1. NRW
  2. Düsseldorf

Düsseldorfer Architekur-Studenten bauen Wohnungen für Flüchtlinge

Architekturprojekt : Düsseldorfer Studenten bauen Wohnungen für Flüchtlinge im Senegal

Eine Slum-Siedlung im Senegal soll abgerissen werden. Damit die Menschen nicht ohne Zuhause dastehen, beteiligt sich die Hochschule Düsseldorf am Bauprojekt.

Ein Praxisprojekt der besonderen Art realisierten neun Architekturstudierende der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf. Sie haben Wohnungen für 1400 Flüchtlinge im Senegal entworfen. Im vergangenen Monat reisten sie in das westafrikanische Land, um den Fortschritt auf der Baustelle zu begutachten.

Begonnen hat das Projekt im Jahr 2015. Die Honorarkonsulin des Senegals und Unesco-Botschafterin für Kinder in Not, Ute Henriette Ohoven, fragte beim Bund der Architekten (BDA) an, ob er beim Bau eines neuen Stadtteils für die Flüchtlinge behilflich sein wolle. Hintergrund ist, dass eine seit 20 Jahren gewachsene Flüchtlingssiedlung im Senegal aufgelöst werden sollte. Damit die Menschen nicht ihre Heimat verlieren und sich womöglich auf die Flucht in andere Länder begeben müssen, setzte sich die Botschafterin dafür ein, dass eine neue Siedlung – dieses Mal legal – für die Menschen gebaut wird.

So wurde 2015 ein Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 120 Studierende beteiligt haben. „In der Jury saß der Bauminister aus dem Senegal“, berichtet Jochen Schuster, Professor für Architektur. Für den BDA ist Bruno Braun das gesamte Projekt über begleitend dabei. Die Siegerentwürfe durften die Studierenden dem Präsidenten Senegals in einer Audienz vorstellen. Jetzt ziehen die ersten 600 Menschen in die fertigen Wohnungen ein.

„Es ist relativ nah dran an dem, was wir hier erarbeitet haben“, sagt Schuster. „Die inhaltlichen Prioritäten wie zum Beispiel möglichst große Kommunikation unter den Bewohnern auch in gestaffelter Wohnform zu erhalten, etwa durch breite Flure mit Durchblicken in die Geschosse“, zählt Bruno Braun vom BDA auf. Auch wenn der Standard nicht mit Deutschland zu vergleichen sei, so würden die Menschen nun in den Wohnhäusern eine wesentlich bessere Unterkunft haben, als in den Slumhütten zuvor. Jede Wohnung verfüge über eine Dusche, Toilette und eine Küche. „Pro Person haben wir sechs Quadratmeter realisiert, das ist der Standard für Flüchtlinge auch in Deutschland“, erklärt Schuster.

Die Wohnungen sind nach Plan groß genug für zwei bis 14 Personen. „Wir haben etwas Luft nach oben gelassen“ sagt Studentin Gina Böhmer. So seien neue geborene Kinder beim Einzug nicht hinderlich. Bruno Braun weist auf die religiösen Herausforderungen bei der Planung hin: „Das Land ist muslimisch geprägt. Jungs und Mädchen dürfen nicht in einem Raum schlafen. Und es gibt Männer mit mehr als einer Ehefrau.“

Weitere Besonderheiten bestanden in dem Klima und der Lebensweise der Menschen. „Die Wohnstruktur war die größte Herausforderung. Wir wollten Freiflächen und Höfe schaffen, damit sich die soziologische Komponente nicht so verändert“, berichtet Student Till Grützner. Da die Slumbewohner bisher sehr kommunikativ statt abgeschottet leben und auch keine mehrgeschossigen Häuser gewohnt sind, sollen sie beim Einzug in die Wohnungen begleitet und gecoacht werden. So ist es beispielsweise nicht mehr möglich, gemeinsam mit Tieren wie Hühnern und Ziegen zu leben. Dennoch wurde auf die Lebensweise so gut wie möglich Rücksicht genommen. „Die Häuser sind in Hanglage. Da haben wir Platz für Verkaufs- und Werkstätten geschaffen“, erklärt Jens Lawrynowicz. Um die zukünftigen Bewohner in den Fortschritt einzubinden, wurden sie in einer Bürgerversammlung informiert.

Zudem waren die Studierenden im Frühjahr 2016 vor Ort, um sich ein Bild von der Wohnsituation zu machen und Abmessungen durchzuführen. Besonders beeindruckt waren die Studierenden von der Herzlichkeit der Bewohner. „Sie waren durchweg positiv gestimmt“, meint Grützner über die Flüchtlinge. Für diese erfüllt die Wohnung nicht nur einen funktionalen Zweck. „Jeder Slumbewohner wird Besitzer der Wohnung“, sagt Jochen Schuster. Der zu zahlende Betrag sei sehr niedrig angesetzt. Zudem haben die Bewohner erstmals eine feste Wohnadresse. Langfristig sollen sie zu Bürgern des Staates Senegal gemacht werden.

Neben den architektonischen Aspekten haben die Studierenden auch viel über die planerischen Abläufe eines Bauprojekts gelernt. „Vom Entwurf über die Investoren und die Genehmigungen der Ämter war es immer ein Auf und Ab“, resümiert Gina Böhmer, die einzige Frau in der Studierenden-Gruppe.

Mit Schulen und einer Krankenstation soll das neue Stadtviertel aufgewertet werden. Auch wenn einige der Studierenden im kommenden Jahr ihr Studium bereits abgeschlossen haben, wollen sie noch einmal hinfliegen, um das Endergebnis zu besichtigen. Dann nämlich sollen alle Bewohner eingezogen sein.