Düsseldorfer Musiker Dieter Falk wird 60 und spricht über sein Leben

Musik-Karriere : Backstage mit Dieter Falk: „Pures“ Leben

Zum 60. Geburtstag schreibt der Musikproduzent seine Memoiren. Das Leben in Harmonie störte nur Howard Carpendale. 

Wenn Dieter Falk das uralte Foto aus der Musiksendung „Ohne Filter“ sieht, muss er selbst lächeln. Das Hawaii-Hemd, die bunte Brille und das knallrote Umhänge-Keyboard waren am Anfang der Karriere seine Markenzeichen. Die sehr spezielle Bühnenkostümierung verhinderte nicht, dass er schon mit 19 Jahren von Katja Ebstein oder Gitte als Pianist für ihre Tourneen gebucht wurde. Inzwischen trägt Dieter Falk gern mal Schwarz, hat im Musikbusiness Dinge erlebt, die für drei Leben reichen, und hat sie aufgeschrieben. „Backstage – von Pur, Popstars und den Zehn Geboten“ heißt seine Biographie, die am Samstag erscheint.

Das Buch war nicht seine Idee. Gleich drei Verlage hatten herausbekommen, dass der Wahl-Düsseldorfer in diesem Jahr 60 Jahre alt wird und angefragt, ob er nicht seine Memoiren schreiben wolle. Der Rest war dann ganz einfach: „Ich habe ja alle meine alten Kalender noch und habe einfach angefangen.“ Ein paar Wochen später war das Werk fertig, nur ein Lektor hat ein bisschen mitgeholfen.

Von Siegen über Nashville und
London nach Düsseldorf

Die Geschichte, wie ein junger Mann aus der Kirchenmusik im beschaulichen Siegen den Sprung als Musikproduzent nach Nashville und London schafft, um dann schließlich in Düsseldorf (der Geburtsstadt seiner Frau Angelika) eine neue Heimat zu finden, ist so lebendig, dass er sie einfach nur erzählen muss. Dabei  verliefen die menschlichen Begegnungen fast ausschließlich harmonisch – außer der Zusammenarbeit mit Howard Carpendale: „Da hat die Chemie einfach nicht gestimmt.“ Nicht nur mit Dieter Falk. Sogar die Nachbarin legte sich mit Howie an, als der auf der Terrasse immer wieder das gleiche Lied trällerte.

Dieter Falk mit Pur. Frontmann Hartmut Engler bei Aufnahmen in Nashville. Die beiden sind heute noch gut befreundet. Foto: Dieter Falk

Viele lustige Erlebnisse sind dem Musikproduzenten eingefallen. Vom ersten Kirchenkonzert in Fulda, das plötzlich abgebrochen wurde, weil Jugendliche in dem Gotteshaus tanzten. Oder der Entstehungsgeschichte von  „Kribbeln im Bauch“. Ein Song, der aus der Wut geboren wurde: „Pe Werner und ich waren zusammen bei der Plattenfirma. Die hatte es abgelehnt, die Produktionskosten zu übernehmen, weil es angeblich keinen Hit auf dem Album gab.“ Kurz danach meldete sich Pe Werner mit der Idee zu einem neuen Song. Das wurde ein Riesen-Hit.

Mit Pur sammelten sich die
Goldenen Schallplatten

Zehn Jahre lang produzierte Dieter Falk die Hits von Pur. Für die Schwaben-Schmuse-Rocker zog er nach Stuttgart. Aus der Zusammenarbeit erstanden die Erfolgsalben wie „Abenteuerland“, die teilweise in Nashville aufgenommen wurden, und es sammelten sich im Hause Falk die Goldenen Schallplatten. Mit Hartmut Engler besteht heute noch eine enge Freundschaft: „Sollte ich zu meinem Geburtstag ein Konzert mit allen Musikern organisieren, die ich produziert habe, dann ist er ganz bestimmt dabei.“

War Dieter Falk bis dahin als Ausnahme-Keyboarder und Produzent im Musikbusiness eine Größe, änderte sich das schlagartig mit der Casting-Show „Popstars“, wo Falk neben Nina Hagen und Detlef D. Soost in der Jury saß: „Von da an konnte ich mit meinem Söhnen in Urdenbach auf der Straße nicht mehr Fußball spielen.“ Sofort fällt ihm ein junges Pärchen ein, das unbedingt sein Baby zeigen wollte: „Und dabei hat die Frau mir etwas vorgesungen.“

Dieter Falk mit Nina Hagen und Detlef D.Soost in der Popstars-Jury. Für den Wahl-Düsseldorfer ein Riesenerfolg. Foto: Pro Sieben. Foto: Pro 7/ Dieter Falk/Pro 7

Inzwischen produziert der 59-Jährige nicht mehr  für andere Künstler. „Musik ist heute nichts mehr wert“, rechnet er mit der Branche ab. Von den Streaming-Diensten können Künstler nicht leben. Darum steht Falk auch am liebsten auf der Bühne. Gerne in XXL, wenn er seine Musicals wie „Die Zehn Gebote“ oder „Luther“ mit vielen tausend Chorsängern in Stadien aufführt. Das nächste ist schon in Arbeit: „Bethlehem“ wird am 5. Dezember 2020 im Dome Premiere haben.

Mehr Geschichten erzählt Falk am 20. März bei der Konzert-Lesung in der Bücherei der Freizeitstätte Garath. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet 13 Euro.