Museum : Farbe als Grundlage der Kunst

Das Museum Morsbroich zeigt ab dem 26. Mai unter anderem Werke des Künstlers Jörn Stoya.

„Jede Farbe erzählt eine eigene Geschichte“, sagt Jörn Stoya. „Sie hat nicht nur einen Klang, sondern auch einen eigenen Geschmack und Geruch.“ Mit den bloßen Händen bringt der Düsseldorfer Künstler die puren Pigmente auf seine Leinwände. Seine energetischen Bilder lassen Farbe zum sinnlichen Erlebnis werden und den Betrachter in pulsierende Farbräume eintauchen.

Im Rahmen einer besonderen Sammlungspräsentation treten Stoyas Arbeiten in einen Dialog mit Werken aus der Sammlung von Museum Morsbroich sowie aus hochkarätigen Privatsammlungen, mit denen das Museum dauerhaft zusammenarbeitet. Diese Kooperationen erlauben es dem Museum Morsbroich, wichtige Arbeiten von international bedeutenden Künstlern wie Jeff Koons, Sol LeWitt oder Joseph Marioni erstmals auch in einer Sammlungspräsentation zu zeigen. Sie sind vom 26. mai bis zum 1. September in Leverkusen zu erleben.

Die ausgestellten Werke r

Zu sehen sind herausragende Gemälde und auch einige Skulpturen vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Der Maler Jörn Stoya hat sie gemeinsam mit den beiden Sammlungskuratoren Fritz Emslander und Stefanie Kreuzer ausgewählt und setzt dabei – wie in seinen eigenen Arbeiten – alles auf die Farbe. In den historischen Räumen entspinnt sich ein Werke und Zeiten übergreifendes Gespräch über die Farbe als Grundlage der Kunst - ob als Ausdrucksträger, als strukturierendes oder raumgestaltendes Bildelement, als atmosphärisches Medium oder klingender Farbton.

Da mischen die flirrenden Farben in Stoyas Père Lachaise III (2018) drei jeweils in einer der Primärfarben Rot, Gelb und Blau gehaltene Gemälde von Joseph Marioni neu auf. Imi Knoebels monumental-schwarzes, mit Sägen und Klingen malträtiertes Schlachtenbild (um 1990) trifft auf Jörn Stoyas fragile, silbern glitzernde Bilder der Serie Killing Me Softly. Stoyas in Tagesleuchtfarben strahlende, unregelmäßige Rechteck- und Trapezformen der Werkgruppe Mais Oui (2018) scheinen auf die neutral-weißen, strengen Geometrien Carl Andres und Sol LeWitts zu antworten.

In einem anderen Kabinett streben Stoyas wie Segel vor weißem Bildgrund schwebende Farbfelder der Werkgruppe Maintenant (2018) zusammen mit Calders Mobile (1942) und Yves Kleins Gemälde Monochrome bleu (1959) gen Himmel. Im Nebeneinander von klassisch-modernen Porträts, in denen sich die Farbigkeit expressiv vom Abbildhaften löst, und Jörn Stoyas starkfarbigen Überarbeitungen von Abbildungen moderner Steinskulpturen entwickelt sich ein Diskurs über die emotionale Ausdruckskraft der Farbe. Stoyas Arbeiten mit ihrer teils flammenden Farbigkeit, der archaisch wirkenden Materialität ohne Pinsel aufgetragener Pigmente, verbindet mit den ausgewählten Sammlungsstücken eine teils puristisch wirkende Klarheit und einen dezidiert bejahenden Zugriff auf die Welt. Das Miteinander gestaltet sich mal harmonisch wie ein Familientreffen, mal wie ein Schlagabtausch. Zusammen schärfen sie unseren Blick auf die unterschiedlichsten Gebrauchs- und Wirkungsweisen der Farbe.