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Ein Soap-Liebling erobert die Bühne

Ein Soap-Liebling erobert die Bühne

Bekannt wurde Max Claus durch die RTL-Serie „Unter uns“. Jetzt macht er in „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ eine gute Figur.

Düsseldorf. Durchtrainiert, kernig, einen dicken Pullover über den Schultern. „Sportler durch und durch“ war Maximilian Claus bis zu seinem Abitur, wie er sagt, und träumte von einer Karriere als Athlet. Wie kam’s, dass er dennoch auf der Theater-Bühne landete? „Eher durch Zufall, durch eine Rolle in einer Schul-Theateraufführung“, erzählt der 1982 in Ost-Berlin geborene Schauspieler, der zwei Jahre lang als Erik Hansen in der RTL-Seifenoper „Unter uns“ besonders junge Zuschauerinnen begeisterte.

Bis Anfang April spielt Max Claus, der seit langem mit einer Schauspielerin liiert ist, einen schwulen Tanzlehrer — in dem Stück „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ in der Komödie an der Steinstraße, an der Seite von Heidi Mahler, Tochter der Volkstheater-Legende Heidi Kabel.

Als Einspringer kam er in dieses Stück, musste in wenigen Wochen tanzen lernen. Gesellschaftstanz, versteht sich. „Damit hatte ich vorher kaum etwas zu tun, habe jetzt aber Blut geleckt,“ sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Figur — ein kaltschnäuziger Youngster, der sich über den Wiener Walzer mit einer älteren Witwe anfreundet — habe ihn an dem Angebot der Komödie gelockt, genauso wie die Aussicht, mit der routinierten und renommierten Heidi Mahler zusammen aufzutreten.

Ohne Schnörkel, eher sportlich robust meistert er die Rolle, führt seine Partnerin gekonnt durch Cha-Cha-Cha, Rumba, Walzer, Foxtrott und Swing. Das bescheinigten ihm die Kritiker. Und er mimt nicht die ‚Tucke’ oder Trine, rutscht also nicht in das bekannten Schwulen-Klischee ab, sondern verleiht der Figur menschlich ergreifende Züge. Claus ist selber nicht schwul, habe aber viele homosexuelle Freunde, denen er sich einige Gesten abgeguckt hatte. Angst davor, mit der Rolle identifiziert zu werden, habe er nicht, meint der Mann, der Fitnesstraining genauso intensiv betreibt wie Kickboxen und Fußball. „Wenn Theaterleiter oder TV-Produzenten mich deshalb nicht mehr anders besetzen wollen, haben die ein Problem mit Homosexualität, aber nicht ich.“

Angebote dürften Max Claus zahlreich ins Haus flattern; denn er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt, an der Schauspielschule Vorpommern. Und machte danach die Ochsentour, wurde in Stadttheatern engagiert. Von 2006 bis 2009 immerhin im Theater Dessau unter Intendant Josef Felsenstein, dem Sohn des legendären Begründers der Komischen Oper Berlin. Unter ihm spielte er in Klassikern wie „Faust“, „Was ihr wollt“ oder „Diener zweier Herren“. Manchmal stand er in 13 Rollen pro Saison auf der Bühne.

Eine schöne, aber harte Zeit. Nicht weniger, wenn auch ganz anders die zwei Jahre Daily Soap „Unter uns“. Seit seinem Serien-Ausstieg schlägt sich Max als Freier Schauspieler durch. Auf den Brettern will er künftig nicht mehr als vier Stücke spielen. Dennoch: „Ganz schön anstrengend“, seufzt er. „Ich bin ständig auf Achse und muss mich auch bei Filmfestspielen blicken lassen.“

Kontaktpflege ist alles. Und Zähigkeit. Selbst bei starker Bronchitis muss er jeden Abend Vollgas geben. Wie er das meistert, kann man noch bis 2. April in der Komödie erleben. Tickets können unter Telefon 133 707 bestellt werden.