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Zwischen Balkan und Düsseldorf

Zwischen Balkan und Düsseldorf

Danko Rabrenovic, Sänger der Band Trovaci, erzählt die Heimatgeschichten eines „Balkanizers“ auf der Lit.Cologne.

Düsseldorf. Danko Rabrenovic ist Radiomoderator, Sänger der Band Trovaci und Buchautor — und er ist „der Balkanizer“. Geboren wurde er als Sohn einer Journalistenfamilie im früheren Jugoslawien. Heute lebt er mit seiner Familie in Düsseldorf. Gerade hat er mit Trovaci das Album „Aprililili“ veröffentlicht, als Autor ist er mit dem neuen Buch „Herzlich Wilkommencic“ in dieser Woche zu Gast beim Kölner Literaturfestival Lit-Cologne.

Herr Rabrenovic, fühlen Sie sich in Deutschland willkommen?

Danko Rabrenovic: Das Buch ist vor Entwicklungen wie Pegida und Dügida entstanden, es geht um Heimat und das Heimatgefühl. Ich lebe stetig zwischen zwei Kulturen und Ländern und habe so erkannt, dass Heimat nichts Geografisches ist, sondern ein Gefühl, das man überall mitnehmen kann. Als ich Anfang der 90er nach Deutschland gekommen bin und zur Ausländerbehörde musste, habe ich mich überhaupt nicht willkommen gefühlt, da wollte man, dass ich möglichst schnell nach Hause verschwinde. Inzwischen habe ich meine Familie, meine Freunde und meine Arbeit hier und fühle mich durchaus willkommen.

In den Trovaci-Liedern wechselt die Sprache stetig zwischen Deutsch, Serbokroatisch und Englisch. Wieso?

Rabrenovic: Ich spiegele damit nur meinen Alltag wieder. Egal ob zu Hause, bei der Arbeit oder auf der Straße, ich wechsel stetig zwischen Deutsch und Serbokroatisch. Erstmals gibt es auf der neuen CD ein englisches Lied, das dreht sich um die NSA. Dabei geht es weniger um Themen, sondern mehr um den Klang der Sprache. Manchmal funktioniert ein Wortspiel nur auf Deutsch, manchmal nur auf Serbokroatisch.

Ihre Tochter hat sich mit acht Jahren gewünscht, nicht immer die „Deutsche“ in der Familie zu sein und wollte einen kroatischen Pass . . .

Rabrenovic: Meine Tochter ist hier geboren, hat einen deutschen Pass und ist ein Düsseldorfer Mädchen. Ihre Eltern sind beide Balkanesen, etwas, das wir eigentlich nie thematisiert haben. Aber sie wollte sich wohl mit uns identifizieren und nicht anders sein als wir. Außerdem verbringt sie ihre Ferien mit Meer, Spaß und Freizeit immer in Kroatien, in Deutschland warten dann Schule und Hausaufgaben auf sie. Vielleicht hat sie das zum Wunsch zum kroatischen Pass bewogen. Aber sie ist ja erst neun Jahre alt, da kann sich noch viel ändern. Irgendwann muss sie ihren eigenen Identitätsbaukasten selbst zusammenstellen.

Sie werden gerne mit Wladimir Kaminer verglichen. Mögen Sie das?

Rabrovienc: Das passiert durch die Medien und den Verlag und ist wohl so etwas wie eine Hilfestellung für den Leser. Ich persönlich halte solche Vergleiche nicht für sinnvoll. Es gibt sicher Ähnlichkeiten, aber vergleichbar ist das nicht.

Warum?

Rabrenovic: Ich fühle mich nicht in erster Linie als Schriftsteller. Ich will einfach meine Geschichten erzählen, sei es als Radiomoderator, als Sänger oder als Autor. Meine Bücher sind auch keine nobelpreisverdächtigen literarischen Glanzstücke. Ich versuche mit einer einfachen Sprache meine Kurzgeschichten zu erzählen. Dabei stehen die Geschichten ganz klar im Mittelpunkt.

Sortieren Sie Ihre Ideen nach Buch, CD und Radio?

Rabrenovic: Nein, das läuft völlig intuitiv, ich entscheide da nicht bewusst, was in welcher Disziplin erzählt wird, das ergibt sich einfach.

Was bedeutet der Titel „Aprililili“ beim neuen Album?

Rabrenovic: Er steht für das „April, April“ am 1. April. Im Song geht es um Frieden und das Ende von Armut und Gerechtigkeit in der Welt, was am Ende leider nur ein Traum ist. Im Zusammenhang mit dem Bandnamen, der übersetzt so etwas Frauenheld bedeutet, ist das auch ein Aprilscherz. Inzwischen sind wir alle Familienväter und längst keine Frauenversteher mehr (lacht).

Wie hat sich Ihre Musik seit 2003 verändert?

Rabrenovic: Die Grundelemente aus Punkrock, Ska und Reggae sind unverändert geblieben, vielleicht sind wir etwas konkreter geworden. Nach 13 Jahren und 300 Konzerten sind wir als Band zu einem Klangkörper verschmolzen, was man unserer Musik auch anmerkt.