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Die Rache des palästinensischen Vaters

Die Rache des palästinensischen Vaters

Die israelische Regisseurin Dedi Baron inszeniert die Premiere von „Mord“ im Kleinen Haus.

Düsseldorf. „Mord“- so eindeutig und knapp der Titel dieses Stücks von Hanoch Levin klingt, so gnadenlos auch die Handlung. Israelische Grenzsoldaten erschießen einen jungen Palästinenser. Dessen Vater wiederum schwört Rache und vollstreckt sie Jahre später: Er sucht die Mörder und tötet dabei ein unbeteiligtes Brautpaar. Eine Spirale von Vergeltung und Gewalt setzt sich in Gang, die groteske Ausmaße annimmt. Mit dem Stück aus der israelisch-palästinensischen Gegenwart, dessen Uraufführung 1999 das Publikum in Tel Aviv spaltete, gehen die Jüdischen Kulturtage im Rheinland weiter. Premiere ist am Freitag, 13. März, 19.30 Uhr im Kleinen Haus.

„Ein Theaterstück, das damals dringend notwendig für uns war,“ sagt Dedi Baron aus Tel Aviv, die in ihrer Heimat als Bühnen- und TV-Regisseurin einen guten Ruf genießt und Düsseldorf aus ihrer ersten Regiearbeit 2011 („Lemon Tree“) kennt. Der 1954 geborenen Israelin, die nun „Mord“ mit Düsseldorfer Schauspielern in Szene setzt, geht es weniger darum, die politische Situation im Nahen Osten auf die Bretter zu bringen.

„Gewalt ist ein universelles Problem“, sagt die Mutter von vier Töchtern und Großmutter von fünf Enkeln. Eine derartige Tragödie wie in „Mord“ könne überall passieren. Läuft sie vor dem Palästina-Israel-Konflikt davon? „Nein, aber die Bühne ist der Ort für die großen Fragen der Menschheit, wie in antiken Tragödien.“ Es gehe hier um die Kraft der Macht über andere Menschen. Und um die allgegenwärtige Angst. „Es liegt an uns, Schlüsse daraus zu ziehen.“

So versteht sich Dedi Baron als politische Regisseurin. Nicht aktuelle Politik aus der Tagesschau wolle sie zeigen, sondern eher den Weltschmerz, der von Mord und Totschlag ausgelöst werde. Dedi Baron - eine Romantikerin? „Ja, aber ich gehe mit Humor und Ironie vor.“ Letzteres erklärt sie so: „Der Wechsel zwischen Gewalt und Frieden geschieht schnell, in Sekunden. Gerade essen Soldaten noch ihr Schnitzel, plötzlich schlägt eine Bombe in das Haus ein, und schon beginnt für die Bewohner der Krieg.“

Das sei traurig, wirke aber durch den abrupten Wechsel auch komisch. Freilich: Nicht für Menschen, die schon mal ein Kind in einem dieser Bombenangriffe verloren haben. Situationen, die Dedi Baron aus ihrem Leben in Israels zweitgrößter Stadt kennt. Aufgewachsen in einem kulturell interessierten Elternhaus mit polnischen Wurzeln, hat sei bereits als Kind Theater gespielt. Warum? „Ich wollte Macht haben“, schmunzelt sie, „und mir eine bessere Welt bauen.“

So engagiert sie sich auch in der Nicht-Regierungs-Organisation „B’Tselem“, in der israelische Intellektuelle gegen Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten kämpfen. Nicht immer zum Gefallen von Regierung und Militär. „Wir helfen auch den Palästinensern in ihrem Alltag und wollen sichern, dass die Menschenrechte beachtet werden.“

Wie die meisten politisch linken Akademiker in ihrer Heimat wollen sie, dass sich die Politik in diesen Gebieten endlich ändert. In den letzten Jahrzehnten inszeniert Baron fast alle Uraufführungen von Dramen ihres Mannes Shlomi Moskovitz. Ein in Israel bekannter Dramatiker.

Aber durch Kontakte zu Theatern in Kiel und anderen Städten bringt sie zwei Produktionen pro Saison in Deutschland heraus. Darunter auch Musiktheater. So führte sie in Schleswig-Holsteins Hauptstadt bereits zweimal Regie in Mozart-Opern („Entführung aus dem Serail“ und „Don Giovanni“). Dedi Baron: „Mozart und ich sind gute Freunde.“