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Francisco de Zurbarán unter dem Skalpell

Francisco de Zurbarán unter dem Skalpell

Dem Franziskus-Gemälde des spanischen Barockmalers im Kunstmuseum wird zu neuem Glanz verholfen. Das Geld stammt aus dem Restaurierungs-Fonds der Kunstmesse Tefaf.

Düsseldorf. Francisco de Zurbaráns „Heiliger Franziskus von Assisi“ muss sich gegenwärtig eine Schönheitsreparatur gefallen lassen. Er wird derzeit nicht im Halbdunkel des Rubens-Saals im Kunstmuseum gezeigt, sondern liegt flach auf einem Seziertisch. Dort muss er sich chemische Lösungen, UV-Licht und eine mikroskopische Behandlung gefallen lassen.

Die ist dringend nötig, denn das kostbare Gemälde hat im Laufe seines knapp 400-jährigen Bestehens nicht nur Patina angesetzt. Es befindet sich, wie die Diplom-Restauratorin Stephanie Schwind es nennt, in einem „ästhetisch unbefriedigenden Zustand“.

Das heißt, es hat Flecken. Der Firnis hat seine Transparenz verloren und ist vergilbt. Flecken zeugen von falscher Restaurierung durch alte Kittungen. Das führte zu einer scheckigen Malerei. Kurzum, eine aufwendige Restaurierung war überfällig, denn am 10. Oktober soll das Gemälde einen Glanzpunkt der großen Zurbarán-Retrospektive im Museum Kunstpalast bilden.

Die Sanierung ist ein Geduldsspiel. Stephanie Schwind erzählt, wie sie der zahlreichen Farbabhebungen auf der gesamten Fläche des Bildes Herr wird: „Mit einem Nuller-Pinsel, also einem ganz feinen Pinsel mit dem Haar des Rotmarders, schiebe ich tierischen Leim vom Stör unter die gelockerte Farbschicht. Durch leichten Druck mit einem Wattestäbchen kann die Malschicht wieder befestigt werden.“ Allein diese Arbeit dauerte zwei Monate und war nur unter dem Mikroskop möglich, das die Farbpartikel sechsfach vergrößerte.

Zunächst aber mussten Firnis und Retuschen abgetragen und der Kitt mit einem Skalpell entfernt werden. In diesen Tagen sollen die Fehlstellen wieder verfüllt und mit „illusionistischen Retuschen“, also mit Farbe im Stil des barocken Bildes, versehen werden.

Erst dann wird es möglich sein, den Heiligen in seiner Kutte, den Totenschädel in der Hand, richtig erfassen zu können. Zurzeit schwebt die vom vielen Lesen zerfledderte Bibel im Nirgendwo. Möglicherweise kommt aus der vielen Übermalung ein wie auch immer geartetes Fundament hervor, auf dem das Buch der Bücher lagert.

Noch nicht ganz klar ist, wo der Mönch eigentlich steht. Ist es der Eingang in eine Höhle, durch die man auf die Landschaft schaut? Was für eine Dunkelheit umgibt den Gläubigen, auf den ein so gleißendes, überirdisches Licht fällt. Die Restauratoren erhoffen sich von der Behandlung des Bildes Klarheit über den Innen- und Außenraum, der derzeit noch allzu verschwommen erkennbar ist. Nun ist an der Restaurierung des Bildes nicht nur Stephanie Schwind aus der städtischen Restaurier-Abteilung beschäftigt, sondern auch auswärtige Restauratoren.

Die Beschäftigung weiterer Fachleute wurde durch den Restaurierungs-Fonds der Kunstmesse Tefaf möglich. Zum 25. Geburtstag dieser führenden Kunstmesse in Maastricht wurde erstmals ein „Museums-Restauration-Fund“ ausgeschrieben. Den Zuschlag bekamen das Düsseldorfer Museum und das Wadsworth Atheneum in USA. Beide Häuser teilen sich 50 000 Euro.