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Drei Lehren aus dem Fall Dieter Falk

Drei Lehren aus dem Fall Dieter Falk

Analyse: Der Musikproduzent und die Stadt Düsseldorf haben am Dienstag einen Vertrag unterschrieben, dass Falk für fünf weitere Jahre als Professor an der Schumann-Hochschule lehrt - nach langer und unschöner Vorgeschichte.

Düsseldorf. 125 000 Euro haben private Spender zusammengebracht, damit der Musiker und Produzent Dieter Falk in den kommenden fünf Jahren als Professor an der Robert-Schumann-Hochschule arbeiten kann. Die andere Hälfte des Geldes zahlt die Hochschule. Eine entsprechende Vereinbarung haben Falk und Oberbürgermeister Thomas Geisel am Dienstag unterzeichnet - nachdem es in den politischen Gremien keine Mehrheit für die Verlängerung gegeben hatte. Drei Lehren aus einem unschönen Fall mit gutem Ausgang:

Düsseldorf ist politischer, als es ihm gut tut. Der Kulturausschuss hat im Mai 2017 abgelehnt, dass die Stadt sich weiterhin an der Finanzierung beteiligt. Das ist auf den ersten Blick nachvollziehbar, weil es sich nicht zu den originären Aufgaben einer Kommune gehört, Hochschullehrer mit zu bezahlen. Bei näherer Betrachtung fällt allerdings auf, dass Falk eine ordentliche CDU-Nähe aufweist, etwa zum früheren Oberbürgermeister Dirk Elbers, und das genau das der Grund war, warum die Ampel-Kooperation keine Lust mehr verspürte, die Stelle mit zu ermöglichen. Der Eindruck verschärft sich, wenn man die damaligen Argumente für die Ablehnung anschaut. Da hieß es etwa, man könne nicht 25 000 Euro für eine Gastprofessur geben, wenn man der freien Musikszene nur 100 000 Euro gebe. Dieses Argument kam von denselben Vertretern der Grünen, die ohne Zögern 40 000 Euro für ein einzelnes Festival (New Fall) ausgeben, das auch nicht der hiesigen freien Musikszene gewidmet ist.

Der Fall Falk ist ein weiterer Beleg dafür, dass in Düsseldorf eine Reihe von Entscheidungen nicht sachlich, sondern politisch motiviert getroffen werden. Die Debatte um das Ed-Sheeran-Konzert fand ebenso jenseits der zentralen Argumente statt wie diese Diskussion. In der Haushaltsdiskussion für dieses Jahr wurden alle Anträge exakt entsprechend der politischen Grenzen abgestimmt. Im Zweifel geben persönliche Eitelkeiten und Abneigungen den Ausschlag für wichtige Entscheidungen. Einen solchen ideologischen Luxus kann sich Düsseldorf angesichts seiner finanziellen Lage leisten, aber das macht aus dieser Situation keine gute Nachricht.

Der Hochschulstandort hat finanzstarke Helfer. Die privaten Spender, die die Verlängerung ermöglicht haben, sind Udo van Meeteren, Patrick Schwarz-Schütte und Edgar Jannot. Alle drei sind auch zuvor als Förderer des Standortes in Erscheinung getreten. Van Meeteren hat zum Beispiel mit dafür gesorgt, dass das Haus der Universität am Schadowplatz entstanden ist und zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um einen neuen Studiengang zu finanzieren. Die Familie Schwarz-Schütte hat unter anderem mit einer großen Spende den Bau des Oeconomicums auf dem Campus ermöglicht. Und jetzt die Professur von Dieter Falk. Düsseldorf hat zwar mehr als 20 Hochschulen, spielt aber in den meisten Fächern und Fällen nicht in der nationalen Spitze. Das Land kann das mangels Mitteln und Gerechtigkeitsanspruch nicht ausreichend ändern, die Stadt ist nicht zuständig und wäre mit den Summen auch überfordert. Deshalb ist es eine schöne Erkenntnis aus dem aktuellen Fall, dass es in Düsseldorf Menschen gibt, die wiederholt dafür sorgen, dass der Hochschulstandort vorankommt.

Düsseldorf schmückt sich nicht bloß mit einem Prominenten. Dieter Falk hat Musik von Brings oder Pur produziert, Dieter Falk saß in der Jury der TV-Castingshow „Popstars“, Dieter Falk wird vermutlich auch bei Preisverleihungen in Berlin oder München von vielen Leuten erkannt und begrüßt. Das lässt kurz den Verdacht aufkommen, dass sich die Stadt ohne Prominente jemanden an die Seite holt, dessen Wikipedia-Eintrag länger als drei Zeilen ist. Dieser Gedanke erscheint spätestens seit dem 4. Mai 2017 unangebracht. Damals protestierten Studierende der Schumann-Hochschule vor dem Rathaus für eine Verlängerung der Professur - und zwar nicht, weil der Mann recht bekannt ist, sondern weil er ihnen wirklich hilft. Weil er ihnen nicht nur Theorie beibringt, sondern auch in der Praxis Auftritte besorgt, Vertreter von Plattenfirmen vorstellt oder im Studio arbeitet.