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Das erlebt eine Lebensmittelkontrolleurin in Düsseldorf

Das erlebt eine Lebensmittelkontrolleurin in Düsseldorf

Das Amt für Verbraucherschutz überprüft jeden Tag Betriebe in Düsseldorf. Wir haben Pauline Potempa bei ihrer Arbeit begleitet.

Düsseldorf. Der Tag beginnt früh auf der Ulmenstraße. Während sich Autos und Lastwagen ihren Weg von Unterrath in Richtung Innenstadt bahnen, bereitet sich Pauline Potempa im Gebäude mit der Hausnummer 215 auf ihren Arbeitstag vor. Dort sitzt das Amt für Verbraucherschutz.

Seit dem 1. Mai 2016 ist die 29-jährige Ökotrophologin hier als eine von 13 Lebenmittelkontrolleuren in Düsseldorf tätig. Durch einen Zufall, wie sie erzählt. Sie hatte die Stellenausschreibung kurz nach ihrem Bachelor-Abschluss entdeckt und sich einfach mal beworben. „Ich fand diesen Bereich schon immer spannend“, sagt sie.

Vielleicht auch deshalb, weil sie bereits ihre erste beruflichen Erfahrungen in der Lebensmittelbranche gemacht hat. Erst in einer Bäckerei und Konditorei, später dann in einem Convenience-Betrieb. In der Lebensmittelüberwachung fand sie schließlich ihre Berufung. „Ich habe diesen Job ergriffen, weil man etwas für den Verbraucherschutz macht, das ist mir ganz wichtig. Gleichzeitig ist man aber auch im Außendienst tätig und beschäftigt sich mit den verschiedenen Leuten - es ist ein sehr vielseitiger Beruf.“

Pauline Potempa, Lebensmittelkontrolleurin beim Amt für Verbraucherschutz

Stets an Potempas Seite ist ihr kleiner schwarzer Rollkoffer, in dem sie alles, was sie für eine Kontrolle benötigt, verstaut: eine rosafarbene Kladde mit verschiedenen Unterlagen, eine kleine schwarze Taschenlampe, ein Oberflächenthermometer, ein Portemonnaie für Bußgelder sowie ein blauer Verwarngeldblock. „Das ist noch ganz alte Schule“, sagt Potempa.

Ob sie den Verwarngeldblock heute noch benötigt, steht noch nicht fest. Dafür aber das Ziel. Es geht in den Stadtteil Heerdt zum Lebensmittelgroßhändler „Nik the Greek“, der unter anderem griechische Spezialitäten an Restaurants beliefert. Er verkauft aber auch Produkte und Lebensmittel direkt vor Ort. „Das ist ein kleiner Familienbetrieb, der in den vergangenen Jahren unglaublich gewachsen ist“, erklärt Potempa.

Konkret soll in dem Betrieb eine sogenannte Plankontrolle durchgeführt werden. Diese erfolgen immer unangemeldet, damit die betroffenen Betriebe nicht die Chance haben, sich auf die Kontrolle vorzubereiten. „Wir gehen dabei nach einer bestimmten Risikobeurteilung vor, die auf einem Punktesystem basiert“, erklärt Amtsleiter Klaus Meyer. „Wenn ein Betrieb bei einer vorherigen Kontrolle negativ aufgefallen war, sieht er uns natürlich früher wieder. Das heißt: Je höher das Risiko, desto mehr Kontrolleure werden eingesetzt beziehungsweise mehr Kontrollen werden durchgeführt.“

Wichtig dabei: Ein hohes Risiko ist nicht direkt gleichzusetzen mit einem schlechten Betrieb. Selbst ein gut geführter Betrieb kann aus Sicht des Verbraucherschutzes ein erhöhtes Risiko darstellen, wenn er zum Beispiel viele Bereiche abdeckt. Das trifft auf „Nik the Greek“ zu. „Er verkauft nicht nur Lebensmittel, sondern hat auch eine außergewöhnliche Fischtheke, verkauft an einer anderen Theke frisches Sushi und betreibt zudem noch einen Online-Handel“, erläutert Potempa.

Sie lenkt ihren weißen Dienstwagen über die Theodor-Heuss-Brücke hinüber ins linksrheinische Heerdt, biegt in ein Wohngebiet ein und stoppt vor einer großen Lagerhalle. Auf einem Schild über den Eingang grüßt ein kleines Comic-Männchen mit Schnauzbart und Kochschürze, wo groß der Name „Nik“ drauf steht. Aus dem Eingang strömt ein würziger Geruch, der sofort angenehm in die Nase steigt.

Innen drin erinnert die Einrichtung dagegen eher an einen Baumarkt. Dicht an dicht reihen sich die Regale aneinander, in denen Weine, Einmachgläser, Gewürze und verpackte Lebensmittel ordentlich zum Verkauf bereit liegen. Direkt darüber sind weitere Regale zu sehen, in denen verschiedene, verpackte Kartons auf Europaletten gelagert sind.

Bevor die Kontrolle beginnen kann, muss noch geklärt werden, wer aus dem Betrieb den Rundgang begleitet. Nach ein paar Sekunden kommt ein Mann in einem gestreiften T-Shirt aus einem der Büros und begrüßt Potempa mit einem Lächeln. Es ist Thomas Nikolaou, ein Mitgesellschaftler des Familienbetriebs. „Nehmen sie heute wieder Proben mit?“, fragt er. Potempa schüttelt den Kopf. „Heute keine Proben.“

Neben den Plankontrollen gehören auch Probeentnahmen zu den Kontrollbereichen der Lebensmittelüberwachung. Jede Woche werden mehrmals Proben aus den verschiedenen Betrieben mitgenommen und in Laboren untersucht. In Düsseldorf kommen so rund 3450 Proben pro Jahr zusammen. Bei den Entnahmen wird die Qualität der Lebensmittel überprüft. Es wird auch untersucht, ob die Kunden durch die Lebensmittel krank werden können oder getäuscht werden.

Potempa beginnt ihren Kontrollgang im Verkaufsraum. „Wichtig ist, dass die Verkaufsflächen sauber sind“, erklärt sie, während sie gleichzeitig leicht in die Knie geht und mit ihrer Taschenlampe den Boden unterhalb des Regals ableuchtet. Sie findet kleine Mängel. „Hier müssen sie einmal durchfegen und wischen“, sagt sie. Nikolaou nickt. Sie schreitet weiter, der Kopf geht langsam von oben nach unten und von links nach rechts.

Pauline Potempa zu den Grundsätzen bei den Kontrollen.

Als Nächstes steuert Potempa die Kühlräume an. „Soweit scheint alles in Ordnung zu sein. Allerdings müsste der Verdampfer mal wieder gereinigt werden.“ Das notiert sie sich auch. Im nächsten Raum wird es von der einen auf die andere Sekunde bitterkalt. „Hier drin herrschen Minus 20 Grad“, sagt Nikolaou. Ein feiner Eisnebel umhüllt den Raum. Hier lagert vor allem verpackter Fisch in Kartons. Potempas Blick geht Richtung Decke. „Der Bereich muss sauber gehalten werden.“ Sie macht sich Notizen. „Das sind Gedankenstützen für meinen späteren Bericht.“ Sie dreht sich zu Nikolaou um: „Den bekommen sie später auch zugeschickt.“

Insgesamt ist Potempa aber zufrieden. „Wichtig ist, dass hier keine offenen Waren liegen. Zwar müssen die Ecken sauber gemacht werden, aber das ist nichts Gravierendes. Davon hängt die Lebensmittelgefahr nicht ab. Gravierend wäre es, wenn in den Räumen alles offen, kreuz und quer und ohne System liegen würde. Auch die Eisbildung an den Verdampfungslamellen hat nichts mit fehlender Hygiene zu tun.“

Während Potempa als Nächstes den Fischverkauf unter die Lupe nimmt, wirft sie sich schnell einen weißen Kittel um. „Den müssen wir anziehen, sobald wir in einen Bereich reinkommen, wo mit offenen Lebensmitteln gearbeitet wird. Das dient der Hygiene.“ Sie prüft zunächst die Silikonfugen und wirft zudem einen Blick auf das Warenangebot. Überall im gekachelten Raum stehen Plastikwannen, in denen mehrere verschiedene Sorten von Fisch auf einem Berg von Eiswürfeln bereitliegen. „Der Lagerung der offenen Lebensmittel ist hierbei vollkommen in Ordnung, da die Ware erst heute früh geliefert und noch am gleichen Tag verkauft wird.“

Nikolaou führt Potempa nach draußen. Auf dem Innenhof stapeln sich Holzpaletten, daneben stehen blaue Container. Pauline Potempa schaut sich um: „Wo ist ihre Logistikhalle?“ Nikolaou deutet mit dem Zeigefinger auf eine weitere Halle. Hier befindet sich unter anderem auch die Verpackungsstation des Betriebes. Es ist ein vergleichsweise kleiner Raum im hinteren Bereich der Halle, der mit Spanwänden verkleidet ist. Im Inneren steht ein Fließband, auf dem leere Kartons liegen.

Das stört Potempa weniger. „Die Verkleidung mit den Spanwänden ist definitiv nicht optimal“, sagt sie und deutet auf einen großen Feuchtigkeitsfleck an der Wand. „Sie müssen die Wände versiegeln. Am besten eignet sich dafür eine feste Versieglung mit PVC oder Rigips.“ Nikolaou erklärt, dass die Station eine externe Firma gemacht habe. „Dann hat sie es aber nicht wirklich gut gemacht“, entgegnet Potempa und findet kurz darauf den nächsten Mangel: Am Ende der Verpackungsstraße ist der Ausgang nicht sauber ausgefräst worden. „Das muss beim nächsten Mal auf jeden Fall gemacht werden“, sagt sie und macht sich schnell eine Notiz. „Sie erhalten jetzt eine Frist von vier Wochen und müssen uns zudem einen Plan vorlegen, wie sie das in Zukunft verbessern wollen.“

Zum Abschluss der Kontrolltour geht es noch in das Büro des Betriebs. Der Weg führt durch einen kleinen, engen Flur in einen hellen Raum mit einem großen Tisch in der Mitte. Es wird die Eigenkontrolle des Betriebs überprüft. „Mit der Eigenkontrolle zeigt uns der Betrieb auch seine Eigenverantwortlichkeit“, sagt Potempa. Folgende Bereiche werden dabei kontrolliert: Wareneingangskontrolle, Temperaturkontrolle, Reinigungs- und Desinfektionsplan, Warenausgangkontrolle sowie die Schädlingsbekämpfung.

Gerade beim letzten Punkt hat Potempa in den vergangenen Jahren so ihre Erfahrungen gemacht. Sie erinnert sich an einen asiatisch geführten Betrieb, den eine Mäuseplage befallen hat. „Das Schlimme an einem solchen Fall ist, dass alle offenen Lebensmittel entsorgt werden müssen, weil Mäuse Dauerausscheider sind und durch ihren Kot und Urin Krankheitserreger wie Salmonellen verbreiten können.“ Die Konsequenz: Der Betrieb muss so lange geschlossen werden, bis alle Schädlinge beseitigt sind. Für die Betriebe bedeutet das zum Teil beträchtliche Einnahmeverluste. Deswegen sei es auch so wichtig, dass die einzelnen Betriebe auf Hygiene und Sauberkeit achten, so Potempa. Die gute Nachricht für „Nik the Greek“: Die Lebensmittelkontrolleurin hat auf ihrem Rundgang keine Hinterlassenschaften von Schädlingen gefunden.

Pauline Potempa nach der Kontrolle

Thomas Nikolaou holt derweil einen Stapel Papier hervor. Es sind die Lieferlisten, in denen der Wareneingang der vergangenen Wochen verzeichnet ist. Potempa blättert sich durch den Papierwald, ihr fällt direkt auf, dass bei einigen Dokumenten die Nachweise des Lieferers fehlen, bei welcher Temperatur die Ware beim Transport gekühlt wurde. Potempa blickt zu Nikolaou rüber: „Es ist unheimlich wichtig, dass die Temperaturen aufgeschrieben werden. Man muss es den Fahrern immer wieder sagen. Denn am Ende bleibt die Verantwortung bei ihnen liegen.“ Die Lebensmittelkontrolleurin weist ihn darauf hin, dass bei der nächsten Kontrolle besonders darauf geachtet werde.

Das gilt ebenso für die anderen Mängel, die sie an diesem Vormittag festgestellt hat. Insgesamt seien das aber nur leichte Verstöße gewesen, die schnell zu beheben sein, sagt Potempa. „Das Entscheidende ist, dass in diesem Betrieb keine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher vorliegt.“

Die Uhr zeigt bereits die Mittagsstunde an, als sich Potempa zurück zu ihrem Dienstwagen bewegt. Auf ihrem Tisch wartet noch genug Arbeit. „Im Schnitt komme ich im Jahr auf 500 bis 600 Kontrollen“, sagt sie und ergänzt: „Der Job ist eine Herausforderung — von morgens bis abends.“