Hauptstraße: Plattform und Rampe für die Brücke

Hauptstraße : Plattform und Rampe für die Brücke

Damit Radfahrer künftig nicht mehr an der Stadt vorbeifahren, soll ein Weg an der Trasse auf die Hauptstraße führen. Optischer Höhepunkt wird eine große Terrasse.

Bei einer Veröffentlichung vor elf Tagen hätten viele Leser diese Simulation zusammen mit der Berichterstattung womöglich als Aprilscherz eingeschätzt – wenige Stunden nach der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Dienstagabend gibt es aber tatsächlich einen Beschluss des Gremiums, dass an der Brücke der Hauptstraße eine etwa 100 Quadratmeter große Plattform auf einem Stahlgerüst entstehen soll. Neben einer Rampe, die Radfahrer von dem Panoramaradweg in die Innenstadt und eben zu dieser Plattform führen soll.

Neu sind die Pläne freilich nicht, schon früh wurden sie in Zusammenhang mit dem Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) zur Modernisierung der Innenstadt erwähnt. Erstmals wurden jetzt aber die konkreten Visionen des Düsseldorfer Büros ASS von Planer Jens Ebener auch visuell vorgestellt. Vorrangiges Ziel sei, mit einer Rampe, die bereits unterhalb der Brücke an der Friedrich-Goetze-Straße ansetzt und dann in einer Steigung von knapp acht Prozent entlang der Böschung zum Gartenweg neben der Brücke an die Hauptstraße herangeführt wird, Radfahrer direkt in die Stadt zu führen. Genau das ist das Ziel der Baumaßnahmen des IEHK: die Stadt nicht nur attraktiver zu machen, sondern ihr auch die entsprechende Frequenz zu bringen.

„Der Panoramaradweg wird  immer häufiger und intensiver genutzt“, erklärte Ebener. Man müsse es aber jetzt auch schaffen, dass man die Radfahrer „aus dem Hinterland ins Zentrum führt“. Mit einer Rampe soll  dies gelingen. 2,50 Meter soll sie breit werden, der Grad der Steigung durch die Länge der Rampe sei entsprechend moderat gewählt, damit die Auffahrt nicht zu mühsam und die Abfahrt nicht zu gefährlich werde. Auch wenn die Straßenverkehrsbehörde jetzt erst noch eingespannt und um eine Stellungnahme zur Sicherheit herangezogen werden soll, äußerten Kommunalpolitiker am Dienstagabend Sorge zur Sicherheit. Um die Geschwindigkeit herauszunehmen, sind nun eine Unterbrechung der Rampe mit einem ebenen Teilstück und auch so genannte Drängelgitter im Gespräch.

In die Natur werde man nicht mit massiver Kraft eindringen müssen, um die Rampe zu bauen, versprach Ebener: „Wir greifen nicht in den Baumbestand ein.“ Dennoch sei es schwierig, den Weg in die steile Böschung zu bringen.

Nicht nur planerischer Hingucker, sondern auch Magnet für Radfahrer soll eine Plattform mit einer Grundfläche von etwa 100 Quadratmetern werden, die an die Brücke direkt neben der Rampe (und damit dem Zugang zum heutigen Gartenweg) angedockt werden soll. Ebener: „Das wird ein gestaltetes Highlight.“ Mit Stahlgerüsten soll die 7,5 mal 13 Meter große Fläche auf eine Höhe mit der Brücke an der Hauptstraße gebracht werden. Statt an einen optisch anspruchsvollen Boden wie bei einer Holzterrasse wird an WPC-Dielen gedacht oder direkt an Stein. Gesichert werden soll die Plattform mit Glasfächen, die in der Dunkelheit illumniert werden können.

„Die Fläche soll bespielt werden“, schlug Ebener vor, allerdings warnte Bürgermeister Stefan Caplan vor zu viel Euphorie: „Das ist nicht so, dass das am ersten Tag stattfindet.“ Vielmehr sehe er darin ein „Fernziel“, zumal es schwierig werde, einen Gastronomen dafür zu finden. Deshalb schlug Caplan vor erstmal feste Sitzelemente dort zu etablieren.

Hans-Joachim Hamerla ebenfalls vom Planungsbüro ASS wies allerdings darauf hin, dass ein gastronomischer Anziehungspunkt wichtig sei, damit die Radfahrer aus anderen Städten tatsächlich aus Interesse hätten, über die Rampe nach oben zu radeln. Schirme und Leben auf der Plattform würden das entsprechende Interesse auslösen.

Die Diskussion über Gastronomie in einem Außenbereich, um Menschen zum Aufenthalt zu bewegen, ist nicht neu in Burscheid. Ähnlich waren die Argumente, als vor Jahren die „Glasbäume“ auf dem Markt gebaut wurden. Auch hier sollte der Bereich „bespielt“ werden und für mehr Frequenz in der unteren Hauptstraße sorgen. Gefunden hatte sich niemand. Auch im mittleren Bereich der Hauptstraße ist nicht zu erwarten, dass sich dieses Vorhaben wirtschaftlich lohnt.

Die Mitglieder des Ausschusses stimmten trotzdem einstimmig für Rampe und Plattform. Wenn auch Hartmut Schepanski (CDU) zuvor mit einer kleineren Variante der Plattform geliebäugelt hatte und Gert Weber (FDP) sogar die Rampe ganz in Frage gestellt hatte: „Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, aber wir sind der Meinung, dass es Schwierigkeiten bei der Nutzung geben könnte.“ Michael Baggeler (BfB) zeigte sich als „großer Freund dieser Plattform: Es muss ja ein Magnet da oben sein.“ Die SPD regte an, auch an Fahrradständer zu denken.

Gesamtkosten: Über 500 000 Euro, Eigenanteil der Stadt: etwa 160 000 Euro. Baubeginn könnte nach Aussage der Planer im kommenden Frühjahr sein, mit der Fertigstellung wird spätestens im Sommer 2021 gerechnet.

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