Kunstausstellung „Body in Pieces“ - Zerstückelte Körper im Kai 10

Kunsausstellung - „Body in Pieces“ : Kunstausstellung- Zerstückelte Körper im Kai 10

Sieben internationale Künstler untersuchen im Medienhafen die Natur des Menschen in der heutigen Zeit. Die Kuratorin Julia Höner hat sie zu dem Thema „Body in Pieces“, „Körper in Stücken“, eingeladen.

Ein Stuntman kann alles. Er ist der wahre Held der Actionfilme. Er ist Hexenmeister und Zauberer, Rodeo-Star, Auto-Akrobat und tollkühner Springer. Sein Körper ist gegen alles gefeit. Dass er auch sterben kann, gehört nicht zur Filmregie. Das Gegenteil beweist Jens Pecho in einer Schau in Kai 10, die sich „Body in Pieces“ nennt, „Körper in Stücken“. Sieben Künstler hat die Kuratorin Julia Höner zu diesem Thema eingeladen.

Pecho, Absolvent der Kölner Kunsthochschule für Medien und der Städelschule, hatte zunächst Soziologie studiert. Für ihn ist die Kunst immer auch eine gesellschaftliche Frage. Er präsentiert Sequenzen aus Spielfilmen, in denen die Doubles beim Dreh von Stuntszenen ums Leben kamen. Das Perfide in diesen Ausschnitten amerikanischer Spielfilme ist, dass die Todesszenen noch nicht einmal herausgenommen sind. Jim Sheppard etwa wurde 1977 getötet, als ihn beim wilden Ritt durch die Prairie das Tier abwarf, zu Boden riss und mitschleifte. Der Filmstreifen zeigt den Toten, als gehöre seine Szene zum Spiel. Der Betrachter erfährt davon, weil Pecho Texte über die Filmbilder legt.

Besonders eindrucksvoll ist die Situation hoch oben in einem Getreidesilo. Die schöne Frau schaut zu, der agile Mann dreht sich um und segelt lautlos in die Tiefe. Er fällt in den Tod, ohne Seil und ohne doppelten Boden. Der mediale Tod wirkt blutlos, sanft und perfekt zugleich. Die reale Versehrtheit des Körpers, das Blut und die zerstörten Knochen bleiben ausgespart. Den Kommentar dazu liefert die Kuratorin, indem sie sagt: „Das Mediale siegt über das Reale. Das ist eine Parabel für die Jetztzeit, wo wir von ungeheuer vielen Toten konfrontiert werden, die in der Bilderflut mitgerissen werden.“

Die Italienerin Monica Bonvicini, Star der internationalen Kunstszene, schnibbelt streifenweise erotisierte Körperbilder aus Magazinen und Boulevardpresse. Diese Streifen bildet sie zu einem Geflecht wimmelnder Haut- und Körperteile. Ein Strudel fleischfarbener Flachware ist das Ergebnis, das schön anzuschauen ist, aber zugleich ein gewisses Ungehagen erzeugt. Lustvoll und frech zugleich ist ihr Flaschentrockner, der durch Marcel Duchamp zur Ikone der Konzeptkunst geworden ist. Sie dreht den Spieß um, indem sie anstelle der Flaschen ein Dutzend Penisse aus Muranoglas auf das Gestell aufspießt. Nun funkelt das transparente Glas im Licht, das durch ein Fenster dringt, und glossiert das Männlichkeitssymbol im lustvollen Sonnenschein.

Die deutsch-irische Künstlerin Mariechen Danz aus Berlin erforscht in ihren Interdisziplinären Studien die Bedingungen von Körperlichkeit. Sie demonstriert den Körper wie ein wissenschaftliches Anschauungsobjekt zwischen Plexiglasscheiben. Zugleich lässt sie einzelne Organe aus der Körperhülle austreten und tentakelartig an Metallarmen ihr Umfeld ertasten.

Die Schweizerin Lili Renaud-Devar hat ein Opernlibretto über eine „kleine Tragödie von Bildern und Körpern im Museum“ geschrieben, das über Kopfhörer angehört werden kann. Im Raum postiert sie abstrahierte Schaufensterpuppen mit Protestschildern. Die Texte üben auch Institutionskritik gegenüber den hilflosen Museen, die keine Kraft und keine Macht mehr haben, um den sozialen Körper zusammenzuhalten.

Kai 10, Arthena Foundation, Kaistraße 10, bis 12. Mai, Di-So 11-17 Uhr, www.kaistrasse10.de

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