Bernsteins verrückte Messe

Tonhalle: Bernsteins verrückte Messe

Das Sternzeichen in der Tonhalle widmet sich zu Bernsteins 100. Geburtstag seiner 1971 uraufgeführten „Mass“.

Die kommenden Sternzeichenkonzerte am Freitag, Sonntag und Montag werden in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Genauso ungewöhnlich wie das Werk und der Schöpfer dieses Werkes, das in ihrem Rahmen aufgeführt werden wird. Das Werk heißt schlicht „Mass“ – also englisch für Messe – und der Komponist hinter diesem sonderbaren Stück ist kein geringerer als Leonard Bernstein. Der von so vielen Musikfreunden verehrte Dirigent und Komponist. Denkt man an den Komponisten Bernstein, kommt einem sogleich die West Side Story in den Sinn. Doch hat „Lenny“ viel mehr als seinen zweifelsfrei genialen Mega-Hit geschrieben. Teils sehr ernste kunstvolle Musik, die aber immer zwischen Modernität und Tradition zwischen Vorbildern wie Mahler und Einflüssen aus dem Jazz changiert.

Doch trotz der Vielfalt im bunten Schaffen Bernsteins ist seine „Mass“ eher ein Stiefkind im Repertoire. Woran das liegt, hat mehrere Gründe, teils ganz objektive, vielleicht auch teils subjektive. Denn „Mass“ kann provozieren, kann auch bisweilen etwas anstrengend sein, zugleich bietet diese Musik auch sehr anrührende Momente. Ob man dieses „Sakrileg“, bei dem so Manches ad absurdum geführt wird, nun just dafür liebt oder eben dafür hasst, variiert von Fall zu Fall, vielleicht auch von Tagesform zu Tagesform. Doch Bernstein runder Geburtstag – er wäre am 25. August diesen Jahres 100 Jahre geworden – ist ein legitimer Anlass, sich diesem Mischwesen aus Messe, Happening und Musical zu widmen. Dies tut die Tonhalle und setzt dabei auf eine halbszenische Umsetzung.

Doch was macht „Mass“ so besonders? Nun einerseits seine Geschichte, denn das Werk entstand im Auftrag von Jacqueline Kennedy als Eröffnungsstück für das Kennedy-Center in Washington am 8. September 1971. Andererseits seine auch politisch durchdrungene Botschaft für Frieden, Freiheit und Aufbegehren gegen jegliche Art von Eingrenzung und Unterdrückung. So ist „Mass“ auch musikalisch vollkommen entgrenzt. Der Rahmen einer lateinischen Messe wird aufgebrochen und dekonstruiert. Dies alles eingebettet in ein szenisches Setting, das in unserem Fall von Regisseurin Susanne Frey auf die Anforderungen der Tonhalle zugeschnitten wurde. Unter der Leitung von John Neal Axelrod wird eine fast Mahlersche Ausmaße annehmende Riege an Sängern und Musikern zusammengeführt. Inklusive Kinderchor, Street Chorus und natürlich dem Chor des Städtischen Musikvereins.

„Die musikalische Vielfältigkeit, wie es Bernstein schafft, diese Brüche und diese Übergänge zusammenzufügen in dieses monumentale Werk, das ist natürlich eine Faszination“, beschreibt Susanne Frey die Qualitäten von Bernsteins Werk. „Was mich sehr bewegt, ist der Hintergrund des Stückes, wissend was er für ein engagierter Mensch er war“, sagt sie. Die Version für die Tonhalle möchte einen Rahmen schaffen, der das Feiern einer Messe „zwingend mache“. Zwischen einem Paradiesgarten und einem vertrockneten Baum wird sich „Mass“ seinen Weg in die Herzen des Publikums suchen wollen. Genau verraten werden darf das Setting nicht. Es soll Überraschungen geben.

Tonhalle am Ehrenhof, Freitag und Montag 20 Uhr. Sonntag 11 Uhr.

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