Die gefährliche Schönheit der Natur

Fotografie : Die gefährliche Schönheit der Natur

Galerie „Kunst & Denker Contemporary“ zeigt Düsseldorfer Fotokünstler Ralf Brueck

Gefährliche Schönheit“ – so lautet der Titel, unter dem der Düsseldorfer Fotokünstler Ralf Brueck nun in der Galerie „Kunst & Denker Contemporary“ ausstellt.

Weiß und weich wie eine Landschaft aus Marshmellows, Baisers und Buttercreme - so erscheint die sauerländische Atta-Höhle bei Foto-Künstler Ralf Brueck. Foto: Ralf Brueck

Aus gewölbten Decken wuchern Zapfenkränze hinab, die Wände sehen aus wie blubbernde Gipsströme, Kaskaden schichten sich auf wie eine Hochzeitstorte. Unterirdische Gesteinswelten – starr und doch scheinen sie zu fließen. Weiß und weich wie eine Landschaft aus Marshmellows, Baisers und Buttercreme – allerdings wild und ungezähmt und: bedrohlich. Die zuckersüße Zauberwelt weitet sich aus, verengt die Räume, verschließt sie – mutiert zur dämonischen Unterwelt. „Ok Coral“ nennt Ralf Brueck sein Werk. In Anspielung auf Korallen – Unterwassertiere, die wie Pflanzen aussehen. Das Motiv hat Brueck in der sauerländischen Atta-Höhle gefunden, einer der größten Tropfsteinhöhlen in Deutschland. Ein schwieriges Unterfangen, denn in der Attendorner Höhle ist Fotografieren verboten. Doch der 52-jährige überzeugte die privaten Besitzer der Höhle und gelangte sogar in Bereiche, die sonst nur Ministerpräsidenten betreten. Er hat nach Stellen gesucht, wo Natur „passiert“, wo sie trotz ihrer Gesetze chaotisch wird. Hat sie zunächst 1:1 fotografiert, dann am Computer die Farbe verändert. Hat eine neue, künstliche Höhlenwelt kreiert, sie in „unnatürliche“ Farben getaucht. Die Atta-Höhle wird zur weißen Zuckerwelt. Tropfstein-Kaskaden in der Iserlohner Dechenhöhle erstrahlen in Blau und Violett. Die „Höhlen-Fotografien“ hat Ralf Brueck als Serie angelegt. „Synthese“ nennt er sie: Natur trifft auf Künstliches. Immer im Großformat. Anders kämen die monumentalen Untergrund-Systeme nicht zur Wirkung, so der Künstler.

Idyllisch und unheimlich zugleich: Wiese, Dickicht und kahle Bäume sind in Schwarz und Rot getaucht, wie auf einem Infrarot-Überwachungsbild. Foto: Ralf Brueck

Doch Brueck fängt auch oberirdische Natur-Szenerien ein. Etwa eine Palmenlandschaft in Monte-Carlo. Mehrere Meter hoch recken sich die exotischen Gewächse in den blauen Himmel, die Blätter glänzen im Sonnenlicht, am Horizont verschwimmen die monegassischen Hügel. Doch Brueck lichtet die Palmenlandschaft nicht naturgetreu ab. Er spielt mit ihr, macht sie unscharf. Als hätte er die flirrende Luft der südlichen Hitze ins Bild geholt. Die auch unangenehm sein kann. Das Foto erinnert aber auch an Wackelbild-Postkarten, auf denen die Perspektiven flippen. Daher rührt auch der Titel des Werks: „Souvenir Monte Carlo“. Ein anderes Foto nennt sich „Elba“: Wiese, Dickicht. Kahle Bäume strecken sich in den Nachthimmel. Alles in Schwarz und Rot getaucht, wie auf einem Infrarot-Überwachungsbild. Idyllisch und unheimlich zugleich. Bei Ralf Brueck ist Natur nie gleich Natur. Er verfärbt, verformt, verstellt sie, lässt sie schön, aber auch bedrohlich erscheinen.

„Ralf Brueck – Gefährliche Schönheit“, noch bis 28. April in der Galerie „Kunst & Denker Contemporary“. Adresse: Florastraße 75. Preisspanne: 1200 Euro bis 14.500 Euro. Mehr Infos im Netz unter: