungen nun auch in der Sitzung des Schulausschusses am nächsten Mittwoch auf der Tagesordnung steht: Im Schulgebäude der Katholischen Grundschule Königshof könnten, unter Berücksichtigung des Musterraumprogramms bei 60 Prozent Ganztagsbetreuung, maximal neun Klassen untergebracht werden, heißt es darin und weiter: „Die Einrichtung von nur zwei Eingangsklassen zum Schuljahr 2019/2020 ist daher räumlich alternativlos.“

Unterm Strich bedeutet das 56 Plätze an der Oberbruchstraße: Neben 33 bekenntnisangehörigen Kindern, die an der Katholischen Grundschule bevorzugt aufgenommen werden müssen, können nach den Sommerferien 23 bekenntnisfremde Kinder die Schule im Stadtteil Königshof besuchen. Ausweichmöglichkeiten bestünden an der Geschwister-Scholl-Schule, „deren Ausbau auf drei Züge zum Beginn des neuen Schuljahres fertiggestellt sein wird“, heißt es in der Vorlage, sowie an der Südschule. Auch an der Katholischen Grundschule Josefschule gebe es noch Kapazitäten.

Auch an der
Bismarckschule wird es eng

Glücklich macht das viele Betroffenen aber sicher nicht. „Wir müssen Schüler abweisen, die wohnen in einem Umkreis von 850 Metern“, sagt Schulleiter Lueg, „das ist doch ein Witz. Und ich kann ihnen nicht helfen, das ist das Schlimme.“ Aktuell führe er mit allen abgewiesenen Schülern und ihren Eltern Gespräche. „Das geht mir schon ans Herz. Eltern orientieren sich bei der Schulwahl eben nicht nur an Schulweg und Entfernungen“, ist seine Erfahrung. „Lernen und Lehren im christlichen Miteinander“ sei der Leitspruch der Katholischen Grundschule Königshof – „danach leben wir hier auch“. Den Andrang an seiner Schule erkläre er sich nicht nur „am guten Bildungsumfeld“, sagt Lueg, „offensichtlich hat unsere Schule einen guten Ruf.“ Das sei schön, „da steckt aber auch sehr viel Arbeit dahinter“. Eltern spiegelten ihm einen warmherzigen und kindgerechten Umgang. Lob, mit dem sich der Schulleiter, der sich Ende des Monats in den Ruhestand verabschiedet, aber keinesfalls rühmen möchte: „Viele andere Schulen in der Stadt leisten ebenso engagierte und harte Arbeit wie wir.“

Platzprobleme gibt es auch an der Bismarckschule im Stadtteil Cracau: Mit 101 Anmeldungen und voraussichtlich bis zu 20 Abweisungen, kommt die Grundschule an der Bismarckstraße auf den zweiten Platz im Ranking der Schulen, die für das kommende Schuljahr am meisten Erstklässler ablehnen müssen. „Üblicherweise hängt das Anmeldeverhalten der Eltern von vielen Aspekten ab und ist daher nicht zu prognostizieren“, sagt die Stadt. Auch Schulleiter Andreas Czymay kann über die Gründe nur mutmaßen: „Wir haben die Räume mit Hilfe der Stadt und der Elterninitiative gestrichen, benutzen Smartboards im Unterricht – das macht natürlich viel her.“ Inzwischen habe man aber schon einige Eltern und ihre Kinder beraten, die sich darauf an anderen Schulen angemeldet hätten.

Anmeldungen an der Bismarckschule kämen vor allem aus der Dyksiedlung, aber auch von Schülern, die im Bereich von Nord- und Ostwall, an der Kaiserstraße und rund um den Sprödentalplatz wohnten, sagt Czymay. Mit drei Klassenräumen im Flachbau sowie jeweils drei auf drei Etagen des Hauptgebäudes seien alle Kapazitäten an seiner Schule erschöpft. „Auch der Schulhof stößt an seine Grenzen“, sagt Czymay, „mehr geht einfach nicht“.

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