Auslandsjahr: „Großer Blonder“ auf Reise

Auslandsjahr: „Großer Blonder“ auf Reise

Lukas Schrage über Mexiko, seine Projekte und Kaffee-Armbänder.

Burscheid. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So abgedroschen dieser Spruch auch manchmal klingen mag, auf die Geschichte von Lukas Schrage passt er gut. Der Burscheider leistete seinen „anderen Dienst im Ausland“, so die korrekte Bezeichnung für die Alternative zum damals noch vorhandenen Zivildienst, zwischen 2010 und 2011 in Mexiko ab.

Was er dort erlebte, welchen Tätigkeiten er nachging und welche Erfahrungen er gesammelt hat, präsentierte der 20-Jährige am Freitagabend einem bunt gemischten Publikum im Pfarrheim an der Höhestraße. Dabei ließen sich die Zuhörer nicht nehmen, an entsprechender Stelle auch noch einmal etwas genauer nachzufragen. Eines war unstrittig: Der junge Mann hat etwas erlebt.

Die Idee, ins Ausland zu gehen, keimte in Schrage auf, als er nach dem Abitur dem Lernalltag entfliehen und vor dem Studium noch etwas von der Welt sehen wollte. Über Kontakte wurden Möglichkeiten ausgelotet und schließlich war das konkrete Ziel gefunden. Der 50 000-Seelen-Ort Fortin im mexikanischen Bundesstaat Veracruz sollte für das kommende Jahr der Ausgangspunkt für den Zivildienstersatz werden, den Schrage bei dem ortsansässigen Kolpingwerk ableistete. Dort arbeitete er in der „Zona de la Atlas Montanos“, also der Kolpingzentrale in der Region, die so gelegen ist, dass man sowohl die Stadt als auch die vielen Bergdörfer gut erreichen kann.

Dabei stand für ihn von Anfang an viel Eigenverantwortung auf dem Plan. „Ich wurde zu Beginn rumgeführt, sollte mir ein eigenes Bild machen und mir dann selbst überlegen, was ich hier Sinnvolles tun kann“ erzählte der Burscheider. Ideen hatte der „große Blonde“, wie ihn die Mexikaner nannten, genug. So ging es meist mit dem Bus in die kleinen Bergdörfer oder in die Stadt, um die geplanten Projekte in die Tat umzusetzen. Dazu gehörten neben einem Deutschkurs auch ein Musikprojekt und ein gesellschaftskritischer Fotoroman, den er mit der Kolpingjugend vor Ort erarbeitete.

Eines seiner ersten Vorhaben war es, den einzelnen Kolpingfamilien zunächst einmal anschaulich zu erklären, woher die Hilfsgelder aus Deutschland überhaupt kommen. „Die wissen das oft gar nicht. Da gab es schon Vorurteile von den reichen Deutschen, die mal eben etwas Geld rüberschicken. Dass die Spenden aber auch hier fleißig und anstrengend gesammelt werden müssen, war so nicht in allen Köpfen vorhanden“ erzählte der Referent.

Besonderes Interesse weckten die verschiedenen Projekte, denen sich die mexikanischen Kolpingfamilien widmeten. So wurden Liköre, Marmeladen, Salsa-Saucen und Schmuck produziert und verkauft, um das eigene Kapital etwas aufzustocken. „Besonders toll fand ich den Schmuck, den sie direkt aus Kaffeebohnen herstellen. Wenn man die Armbänder anhatte, roch es den ganzen Tag ganz herrlich nach Kaffee“ erinnerte sich Schrage.

Am Ende seines Vortrags resümierte Schrage, dass der Auslandsaufenthalt für ihn ein durchweg positives Erlebnis darstellte, das er auf keinen Fall missen möchte und wirklich jedem nur ans Herz legen kann.

Mehr von Westdeutsche Zeitung