Die Metzgerei Pohl in Uerdingen ist 40 Jahre alt

Handwerk : Einer der letzten seiner Art: Ein Metzgermeister in Krefeld

Klaus-Dieter Pohl kann mit seinem Betrieb im Krefelder Stadtteil Uerdingen 40-jähriges Bestehen feiern. Nachwuchs zu finden, ist heute besonders schwierig.

Als Klaus-Dieter Pohl zwischen 1957 und 1960 seine Fleischerlehre macht und später mit 23 Jahren die Meisterprüfung ablegt, gibt es noch rund 200 selbstständige Metzgereien in Krefeld und Umgebung. „Heute sind es nur noch sechs“, sagt Pohl bedauernd. Warum er mit seinem Geschäft an der Niedertorstraße 6-8 in Uerdingen allen Krisen in der Branche zum Trotz jetzt 40-jähriges Bestehen feiern kann, weiß er so zu erklären: „Wir können durch Qualität, Frische und Beratung überzeugen.“ Auf diese Weise habe man auch Kunden zurückholen können, die schon zu Supermärkten abgewandert waren.

Wer mittags an einem beliebigen Wochentag das Ladenlokal betritt, sieht Pohls Worte bestätigt: Das Geschäft „brummt“, gleich mehrere Verkäuferinnen kümmern sich um die zahlreichen Kunden, die Fleisch und Wurstwaren kaufen oder aber gleich vor Ort den täglich wechselnden Mittagstisch mit gutbürgerlichen Gerichten probieren möchten. „So etwas muss man heute zusätzlich anbieten“, berichtet der Hausherr. Bis zu 80 Leute am Tag lassen sich selbst gekochtes Gemüse, Schnitzel oder Sauerbraten schmecken. „Das Kochen habe ich mir selbst angeeignet“, berichtet Pohl.

Mit einem kleinen
Marktwagen fing alles an

Angefangen hat er im April 1979 mit einem kleinen Marktwagen für schlesische Wurstwaren auf den Wochenmärkten – vor allem am Westwall und in Uerdingen. Vor 25 Jahren entschloss er sich dann dazu, sesshaft zu werden: Pohl gründete einen Fleischerfachbetrieb an der Niederstraße 72 und übernahm etwas später das Geschäft „Casserolle“. 2007 dann der nächste Umzug: Geschäft und Produktion wurden an die Niedertorstraße 6-8 verlegt, wo bis dahin die Traditions-Metzgerei Willigers beheimatet war.

Zehn Angestellte beschäftigt Klaus-Dieter Pohl heute, darunter zwei Gesellen in der Küche. Ursula Becker als Leiterin des Ladens ist seit 25 Jahren im Betrieb, ihre Stellvertreterin Claudia Wipper seit 15 Jahren. Mit den Mitarbeitern hat der Chef das Jubiläum am 1. Mai mit einem Essen groß gefeiert.

„Einen Azubi habe ich leider nicht“, berichtet Pohl: Die jungen Leute seien heute eher an modernen Berufen mit geregelten Arbeitszeiten interessiert. Wobei diese auch bei ihm klar geregelt seien, schiebt er hinterher: acht Stunden an fünf Tagen in der Woche. Los geht’s morgens um 6 Uhr, der Laden öffnet um 7.30 Uhr. Die Fachverkäuferinnen dort arbeiten in zwei Schichten.

Die 2017 fusionierte Fleischer-Innung Niederrhein Krefeld-Viersen-Neuss hatte zuletzt Ende des vergangenen Jahres ihre Auszubildenden losgesprochen. „Wir befinden uns im Ranking der Popularität ganz hinten und haben, was offene Stellen betrifft, die meisten“, hatte damals Thomas Tolk vom Berufskolleg Elly-Heuss-Knapp in Düsseldorf erklärt. Dort erfolgt die schulische Ausbildung im Fleischerhandwerk der Region. „Auszubildende und Fachpersonal werden dringend gesucht“, machte in der Feierstunde auch Obermeister Willi Schillings deutlich.

Zurück zur Metzgerei Pohl. Schlachtung und Zerlegung erfolge bei ihm aus einer Hand, betont der Metzgermeister. Er kenne die Bauern, lege großen Wert auf die regionale Herkunft der Tiere und auf das Tierwohl. Und er plädiert dafür, zu Gunsten solcher Kriterien etwas mehr Geld zu bezahlen und dafür seltener Fleisch zu essen.

Mehr als 100 Wurstwaren und Schinkenspezialitäten hat Klaus-Dieter Pohl im Angebot. „Dafür haben wir schon über 100 Gold- und Silbermedaillen gewonnen“, berichtet er stolz. Besonderes Merkmal bei ihm sei das Fleisch aus eigener Schaf- und Lämmerzucht an seinem Wohnort in Traar. „Das ist mein Hobby.“ In das er auch viel Zeit investiert, denn die Tiere müssen täglich versorgt werden. Der Erfolg gibt ihm Recht: Wegen des Lammfleischs kommen sogar Kunden aus der weiteren Umgebung nach Uerdingen, so unter anderem aus Neuss und Niep.

Wer die Metzgerei einmal übernimmt, wenn er aufhört, kann Klaus-Dieter Pohl nicht sagen. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der nach seiner Meisterprüfung dafür schon „ausgeguckt“ war, hatte das Interesse verloren. Doch obwohl längst im Rentenalter, lässt Pohl nicht erkennen, dass er demnächst aufhören möchte. Denn sein Wahlspruch gilt nach wie vor: „Ohne Wurst ist alles Käse.“

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