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Denkmal am Reeser Platz: Streit um Gegendenkmal

Denkmal : 39er-Denkmal am Reeser Platz: Streit ums Gegendenkmal

Vom Wochenmarkt bis zur Freiluftausstellung reichten die Ideen beim Werkstattgespräch am Samstag.

Sechs Stunden lang hockten Historiker, Städteplaner, Künstler, Politiker und Verwaltungsleute im Gemeindesaal der Tersteegenkirche und diskutierten am Samstag mit der Kunstkommission unter Jörg-Thomas Alvermann über den Umgang mit dem 39er-Denkmal am Reeser Platz. Ein Resultat war allerdings nicht in Sicht. Zu komplex ist die Situation, zu disparat sind die Meinungen. Fest steht nur, dass das Denkmal trotz seiner antifaschistischen und militaristischen Bezüge nicht abgerissen wird.

Der Historiker Peter Henkel machte zu Anfang der Diskussion deutlich, dass man das 39er-Denkmal nicht isoliert betrachten könne. Er sprach von einer  „Achsenverbindung“ zwischen den vor der Tonhalle platzierten Resten des ursprünglich 1928 von Jupp Rübsam geschaffenen und später abgebrochenen Werks sowie dem Mahnmal der drei Nornen als Ersatz für das Schlageter-Nationaldenkmal auf dem Nordfriedhof und dem aktuellen Denkmal auf dem Reeser Platz, das 1939 eingeweiht wurde.

Der Filmer und Künstler Stephan Machac brachte eine weitere Variante ins Spiel. Er hatte am Vortag mit einem Veteranen gesprochen und erfahren, dass die Erinnerungsstätte am Reeser Platz ein „gräberübergreifendes Denkmal für deutsche und französische Gefallene“ sei. Das heißt, es gehe schon jetzt bei all den Mahnmalen in Düsseldorf immer auch um Gegendenkmäler. Ein erneutes Gegendenkmal sei damit wertlos.

Folgt man dem Auftrag der Bezirksvertretung 1 unter Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner (SPD), dann ist genau das gewollt. Spillner betont, sie habe der Kunstkommission den „Auftrag für ein Gegendenkmal“ gegeben. Das müsse ja kein Betonklotz sein, es könne auch aus „Tönen“ bestehen, wie etwa einer Sound-Installation.

Lebhaft beteiligten sich die von der Kunstkommission teilweise sogar aus Berlin eingeflogenen Maler und Bildhauer wie Via Lewandowski an der Diskussion. Nur: Sie sind nicht diejenigen, die am späteren Wettbewerb teilnehmen. Bildhauer Stefan Sous, Nachbar vom Reeser Platz, sieht das Gelände als einen „Ort der Versöhnung“, in Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege und der aktuellen Kriege, für die die Bundeswehr weltweit im Einsatz sei. Sous beobachtet, wie wichtig der Platz sei, welchen pädagogischen Wert er für Schulklassen habe, wie aber auch Kinder und Jugendliche ihn als Fahrrad-Parcours benutzen. Seine derzeitige Meinung: „Der Reeser Platz funktioniert als Platz.“ Die Tafel müsste natürlich geändert werden, da sie die Hintergründe besser erklären müsse.

Die Teilnehmer am Werkstatt-Gespräch wollten vor allem mehr Leben auf dem Platz haben. Interessant waren die Vorschläge aus dem Georg-Büchner-Gymnasium, die auf roten Zetteln an der Wand klebten. Sie überzeugten durch Pragmatismus. So schlagen Schüler eine Freiluftausstellung zu Düsseldorf im Zeitalter der Weltkriege vor, sehen das Gelände als „Platz der Toleranz“, wünschen sich große, bunte Informationstafeln und interaktive Schaubilder.

Inhaltlich sollte aber auch ausführlich gezeigt werden, „wie verlogen und gefährlich die Kriegspropaganda war und dass der Kriegstod nichts Heldenhaftes hat“, so ein 18-Jähriger. Sein Klassenkamerad schlägt einen Kiosk oder Wochenmarkt vor, hofft auf Bänke und Grün, vielleicht sogar auf einen Grillplatz. Ein weiterer Klassenkamerad sieht es ganz prosaisch. Er meint, die einfachste Lösung sei ein großer Parkplatz, für den unweit der Messe sicherlich Bedarf sei. Damit wäre auf alle Fälle dem Aufmarschplatz seine Funktion entzogen.