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Konzert: Dieser Bogen lässt Brahms strahlen

Konzert: Dieser Bogen lässt Brahms strahlen

Das Württembergische Kammerorchester spielt Beethovens „Eroica“ und Brahms’ Violinkonzert in der Tonhalle.

Helden vom alten Schlage sind längst aus der Mode geraten. Und kaum ein Dirigent lässt Pathos zu in einer Aufführung der "Eroica" von Ludwig van Beethoven. Obwohl Beethoven sie zunächst nach Napoleon Bonaparte benennen wollte und sie erst umtaufte, weil er dessen Selbstkrönung zum Kaiser missbilligte.

Auch Matthias Foremny und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn misstrauen dem Heldengestus und liefern in der Tonhalle eine flotte, schlanke Version ab. Durch die Kammerbesetzung wirkt der Klang ohnehin nicht mehr monumental und die 3. Symphonie verliert an leidenschaftlichem Ausdruck, Brisanz, Tragik und Humanität.

Wir erleben einen fiktiven Helden in ungetrübter Urlaubsstimmung, gebadet, rasiert und mit einem für Hochglanzmagazine tauglichen Siegerlächeln. Vor allem im Kopfsatz kommt er sehr unbeschwert daher. Das Orchester verfügt über eine enorm hohe Spielkultur, musiziert seidig und elegant; Foremny gibt sichtbar präzise Einsätze und sorgt für viel Transparenz im Klangbild. Solche Qualitäten zahlen sich im weniger pastosen Scherzo-Satz und Finale sehr viel höher aus und veredeln die heitere Stimmung.

Der Marcia funebre lässt hingegen Ernst und geistige Anteilnahme vermissen. Da wird kein Held zu Grabe getragen: Die Nonchalance, mit der die Württemberger diesen Satz spielen, bringt ins Zeremoniell eine ironische Distanz, die den emotionalen Gehalt in Anführungsstriche setzt. Der Tragik-Verzicht mag Manchem wie eine Wohltat erscheinen, doch welchen Gehalt besitzt ein Trauermarsch dann noch?

Musik Ebenso wichtig wie ihre solistischen Auftritte ist für Isabelle Faust die Kammermusik. Sie gehört zu der Generation junger Musiker, die sich dabei nicht auf einzelne Epochen beschränkt

Preise Faust errang nach ihrer Ausbildung bei Christoph Poppen und Dènes Zsigmondy internationale Anerkennung: 1987 gewann sie den Leopold-Mozart-Wettbewerb in Augsburg und 1993 den Premio Paganini in Genua. 1997 wurde sie mit dem begehrten Grammophone Award "Young Artist of the Year" ausgezeichnet.