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„Jazz muss fetzen und unter die Haut gehen“

„Jazz muss fetzen und unter die Haut gehen“

Lous Dassen singt morgen im Haus der Ärzteschaft. Sie gründete einst das legendäre „Dr. Jazz“.

Düsseldorf. „It’s Swingtime“, heißt es mal wieder am Donnerstag, 12. März, um 20 Uhr im Konzertsaal im Haus der Ärzteschaft. Und auf Swing, Dixieland und Blues versteht sich Lous Dassen (Foto: Lepke). „Wenn’s sein muss, auch mal Rock’n’ Roll“, sagt sie. Die gebürtige Niederländerin, die seit fast 50 Jahren in Düsseldorf lebt und die die Jazz-Szene als ‚Frau Dr. Jazz’ verehrt, wird mit ihrer Band „Grooves“ nach allen Regeln ihrer Kunst grooven und ihr breite Jazz-Röhre in Schwingungen versetzen.

„Wo ich gefragt werde, trete ich auf“, sagt die heitere Frau mit forscher Kurzhaarfrisur und markanter Designer-Brille. Häufig mit anderen Bands. Sie kennt viele. Kein Wunder, bei ihrer jahrzehntelangen Karriere. Wie es zu ihrem Titel kommt? Nicht über eine Doktorarbeit, lacht sie. Nein, sie trat seit Ende der 60er Jahre in dem legendären „Dr. Jazz“ in der Altstadt auf, dessen Gründer Manfred Kabey die junge Lous mit der betörenden Alt-Stimme an den Rhein lockte. 1985 kaufte sie den Laden und betrieb ihn bis 1998 — bis sie für eine kurze Zeit nach Sylt ging. Eine wenig glückliche Episode in ihrem Leben, auf die man die leidenschaftliche Sängerin besser nicht anspricht.

Genauso wenig auf das Aus für die Jazz-Kneipe, in der maneinzig Getränke und Erdnüsse servierte und nur Platz für echten Jazz war. Mit Klavier, Saxofon, Perkussion und Gesang. Diejenigen, die ihr das Lokal von 15 Jahren abkauften, setzen jedoch auf ein ganz anderes Programm.

Wegen der Musik und der Liebe zog sie einst von Valkenburg bei Maastricht nach Düsseldorf. Liebe? Ja, ihr damaliger Freund wollte in Düsseldorf BWL studieren. Und heute? „Bin ich glücklicher Single mit Hund,“sagt sie sie. Obwohl sie ernst wird, wenn sie über ihren Ex-Mann spricht, der seit einem Schlaganfall im Heim lebt. Um ihn kümmert sie sich trotz Scheidung auch heute regelmäßig.

Ihre Augen glänzen indes, wenn sie auf Swing zu sprechen kommt. Und auf ihre Vorbilder wie auf den US-amerikanischen Jazz-Trompeter Louis Prima (1910-1978) aus New Orleans. „Das fetzt richtig schön!“ Sie gerät ins Schwärmen, wenn sie über seinen Welthit „Buona sera Signorina“ und Louis Primas Sängerin Keely Smith spricht. Ein Autogramm von ihr hat einen Ehrenplatz in Lous Dassens Wohnung in Wittlaer.

Ein weiteres Vorbild sei die Gospelsängerin Mahalia Jackson. Klar, dass sie an modernem, experimentellem Jazz nur wenig Freude findet. Jazz muss fetzen und unter die Haut gehen, so ihre Devise. Sie plane mit ihrer Band daher immer nur — wie auch morgen — das erste Set. Das spricht sie mit den Musikern ab. „Ich achte dann immer auf das Publikum — wie und worauf es reagiert.“

Je nach Stimmung kredenzt sie im zweiten Set andere Songs, setzt mehr auf klassischen New Orleans Jazz, Country oder Dixieland. Man könne die Nummern auch ruhig so singen wie in den 1920er Jahren, erklärt sie. Und setzt an zu den „schönen alten Sachen“ wie „Moon River“ oder „Blue Moon“.

Von langen Proben hält Lous heute wenig. Mit drei Nummern singt sie sich ein. Meist im Auto. „Bei der Nummer Vier ist meine Stimme voll da.“ Wie lange ihre Konzerte dauern? Da gibt sich Frau Dr. Jazz ganz offen. Offiziell heißt es: zwei mal 45 Minuten. „Wenn wir aber mal dabei und richtig drin sind, hören wir nicht so schnell auf“, blinzelt sie hinter ihrer Brille. „Während ich eine Nummer singe, denke ich plötzlich an eine andere, das dazu passen könnte.“