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Thriller: Horst Eckert schreibt „Im Namen der Lüge“​

Literatur : Thriller: Horst Eckert schreibt „Im Namen der Lüge“

Literatur Der Hauptkommissar Vincent „Che“ Veih übernimmt seinen vierten Fall, der auch in Düsseldorf spielt. Links- und Rechtsextremismus sind wieder Thema.

Online-Buchhändler verzeichnen seit Beginn der Corona-Krise eine steigende Nachfrage nach Lesestoff, der die Zeit, bis sich die Dinge wieder normalisieren, verkürzen kann. Krimis stehen dabei besonders hoch im Kurs.

Anfang März erschien mit „Im Namen der Lüge“, der inzwischen vierte Fall für Vincent „Che“ Veih. Erdacht hat ihn Horst Eckert, der seine Wahlheimatstadt Düsseldorf seit Jahren zum Schauplatz von Verbrechen macht, mit Auswirkungen bis in höchste politische und wirtschaftliche Kreise. Auch im neuen rund 570 Seiten starken Schmöker wird es wieder politisch. Dabei bleibt Eckert den Themenfeldern Rechts- und Linksextremismus treu, die schon in den vergangenen Büchern dieser Reihe um Vincent Veih als Hauptkommissar die Handlung bestimmten.

Auch das Thema „Reichsbürger“ spielt im neuen Werk eine Rolle

So rollte er im 2015 erschienen „Schattenboxer“ noch einmal den Mord an Treuhandchef Detlev Rohwedder durch die RAF auf und ein Jahr später in „Wolfsspinne“ beleuchtete er eine mögliche Beteiligung des Verfassungsschutzes am Tod der NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Für „Im Namen der Lüge“ nimmt sich Eckert dann gleich beides vor, indem er einerseits drei untergetauchte RAF-Mitglieder der zweiten Generation Anschläge verüben lässt, andererseits auch den Rechtsextremismus in die Handlung mit einbindet. Dabei spekuliert er erneut darüber, wie der Verfassungsschutz im Hintergrund die Fäden zieht.

In Malia Kahlid kommt eine (neue) Protagonistin ins Spiel, die das Potenzial hat, auch in weiteren Romanen diese Reihe, noch eine wichtige Rolle zu spielen. Sie ist die Tochter einer Somalierin und eines Politikers, der als rechte Hand der Kanzlerin in Berlin mit seiner Familie lebt. Seine Tochter Malia arbeitet in Düsseldorf für den Inlandsgeheimdienst als Referatsleiterin Linksextremismus. Sie verfolgt die Spur eines vermeintlichen RAF-Pamphlets, das in Antifa-Kreisen kursiert und die linke Szene 20 Jahre nach ihrer offiziellen Auflösung zum offenen Widerstand aufruft. Zeitgleich ermittelt Vincent Veih in einer Mordsache, die ihn mit so genannten Reichsbürgern konfrontiert und kurz darauf mit dem gewaltsamen Tod eines ehemaligen RAF-Mitglieds. Brisant für den Polizisten ist, dass er der Sohn einer ehemaligen RAF-Terroristin ist, mit der er sich nach einer langen Haftstrafe im ersten Buch der Reihe „Schattenboxer“ wieder zusammenraufen musste. Sie war es auch, die ihm den ungeliebten zweiten Vornamen „Che“ verpasst hat.

Realität und Fiktion werden detailreich und geschickt verwoben

Horst Eckert ist bekannt dafür, seine Stories fundiert zu recherchieren und die aktuelle politische Gemengelage im Land mit Fiktion so zu verweben, dass der Leser am Ende sagt, ja – so könnte es tatsächlich gewesen sein.

In „Im Namen der Lüge“ spannt er ein Szenario auf, in dem Verfassungsschützer, Bundeswehroffiziere und Politiker der höchsten Kreise die Strippen ziehen, Reichsbürger und Rechtsextreme mit ins Boot holen, um die Verhältnisse in Deutschland zu ihren Gunsten zu verschieben. Und wem könnte man Anschläge da besser in die Schuhe schieben, als den Linken? So könnte eine wieder formierte RAF in vierter Generation doch genau dem Täterprofil entsprechen, dieses Ziel zu erreichen.

Kahlid und Veih müssen schließlich gemeinsam in der Sache ermitteln. Das liest sich gewohnt detailreich beschrieben, auch recht spannend bis zum Schluss. Manchmal geht es allerdings sprachlich mit Eckert durch, vor allem dann, wenn er meint, die Sprechweise der jeweiligen Szene darstellen zu müssen oder wenn er an den Beginn einiger Kapitel vermeintliche Schlagzeilen der Presse setzt. Wer seine Bücher kennt und mag, wird auch hier wieder einen solide recherchierten Thriller mit dem aus seinen anderen Krimis bekannten Personal bekommen. Die Kraft des 2018 außerhalb dieser Reihe um Vincent Veih erschienen Polit- und Medienthrillers „Der Preis des Todes“ erreicht er aber mit diesem neuen Werk nicht.