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Düsseldorf: Von der Straße in den Kleiderschrank

Düsseldorf : Von der Straße in den Kleiderschrank

Für ihre Bachelorarbeit hat Karine Poghossian gemeinsam mit Obdachlosen T-Shirts gestaltet. Der Erlös geht an den Gute-Nacht-Bus.

Düsseldorf. „Bullshit!“ steht auf dem T-Shirt, das Detlev gestaltet hat. Auf Susis Shirt prangt ein gelbes Herz. Beide wollen damit das Gleiche aussagen: In der Welt fehlt es an Herz. Viele Menschen interessieren sich nicht für die Not anderer. Woher sie das wissen? Detlev und Susi sind obdachlos.

Die T-Shirts sind im Rahmen der Bachelorarbeit von Karine Poghossian entstanden. Die 27 Jahre alte Kommunikationsdesign-Absolventin wollte für ihre Abschlussarbeit ein gemeinnütziges Projekt auf die Beine stellen. In Abstimmung mit Fifty-Fifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf ist dann das Modelabel Vagabund entstanden. „Bei einem unserer monatlichen Verkäufertreffen kam Karine dazu und hat die Leute gefragt, wer Lust hat, mitzumachen“, sagt Ostendorf.

Karine Poghossian hat vorher noch nie mit Obdachlosen zu tun gehabt. Zu Beginn habe sie schon ein wenig Berührungsängste gehabt, so die 27-Jährige. Die seien aber durch die gemeinsame Arbeit schnell verflogen. „Es hat alles super geklappt und die Ergebnisse sind auch richtig gut geworden“, sagt Poghossian.

Insgesamt gab es 24 Entwürfe. Drei davon wurden dann umgesetzt. Neben Detlevs und Susis Motiv gibt es noch ein Shirt mit einem blauen, strichmännchenartig gezeichneten Kopf. „Die Mischung aus Humor und Biss ist eine gute Überlebensstrategie — auf der Straße und auch im normalen Leben“, sagt Tom. Das habe er mit seiner Zeichnung ausdrücken wollen.

Ostendorf findet, das Projekt war eine tolle Idee. „Das Gute daran ist, dass die Obdachlosen selbst mitmachen konnten, eine Message verbreiten und mit den Shirts eine wirtschaftliche Grundlage für etwas, das ihnen auch selbst hilft schaffen konnten“, so der Geschäftsführer der Obdachlosen-Organisation. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an den Gute-Nacht-Bus. Dass sie sich bei der Gestaltung selbst einbringen konnten, stärke zudem das Selbstvertrauen.

Und auch die Obdachlosen fanden die Idee eine gute Sache. „Bei den ganzen Vorurteilen, mit denen uns viele begegnen, ist es gut zu sehen, dass sich auch junge Leute wie Karine für unsere Situation interessieren und etwas tun wollen“, sagt Detlev.