Veganer Lebensstil: Fünf Dinge über die Messe VeggieWord in Düsseldorf

Veganer Lebensstil : Fünf Dinge über die VeggieWorld in Düsseldorf

Am Wochenende drehte sich auf dem Böhler-Areal in Düsseldorf alles um einen veganen Lifestyle. Die „Veggie-World“ öffnete zum fünften Mal ihre Pforten.

Die Abspaltung von den Messen „Paracelsus“ und „Heldenmarkt“, die zuvor parallel standfanden, hat der „Veggie-World“ gutgetan. Mehr Platz und eine bessere Aufteilung zwischen Food-Ständen und Ausstellern sorgten dafür, dass die Besucher sich nicht mehr in bestimmten Bereichen drängelten, während anderswo Leerlauf war.

Beim Rundgang durch die alte Schmiedehalle, die vielen Start ups eine Plattform bot, fielen fünf Dinge ins Auge, die zum Nachdenken und Probieren anregen.

Hochprozentiges mit Geschmack: Der vegane Lifestyle ist inzwischen auch bei Weinen und Spirituosen angekommen. „Chocolate in the a Bottle“, bringt die Geschäftsidee auf den Punkt, französischen Chardonnay mit feinster belgischer Schokolade zu verfeinern. Der Geschmack ist überraschend anders, frisch und mit einem intensiven Schokoaroma. Das kommt zustande, weil der edle Tropfen in der Flasche zusammen mit Kakaobohnen reift.

Label-Gründerin Fabienne Pomi in einer ihrer veganen Kreationen. Foto: C. Hötzendorfer

Bei dem jungen Aachener Start up „Black Taste“ trifft Likör auf Kaffeebohnen oder auf eine Printen-Gewürzmischung. Beide Varianten geben dem Hochprozentigen einen milden Geschmack, der sich erst nach einer Weile im Mund voll entfaltet.

Bekleidung fair und stylisch: Vorbei die Zeiten, da alternative Mode immer irgendwie unförmig daherkam. Das Gastland Frankreich präsentierte sich mit Damenmänteln und -jacken aus Bio-Materialen in klassischen Schnitten. „So kann man auch im Büro oder bei wichtigen Terminen vegane Kostüme tragen“, meint Fabienne Pomi, Gründerin des Pariser Modelabels „Magnethik“. Christina Brause hat sich mit ihrem 2015 gegründeten Ein-Frau-Unternehmen „Róka“ (ungarisch für Fuchs) eher auf legere Oberbekleidung und Mützen aus Bio-Baumwolle spezialisiert, die von der Grafikerin in Handarbeit mit Motiven versehen werden.

Naturkosmetik aus der Region: Vegan ist auch im Kosmetikbereich kein Fremdwort mehr. Das 2012 gegründete Düsseldorfer Unternehmen „Yverum“ hat sich auf eine Anti-Aging-Produktlinie spezialisiert, für deren Herstellung es auf Konservierungsstoffe verzichtet und nur Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau verwendet. Außerdem kooperiert es mit der Düsseldorfer Behindertenwerkstatt und hat einen nachfüllbaren Lippenpflegestift entwickelt.

Zur veganen Produktlinie eines Düsseldorfer Kosmetikunternehmens gehört auch ein nachfüllbarer Lippenpflegestift. Foto: C. Hötzendorfer

Das Start up „Mellow Noir” hat sich für seine Kosmetikprodukte Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben und verwendet zur Herstellung dazu Kaffeesatz, den Röstereien und Cafés im Raum Köln-Bonn-Düsseldorf zur Verfügung stellen. Allein in Deutschland fallen jährlich über eine Million Tonnen Kaffeesatz an. Das daraus gewonnene Öl ist Grundzutat für ihre Produktlinie. Denn Koffein als Inhaltsstoff wirkt belebend und durchblutungsfördernd.

Recycling und Eigenanbau: Ausgemusterte Airbags, Sitzgurte und -schnallen sind die Zutaten, aus denen „Airpaq“ Rucksäcke und Hipbags herstellen. Die Airbags bekommen durch natürliche Farbstoffe eine individuelle Maserung. Die Verarbeitung erfolgt von Hand, was jedes Stück zum Unikat macht. Die Rohmaterialien finden die Firmengründer Michael und Adrian, die ihre Geschäftsidee als Projektarbeit für die Uni begannen und dann mit Hilfe von Crowdfunding finanzierten, auf Schrottplätzen oder erhalten sie als Ausschussware von Herstellern. Die robusten langlebigen Bags sind echte Hingucker und eine clevere Möglichkeit Müll zu vermeiden.

Alte Sitzgurte und ausgediente Airbags werden zu einem robusten Rucksack umfunktioniert. Foto: C. Hötzendorfer

Einen anderen Ansatz verfolgt das Start up „Grow-Grow-Nut“. Die Gründer nutzen Kokosnussschalen, die eigentlich ein Abfallprodukt sind, als „Anzuchttopf“ für Sprossen, beispielsweise von Ruccola, Radieschen, Grünkohl oder Senf. Damit es was wird mit den Vitaminen von der Fensterbank, die sich übrigens auch als Deko auf dem Küchentisch gut machen, müssen die Samen in Kokoserde zunächst aufgehen. Wenn es klappt, hat man in wenigen Tagen bereits Vitaminkicks für Suppen, Salate oder einfach nur aufs Brot. Allerdings, einmal abgeerntet, muss wieder neu gesät werden. Aber alles Bestandteile sind biologisch abbaubar.

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