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Ausstellung: Die Ikonen der Kunstszene

Ausstellung: Die Ikonen der Kunstszene

Anfänge und Höhepunkte des künstlerischen Lebens im Rheinland zeigt eine sensationelle Schau im museum kunst palast.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Wie stolz kommt der informelle Maler Karl Otto Götz 1959 auf dem Foto von Manfred Leve daher. Götz gehört zur Cobra-Gruppe und damit zur internationalen Kunstszene. Wie ein Gentleman schaut er aus, im gut geschnittenen Anzug, den leichten Regenmantel über den Arm geworfen, die Pfeife in der Hand. Er ist damals der große Anreger an der Kunstakademie Düsseldorf, in seiner Klasse studierten Künstler wie Gerhard Richter und Sigmar Polke. Das Foto wirkt in der aktuellen Schau des Archivs künstlerischer Fotografie im museum kunst palast wie eine Ikone. Es gibt viele Ikonen in dieser sensationellen Schau, die die Anfänge und die Höhepunkte der rheinischen Kunstszene präsentiert. Joseph Beuys fährt mit dem Fotografen Gianfranco Gorgoni im August 1971 zu seiner Ausstellung nach Eindhoven. Mitten auf dem Weg lässt er anhalten und begibt sich in die niederrheinischen "Sümpfe". Er suhlt förmlich im Matsch, als wolle er in den Schoß der Mutter zurückkehren. Beuys blieb zeit seines Lebens ein "Niederrheiner". Joaquim Romero Frias kam aus Spanien nach Düsseldorf und hatte sein Fotostudio im Hinterhaus am Burgplatz12, über dem Wohnatelier von Marcel Broodthaers. Der geniale Konzeptkünstler Broodthaers konnte kein Deutsch, die beiden Herren unterhielten sich auf Französisch, und Romero Frias nahm 1971/72 sein Musée d’Art Moderne auf, mit der Uhr, der Pfeife, der Birne und der Maske. In derselben Zeit trat Broodthaers bei "between" in der Kunsthalle auf und tauschte mit dem Kunsthallenchef Jürgen Harten die Rolle. Viele Künstler haben in jenen experimentellen Zeiten die Rollen getauscht und als Plantagenbauer wie Günther Uecker, als Feuerbändiger wie Otto Piene, als Texter wie Ferdinand Kriwet agiert. Die drei Stars dieser Ausstellung sind Erika Kiffl, Manfred Leve und Benjamin Katz, die die Anregungen zu diesem Archiv und dieser Ausstellung gaben. Doch auch Ute Klophaus ist zu nennen, die mit dem meditierenden Nam June Paik eine Inkunabel des Denkenden, des Spirituellen in dieser Umbruchs-Phase präsentiert. Maren Heyne spiegelt die Spiegelfolie des Zero-Künstlers Heinz Mack.

Ute Klophaus ist Joseph Beuys fotografisch auf der Spur

Es gibt faszinierende Momente im Bild. So hält Jutta Osterhof 1971 den alten, ausgezehrten, expressiven Visionär Gert Wollheim fest, den Emigranten in Amerika, dem sie in der Berlinischen Galerie die erste Ausstellung nach dem Krieg gewidmet hat. Ein Hungerkünstler ist er auf ihrem Foto, der über das Elend der Welt erhaben zu sein schien.

Archiv Das "Archiv künstlerischer Fotografie der rheinischen Kunstszene" (AFROK) ist ein Archiv im Düsseldorfer Ehrenhof, das im Oktober 2003 gegründet wurde. Gründungsdirektor ist Stephan von Wiese.

Ausstellung: Zu sehen sind die 700 ausgestellten Fotos bis zum 2.März 2008 im museum kunst palast, Ehrenhof, di bis so 11-18Uhr. Katalog 29,50 Euro.