Zehn Krefelder Helden und ihre Geschichten

Mutiges Handeln : Zehn Krefelder Helden und ihre Geschichten

Sie haben Menschen vor Schlägern beschützt, vor Flammen gerettet und Kriminelle verfolgt - Polizei und Stadt haben besonders couragierte Bürger ausgezeichnet. Wir stellen sie und ihr Handeln vor.

13-Jährige rettet Mutter und Kind aus Brandwohnung

Die Geschichte der damals noch 13 Jahre alten Zoe Angelina Karg, die eine Mutter und ihre Tochter (6) rettete, machte Schlagzeilen. Am Morgen des 1. August 2018 stieg Rauch über Krefeld auf. Das Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses an der Marktstraße stand in Flammen. Karg hörte zuerst Schreie aus dem Nachbarhaus, berichtete sie damals gegenüber unserer Redaktion. Sie eilte auf eine Terrasse der dritten Etage. Dort war sie genau richtig: Eine Mutter hatte sich mit ihrem Kind an ein Fenster der brennenden Dachgeschosswohnung des Nachbargebäudes geflüchtet.

Hinter ihnen wüteten die Flammen. In circa einem Meter Entfernung hatte sich Zoe Angelina Karg positioniert. Auch fast ein Jahr danach, hat die nun 14-Jährige „nichts vergessen“. Sie habe sich auf einen Stuhl gestellt, um über die Begrenzung der Terrasse ragen zu können und dann zunächst das Mädchen entgegengenommen, welches ihr die Frau aus dem Fenster anreichte. Danach zog sie die Mutter zu sich herüber. „Alle kannten mich, ich kannte keinen“ – so sei die Situation danach an ihrer neuen Schule gewesen. Als Heldin würde sich die 14-Jährige aber nicht bezeichnen. Sie habe einfach „konzentriert“ gehandelt.

30-Jähriger rettet Nachbar aus verrauchter Wohnung

Als Christian Apostolidis mitten in der Nacht durch einen Alarm schlagenden Rauchmelder wach wird, überlegt er nicht lange – und hat so laut  Feuerwehr möglicherweise ein Menschenleben gerettet. Am 17. Mai 2018 gegen 2.30 Uhr rieß ihn das schrille Geräusch aus den Träumen: Da es aus der Nachbarwohnung des Hauses an der Carl-Sonnenschein-Straße nach Rauch roch, schnappte der 30-Jährige sich einen Schraubenzieher und brach die Tür auf. Mit einem Schraubenzieher? 

„Das ging relativ einfach, weil die Tür schon beschädigt war“, erklärt Apostolidis. Dann habe er nur noch Rauch gesehen und lieber die Feuerwehr gerufen. Er habe sich wie in einem Traum gefühlt, aber „reflexartig gehandelt“. Eine angebrannte Pizza war der Grund für Rauch und Qualm. Der Bewohner wurde mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung in eine Klinik gebracht.

24-Jähriger schützt Busfahrer vor  jugendlichen Schlägern

Am 16. März 2018 gegen 21 Uhr sitzt Marc Alexander Selimi im Bus und hört Musik. Ein ganz normaler Abend? Nicht wirklich: Er wunderte sich, warum der Bus plötzlich so lange am Röttgen in Uerdingen hielt. Der 24-Jährige nahm die Kopfhörer raus und bekam mit, dass mehrere Jugendliche mit dem Fahrer um ein Ticket stritten. „Der Busfahrer braucht was auf die Fresse“, habe ein Jugendlicher gesagt, bevor der Mann angegriffen worden sei. Selimi hat laut „Stopp!“ gerufen, ist dazwischen gegangen, hat mit einem Arm zwei Jugendliche weg gehalten und mit der  anderen Hand die Polizei mit seinem Handy auf dem Laufenden gehalten. Danach hat er den Busfahrer versorgt, der am Auge verletzt worden war. Schließlich ist er gelernter Altenpfleger.

Ehepaar beobachtet Räuber-Duo und lässt es auffliegen

Weil Kira und Marco Rhode ein parkendes Auto mit zwei mas­kierten Männern aufgefallen ist, konnten sie der Polizei wertvolle Hinweise geben. Diese führten nach Angaben der Beamten schließlich zum Erfolg: Zwei Männer, die einen Kiosk an der Hauptstraße in Oppum überfallen haben sollen, konnten festgenommen werden. Zu dem Überfall war es am Abend des  19. März 2018 gekommen: Kurz vor 22 Uhr wurde auf der Hauptstraße ein Kiosk beraubt. Während einer der Täter den 49-jährigen Betreiber mit einer Pistole bedrohte, schnappte sich sein Komplize das Geld aus der Ladenkasse.

Kira und Marco Rhode war eine Viertelstunde zuvor ein parkendes Auto aufgefallen: In dem saßen zwei Männer, die Halstücher über Mund und Nase gezogen hatten. Als sie bemerkten, dass sie beobachtet wurden, drückten sie sich tief in die Sitze und setzten zurück. Die Rhodes kehrten zunächst in ihre Wohnung zurück, ließen dann aber doch nicht locker: Kira Rhode ging mit dem Hund, um sich das Kennzeichen zu notieren. Als das Ehepaar später Polizeiautos bemerkte, gab es den Beamten entscheidende Hinweise.

Zeuge lässt Handtaschendieb bei Verfolgungsjagd keine Chance

Mitten am Tag hat Abderrachid  Figuigui einen Dieb beobachtet, der aus einem Mercedes eine Handtasche stahl. Anstatt nur die Polizei zu informieren, nahm der 58-Jährige die Verfolgung auf. Der Vorfall hatte sich am 19. Mai 2018 an der Herbertzstraße ereignet. Als der Dieb bemerkte, dass er beobachtet wird, flüchtete er in Richtung Dießemer Bruch. Figuigui lief hinter ihm her und informierte die Beamten. Unterwegs sprach er noch einen Autofahrer an, der sich an der Verfolgung beteiligte. An einer Bushaltestelle schnitten sie ihm schließlich den Weg ab und der erste Streifenwagen traf ein. Die Handtasche habe einen hohen Bargeldbetrag enthalten und konnte dem Besitzer zurückgegeben werden, erklärte die Polizei.

Dieser Zeuge will einen Fahrraddieb einfach nicht laufen lassen

„Vor Jahren wurde das Fahrrad von meinem Papa geklaut“, erklärt Beran Özcan. Als er am späten Abend des  13. September 2018 beobachtete, wie ein Mann ein an der Schönwasserstraße in Krefeld abgestelltes Fahrrad stehlen wollte, habe er gedacht: „Dieses Mal nicht“. Er sprach den Mann nicht nur an, um ihn am Diebstahl zu hindern, sondern verfolgte ihn auch noch, als er in  Richtung Uerdinger Straße flüchtete.

Gleichzeitig gab er der Polizei laufend seinen Standort durch. Die Jagd durch die Nacht sei abenteuerlich gewesen: „Ich bin über rote Ampeln gelaufen und über Zäune geklettert“, sagt der 26-Jährige. Dann sei der Dieb auf dem Gelände eines Autohauses in der Dunkelheit verschwunden. Dort habe er lieber auf die Polizei gewartet. Diese umstellte laut eigenen Angaben das Gelände und konnte den Gesuchten schließlich mit einem Spürhund ausfindig machen.

Der gesuchte 41-Jährige hatte sich offenbar in einem schlecht einsehbaren Bereich des Geländes versteckt. Die Polizei fand Einbruchswerkzeug bei ihm. Die spontane Verfolgungsjagd war übrigens kein konditionelles Problem: „Ich bin zehn Jahre lang dem Ball beim Fußball hinterhergelaufen“, erklärt Özcan.

36-Jähriger versorgt Fußgängerin nach schwerem Unfall mit Lkw

„Es war wirklich wirklich knapp“, sagt der Krefelder Polizeipräsident Rainer Furth zu  diesem Fall: Vedat Kurt fuhr am Morgen des 27. September 2018 mit seinem Auto hinter einem Lastwagen her. Als der Lkw in das Postfrachtzentrum an der Anrather Straße einbog, kam es zu einem schrecklichen Unfall.

Laut Angaben der Polizei erfasste der Lastwagen das rechte Bein einer 36 Jahre alten Frau mit den Reifen des Anhängers.  Der 48 Jahre alte Vedat Kurt sei aus seinem Auto gesprungen, um der Frau zu helfen.

Mit seinem Gürtel und einer Warnweste band er ihre Beine ab und redete beruhigend auf sie ein, um ihre Atmung zu kontrollieren. Das gelang zusammen mit anderen Zeugen, bis Notarzt und Rettungswagen eintrafen.

Fahrgast und Straßenbahnfahrer verteidigen Frau vor Räuber

Am Abend des 9. November 2018 sitzt Uwe Linder mit Frau und Tochter in einer Straßenbahn der Linie 044. Als die Bahn gegen 22 Uhr an der Haltestelle Nordwall hält, hört der 53-Jährige Hilferufe: Ein 49-Jähriger bedroht eine 22 Jahre alte Frau und fordert sie auf, ihm ihr Handy zu geben. Linder zögert nicht: Er steigt aus und stellt sich dem Mann, der sich aggressiv verhält, in den Weg. Zusammen mit weiteren Zeugen hält Linder den Mann fest, bis die Polizei eintrifft. Unterstützung kommt von Fatih Alkan. Der 30 Jahre alte Fahrer der Straßenbahn bleibt weiter an der Haltestelle stehen und betätigt den Alarmknopf. Zudem unterstützt er andere Zeugen dabei, den Tatverdächtigen festzuhalten. Polizeibeamte können den Mann festnehmen.

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