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Düsseldorf: Ein Polizist und Gentleman geht in den Rückstand

Düsseldorf : Ein Polizist und Gentleman geht in den Rückstand

Wolfgang Töpfer hört nach über 40 Jahren bei der Polizei auf. Am letzten Tag blickt er zurück auf große Fälle, Erfolge und schlimme Schicksale.

Düsseldorf. Eigentlich wollte Wolfgang Töpfer Journalist werden: Für die Düsseldorfer Nachrichten schrieb er Anfang der 70er Jahre Konzertkritiken. Doch studieren wollte er nicht und da passte es ihm, als er vom damaligen Werbespruch der Polizei hörte: „Düsseldorf sucht richtige Männer“. Da habe er zu sich gesagt: ,Die meinen dich!’, erinnert Töpfer sich und lacht.

Düsseldorf: Ein Polizist und Gentleman geht in den Rückstand
Foto: (Archiv)-F: Polizei/A.E.

Die Entscheidung hat er nach eigenen Worte nicht bereut. Töpfer machte bei der Polizei Karriere, die Jahre brachten ihm viele unvorhergesehene Herausforderungen, Fälle, die Schlagzeilen machten, aber auch manch bedrückenden Moment. Am Montag verabschiedete er sich in den Ruhestand und blickte zurück auf mehr als 40 Jahre.

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Foto: (Archiv)-F: Polizei/A.E.

So manches Datum in dieser Zeit hat sich Töpfer ins Gedächtnis gebrannt. So der Veilichendienstag des Jahres 1999, der Tag, an dem PKK-Aktivisten das griechische Konsulat besetzten, um gegen die Auslieferung von Abdullah Öcalan zu protestieren. Töpfer leitete damals die Abteilung Staatsschutz, um 4.30 Uhr klingelte morgens sein Telefon — und auch für den Rest des Tages standen die beiden Telefone auf seinem Schreibtisch nicht mehr still. Im nachhinein sieht er die Arbeit als Erfolg: „Wir hatten Bildmaterial, Fingerabdrücke — und schließlich Verurteilungen.“

Im Jahr 2000 übernahm Töpfer dann die Inspektion Südwest, die bald durch Zusammenlegung zur „Süd“ wurde — ein Gebiet mit rund 260 000 Menschen. An die folgenden Jahre denkt er heute am liebsten zurück, die Arbeit an der Basis, aber auch die Verantwortung für die Sicherheit sehr vieler Menschen. „Man hat ständigen Kontakt zu den Bezirksvertretungen, hört, was die Leute auf der Straße beschäftigt.“ Die Serie von Brandstiftungen in Hassels-Nord zählt Töpfer zu den prägenden Erinnerungen. Ein Täter wurde nie gefunden.

Prägend für Töpfer — wie für praktisch jeden Polizisten — waren aber neben den großen Einsätzen die bedrückenden Erlebnisse des Alltags, der Blick in kaputte Familien, in denen Kinder mit trinkenden und gewalttätigen Eltern aufwachsen. Auch einen Unfall kann Töpfer, der selber einen Sohn hat, nicht vergessen: ein fünfjähriger Junge, mit seinem kleinen Rad auf dem Weg zu seiner Oma. Er stürzte in einem so unglücklichen Moment, dass er im nächsten Augenblick von einem Lkw überfahren wurde.

Kurz vor dem Karriereende hat Töpfer dann noch einmal eine neue Aufgabe übernommen, für knapp ein Jahr hat er kommissarisch die Verkehrsinspektion geleitet, musste sich noch einmal in ein neues Gebiet einarbeiten, eine Abteilung mit 580 Mitarbeitern. Sein Credo: Zu viele Menschen sterben im Straßenverkehr, mehr Kontrollen können da nur helfen.

Vor dem Ruhestand ist Töpfer nicht bang, er hat viele Interessen, Kultur, Musik. Regelmäßig geht er ins Theater und in die Oper, ist großer Fan (und Experte) von Wagner. Aber auch bei Konzerten kleiner Düsseldorfer Rockbands wie den Beatlesons kann man Wolfgang Töpfer treffen, der im Vorjahr zu Karneval als Ozzy Osbourne ging und der sich vor kurzem eine irische Bouzouki-Gitarre gegönnt hat, mit der er nun übt. Und zu Hause ist in den vergangenen Jahren auch einiges liegen geblieben: „Wir haben immer noch die alte Schrankwand in dunkler Mooreiche.“