Kultur : Nachdenken über die Zeitenwende

Der anhaltende Krieg in der Ukraine, die stetig steigende Inflation und die Pandemie als Dauerzustand - „Wir leben in krisenhaften Zeiten“, sagt der Leiter des Programmteams des Kölner Philosophie-Festivals phil.cologne, Tobias Bock, das in diesem Jahr vom 8. bis zum 14. Juni sein zehnjähriges Bestehen feiern kann, auch wenn den Machern angesichts der Umstände im Moment nicht gerade zum Feiern zumute ist.

Dabei kann das Festival erstmals nach zwei Corona-Jahren wieder in voll besetzten Sälen mit Livepublikum stattfinden.

Insgesamt gibt es bei der diesjährigen Jubiläumsausgabe 29 Einzelveranstaltungen sowie 17 Termine für Schulklassen. Präsentiert werden soll eine große Bandbreite philosophischer und gesellschaftspolitischer Diskurse. Gleich zu Beginn rückt, das derzeit alles bestimmende Thema mit der Veranstaltung „Zeitenwende. Deutschland und der Krieg“ in den Mittelpunkt des Festivals. Am 8. Juni sprechen der Migrationsforscher Gerald Knaus, der Historiker Gerd Koenen sowie die beiden Philosophen Reinhard Merkel und Julian Nida-Rümelin im WDR-Funkhaus über den Umbruch in der deutschen Außenpolitik, den Umgang mit der bedrohlichen geopolitischen Situation, mögliche Wege, um der Ukraine zu helfen, und über die weiteren drohenden Gefahren.

Am selben Tag und am selben Ort gibt es noch das Gespräch „Wage es, weise zu sein“ mit der Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, Aleida Assmann, und dem Philosophen Michael Hampe. Ebenfalls zum Auftakt wird noch eine Veranstaltung am 9. Juni in den Sartory-Sälen gezählt. Dort sortieren die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub und der Sozialpsychologe Harald Welzer unter dem Titel „Der Stand der Dinge“ die Themen der Gegenwart.

Zu den Höhepunkten des Festivals gehört am 9. Juni der Auftritt von Gregor Gysi im WDR-Funkhaus. Er spricht darüber „Was Politiker nicht sagen“ und darüber, welche Herausforderungen die politische Kommunikation mit sich bringt. Der Zukunft der Arbeit in digital beschleunigten Zeiten widmen sich die Philosophin Lisa Herzog und der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Michael Hüther am 9. Juni bei „Nur ein Rad im Getriebe? Arbeit neu denken“ im Comedia-Theater.

Ebenfalls ein drängendes Thema der Zeit nimmt die Veranstaltung „Kampf um Demokratie“ am 9. Juni im Alten Pfandhaus ins Visier. Die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff, die Demokratie- und Nachhaltigkeitsforscherin Patrizia Nanz und der Soziologe Harald Welzer diskutieren dann über die Zukunftsfähigkeit und Verteidigung demokratischer Systeme im Angesicht autoritärer Staatsformen. Hochaktuell ist auch die Frage nach der Veränderung des globalen Geldsystems durch Kryptowährungen. Darüber sprechen am selben Tag und am selben Ort der Kulturphilosoph Ijoma Mangold und der Datawissenschaftler René Pickardt.

Ebenfalls am 10. Juni treffen die Philosophin und Schriftstellerin Thea Dorn und der Direktor des Kölner Rheingold-Instituts, Stephan Grünewald, aufeinander. Beide sprechen im Comedia-Theater unter dem Titel „Optimistisch in die Zukunft blicken“ über die Krisenspuren im Gemüt der Deutschen. In das Theater in der Südstadt kommt am 10. Juni auch die Journalistin Sonja Mikich. Ihr Thema ist „Zeitgenossenschaft: Der Westen. Russland. Die Welt.

In „Zwischen Krieg und Frieden – mehr Pazifismus wagen“ erörtern am 11. Juni im Comedia-Theater die beiden Philosophen Barbara Bleisch und Thomas Kater Fragen um Krieg und Frieden im Dialog mit Antikriegstexten unter anderem von Bertha von Suttner und Simone Weil. Ebenfalls am 11. Juni gibt es im WDR-Funkhaus die Veranstaltung „Freiheit oder Pflicht?“ mit dem Schriftsteller Bernhard Schlink, der sich Gedanken zu den gesellschaftlichen Folgen der Pandemie macht.

Am 12. Juni trifft im Comedia Theater die Juristin und Frau des Bundespräsidenten, Elke Büdenbender auf den Theologen und Philosophen Eckhard Nagel. Ihr Thema „Der Tod ist mir nicht unvertraut“ nimmt den gesellschaftlichen Umgang mit Sterblichkeit und Verlust in den Fokus. Unter dem Titel „Kabarett trifft Meisterdenker“ kommen der Kabarettist Florian Schroeder und der einflussreiche Philosoph Peter Sloterdijk in den Ehrenfelder Balloni-Hallen zusammen. Ihre zentrale Frage ist: Wie steht es um die Grenzen des Denk-, Sag- und Lachbaren in Ernstfallzeiten?

Zu den besonderen, während der Corona-Pandemie entstandenen Formaten des Kölner Festivals zählt der Radiotag beim Sender WDR5. Dieser widmet sich am 11. Juni von 10 bis 20 Uhr ganz der Philosophie. Im Kleinen Sendesaal wird live und vor Ort sowie im Radio über die Frage „Was hält unsere Gesellschaft zusammen?“ gesprochen und diskutiert. Zu den Besonderheiten des Festivals gehört zudem auch das Kinder- und Jugendprogramm „Klasse Denken“, das in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung Schulklassen den Austausch mit Philosophen, Kulturwissenschaftlern und Journalisten ermöglicht.

 

Service: Der Vorverkauf für die Veranstaltungen der phil.cologne vom 8. bis zum 14. Juni hat begonnen.

www.philcologne.de