Düsseldorf: Ein Doppelknüller in der Komödie

Komödie: Ein Doppelknüller in der Komödie

Es gibt jetzt eine deutsche und eine englische Fassung von „Odd Couple“ zu sehen.

Der leicht verschlampte Oscar, ein pokerspielendes Urgestein in durchschwitztem T-Shirt, und der verklemmte Felix in gebügeltem Biederdress, der einen auf Etepetete macht: Die beiden von ihren Ehefrauen verlassenen oder geschiedenen Männer bilden schon ein „seltsames Paar“. Ein „odd couple“, wie das englische Original von Neil Simon heißt, das sich in den 1960er Jahren, aus Hollywood kommend, weltweit zum Leinwand-Klassiker mauserte. Dass nun in der Komödie an der Steinstraße gleich zwei Theaterfassungen zu sehen sind – eine deutsche und eine in englischer Sprache –, ist eine Neuheit in Düsseldorfs Kulturleben. Ein Theater-Gegenprojekt zum drohenden Brexit. Die deutschsprachige Version, inszeniert von Peter Millowitsch, steht seit zwei Wochen auf dem Spielplan. Montag feierte die Originalfassung des English Theatre Düsseldorf Premiere, bejubelt von britischen Düsseldorfern und englisch verstehenden  Deutschen.

Damit hat die Komödie einen Doppelknüller. Neben der Millowitsch-Inszenierung  mit Rolf Berg und Jens Hajek in den Titelrollen nun auch die Produktion der Amerikanerin Ilya Parenteau. Hier ziehen nun Tom Zahner als Oscar und Mike McAlpine als Felix alle Register des handfest überspitzten, trockenen Humors aus ‚Good Old England.

Das Außergewöhnliche: Die Briten spielen in demselben Bühnenbild wie die deutsche Komiker. Der Salon in Oscars Achtzimmer-Wohnung mit Blick auf die New Yorker Skyline, die Türen zu Küche, Bad und Schlafräumen – all’ das wird von der English-Theatre-Company (vor zwei Jahren gegründet) ebenso virtuos genutzt wie Kochlöffel und Servierwagen. Nur der Staubsauger fehlt. Das wäre dann allzu deutsch. Pointen und Witze funktionieren indes genauso flockig wie beim Komödien-Ensemble. Das Tempo aber, das Ilya Parenteau von ihren Darstellern abverlangt, ist höher als bei Millowitsch. Außerdem: Die Typen wirken noch schriller und schrulliger als ihre deutschen Pendants.

Wer es so richtig sarkastisch, zynisch und schwarzhumorig liebt, kommt jedenfalls beim English Theatre auf seine Kosten. Zumal in den Rededuellen zwischen den alten Freunden und später zwischen ihnen und den beiden munter plappernden Schwestern, die Oscar zum Dinner eingeladen hat.

Anders freilich das Outfit. Die Kostüme von Liz Manning – besonders die Cocktail-Kleider in Leuchtfarben der beiden jungen Damen Lara Schitto und Rosie Thorpe (als Pigeon-Sisters) – beweisen Mut zur Farbe und entsprechen dem, was man landläufig unter ‚typically british’ versteht. Apropos ‚british’. Selbst Zuschauer, die nicht perfekt Englisch sprechen, können den Witzen folgen und sich amüsieren. Voraussetzung: Sie haben die deutsche Version vorher gesehen. Umgekehrt dürfte es genauso sein: Wenn Briten die English Theatre Company erlebt haben, werden sie danach auch den deutschen Humor verstehen. Fazit: Ein doppeltes Theater-Erlebnis, das nebenbei noch dem Einüben in das Hörverstehen der Fremdsprache dient. Auch unter diesem Aspekt ein vorbildliches Projekt. Zu wünschen wäre es, dass künftig die beiden Ensembles näher rücken und zumindest ein Boulevard-Stück pro Saison in beiden Sprachen aufführen. Freilich ist das Reservoir an englischsprachigen Komödien weitaus größer als das deutscher ‚Lustspiele’.

„The odd Couple“: bis 7. Jan. 2019, Sonntags 14, Montags, 20 Uhr. TEL: 133 707

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