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Harlem Gospel Singers: Wenn Gospel den Worten Flügel verleiht

Harlem Gospel Singers: Wenn Gospel den Worten Flügel verleiht

Ein Besuch in der US-amerikanischen Heimat von Queen Esther Marrow.

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p class="text"><strong>Newport News. Der Raum ist gerade mal 45 Quadratmeter groß. Er pulsiert vor Energie. Sie kriecht in alle Ecken und Winkel, hier im Keller des Hauses 2131 an der Ecke Roanoke Drive und 22nd Street. Im Downtown-District von Newport News, Virginia (USA), flutet sie die Treppenstufen empor bis ins Erdgeschoss. Queen Esther Marrow singt. Begleitet von Kevin Harrington am Schlagzeug, Gitarrist André Lassalle und den beiden Keyboardern Anthony Evans und Charles Stanley - ein Freund aus der Nachbarschaft, der kurz eingesprungen ist - verleiht sie bei "Soon I will be done" den Worten Flügel. Sie gibt ihnen Trauer, Timbre und einen tieferen Sinn.

Es ist November, in wenigen Wochen wird sie mit den Harlem Gospel Singers und der neuen Show "That´s Spirit" (Das ist der Geist) durch Europa touren. Am 20. Dezember ist NRW-Premiere in der Düsseldorfer Tonhalle.

Queen Esther Marrow wurde mit 22 Jahren von Jazz-Legende Duke Ellington entdeckt. 1965 beteiligte sie sich an der US-Bürgerrechtsbewegung und nahm mit politischen Aktivisten wie Jesse Jackson, Sidney Portier und Dr. Ralf Abernathy an Dr. Martin Luther Kings "World Crusade" teil. Sie sang mit Mahalia Jackson "We shall overcome" auf der Bühne und umarmte sie: "Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke".

1990 wurde sie zur Mitbegründerin von "The Harlem Gospel Singers" - einem hochkarätigen Chor, der seitdem die Botschaft des Glaubens, immer wieder neu inspiriert von R&B, Jazz und Pop, alljährlich in die Metropolen Europas trägt.

Vor der aktuellen Tour hat Queen Esther, die viel bewunderte First Lady des Gospel, in Newport News neue Kräfte gesammelt. "Ich wurde dort geboren", erzählt sie, "und hier, im Haus Nummer 2131, bin ich aufgewachsen." Mit ihrer Großmutter Roxanne, der das Haus damals gehörte und die sie groß zog, während ihre Eltern als Zimmermädchen und als Werftarbeiter arbeiteten, ging sie zu ihren ersten Gospel-Gottesdiensten: "Damals lernte ich, dass der Spirit, der Heilige Geist, das Leben lebenswert macht. Gott will, dass wir intelligent sind, gedeihen und auf uns selbst aufpassen."

Vorher wohnte sie in New York, hatte ein Haus in Long Island: "Nun bin ich zurück gekehrt, dahin, wo meine Wurzeln liegen." Auch hier wird sie weiter kämpfen. Gegen die Kriminalität, die inzwischen, nur einen Block weiter, das Viertel, in dem sie aufwuchs, zum übel beleumundeten Ghetto macht, und gegen Grundstücks-Spekulanten wie Donald Trump, die sich die Wohngegend der kleinen Leute, so verführerisch nah am Ufer des James River gelegen, nur zu gern unter den Nagel reißen würden: "Ja, sicher. Die Nachbarschaft hat sich verändert, aber man muss daran glauben, dass der gute Geist zurückkehrt".

Programm Die neue Show der Harlem Gospel Singers heißt "That’s Spirit". Seit Dezember sind sie mit ihrem Programm auf Europa-Tournee.

Termin Am Donnerstag, 20., und Freitag, 21. Dezember, gastieren die Harlem Gospel Singers mit Queen Esther Marrow in der Düsseldorfer Tonhalle. Beginn ist jeweils um 20Uhr.

Karten Tickets gibt es unter der Telefonnummer: 0211/89 96 123.