Düsseldorf: „Gedichte sind gut für die Haut“

Düsseldorf : „Gedichte sind gut für die Haut“

Das 5. Poesie-Fest im Heine-Haus am Wochenende hat als Schwerpunktthema „Poesie und Politik“.

Düsseldorf. In Heinrich Heines Geburtshaus an der Bolkerstraße finden seit einigen Jahren große und kleine Poesie-Feste statt. „In diesem Jahr richten wir wieder ein großes Fest aus“, sagt Programm-Gestalterin Selinde Böhm. Nicht jedes Jahr sei es möglich die literarische Veranstaltung groß anzulegen. Und die großen Feste hätten immer ein Schwerpunktthema. Dieses Mal geht es um „Poesie und Politik“.

Foto: Mathias Bothor (Photoselection)/Boris Roessler (dpa)

Der politische Kontext sei allerdings eher locker, sagt Selinde Böhm. „Gerade im Bereich der Poesie ist es nur eine Annäherung.“ Immerhin gibt es aber Sonntagmittag, 6. September, 12 Uhr, eine Matinee mit der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller speziell zum Thema. Herta Müller ist seit 20 Jahren häufiger Gast bei Selinde Böhm und Rudolf Müller, die gemeinsam die Buchhandlung leiten und mit den Literatur-Experten Christoph Buchwald (Leiter Cossee-Verlag Amsterdam) und Norbert Wehr (Herausgeber „Schreibheft“) die Poesie-Feste gestalten.

Unterdessen gibt es in diesem Jahr ein kleines Gedicht zum Geleit. Der Lyriker Michael Krüger stiftet ein poetisches Motto für das Fest: In einem Gedicht schildert er, wie winzige Vögel auf dem Leib eines Elefanten nisten. „Sie picken ihm hastig ein Gedicht auf den Rücken“, heißt es dort. Und der Elefant lasse sie schreiben, denn: „Gedichte sind gut - für die Haut.“

Nicht alle Verse von Dichtern erschließen sich dem Leser leicht. Zu denen, die in Rätseln schreiben, gehört die diesjährige Debütantin des Poesiefestes: Carolin Callies, die beim Eröffnungsabend am Freitag, 4. September, im Heine-Haus auftritt. „Die schreibt schon etwas schräg“, gibt Selinde Böhm zu, doch mache es großen Spaß ihre Gedichte zu lesen. „fünf sinne & nur ein besteckkasten“ heißt der von Kritikern kürzlich hoch gelobte Gedichtband, aus dem die junge deutsche Dichterin liest.

Der Eröffnungsabend ist eher unpolitisch. Neben dem Debüt findet eine Lesung mit dem Lyrik-Altmeister Jürgen Becker statt. Er rezitiert aus seinem Gedichtband „Scheunen im Gelände“. Zudem gibt es mit Anneke Brassinga einen sprachlich sehr originellen Gast aus den Niederlanden. In ihrer Heimat gilt sie als Sprach-Magierin. Zu ihrem Schreibstil gehören lange Fantasie-Bandwurmwörter. So heißt ein Gedicht: „Meide das Sonntagmittagsglibberpuddinggrün“. Politisch unverdächtig ist auch das traditionelle Kinder-Poesiefest am Samstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr.

Wirklich deutlich kommt der Themenschwerpunkt am Samstagabend ab 18 Uhr heraus: Dann gastiert der Jurist, Diplomat und Lyriker Joachim Sartorius im Heine-Haus und stellt sein Handbuch der politischen Poesie im 20. Jahrhundert vor. Auf ihn folgt der kritische chinesische Dichter und Sänger Liao Yiwu, der mittlerweile in Deutschland lebt und in seinem Heimatstaat Einreiseverbot genießt. Den Samstagabend beschließt der in Baden-Württemberg geborene und in Neuss aufgewachsene Marcel Beyer. Seine Gedichte und Prosa-Texte setzten sich immer wieder mal mit der deutschen Geschichte auseinander.

So ein alljährliches lyrisches Wochenende sei nicht mal eben aus dem Hut zu zaubern, erklärt Selinde Böhm. Man treffe sich immer Anfang des Jahres in Amsterdam mit dem versammelten Beirat und denke über Schwerpunkte nach. „Wir laden zehn Autoren ein, brauchen aber immer einen Plan B, falls mal einer absagt.“ Das mache alles immer mehr Arbeit als man zunächst meinen könnte. „Aber es macht auch viel Spaß.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung