Kommentar zum Exzellenzwettbewerb der Universitäten

Meinung : Exzellent? Nicht nur

Glückwünsche an die Uni Bonn und die RWTH Aachen. Und ein tröstendes „Kopf hoch“ an die Unis Köln, Bochum und Münster, deren Bewerbungen ins Leere liefen. Das war die Reaktion aus der Staatskanzlei kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses, wer Exzellenz-Uni wird oder bleibt.

Für NRW hätte es schlimmer, aber auch besser kommen können.

Besser? Was ist an diesem Exzellenzwettbewerb eigentlich so gut? Die Befürworter dieser Idee, die ihren Anfang einst unter der rot-grünen Bundesregierung Schröder nahm, haben gewiss schlüssige Argumente. Nur mit solchen universitären Leuchttürmen könne Deutschland als Forschungsstandort mithalten. Nur so sei der Brain Drain, das Abwandern talentierter Köpfe an ausländische Unis, abzuwenden oder gar umzudrehen: mit Geld werden Forscher aus dem Ausland nach Deutschland gelockt. Und eine starke Forschungslandschaft ist die Grundlage für eine leistungsfähige Wirtschaft.

Doch das Ganze hat auch eine Kehrseite. Denn die 385 Millionen Euro, die jährlich in die Exzellenzcluster (einzelne Forschungsfelder) fließen und die nochmals jährlich 148 Millionen Euro für die bundesweit elf Gewinner-Unis machen aus der Hochschullandschaft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Und zementieren eben diese auf längere Zeit, weil der Förderzeitraum auf sieben Jahre festgeschrieben wird. Die Unis der zweiten Liga hingegen müssen mit dem Sparzwang leben. Auch fließt das Geld nur in die Forschung, nicht in die Lehre. Das viele Geld, das der Forschung an einigen wenigen Unis zugute kommt, könnte auch der Lehrbetrieb dringend gebrauchen. Die Unterfinanzierung trifft nicht nur die Studierenden, sondern bedeutet auch eine dauerhafte Befristung der Verträge der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Man sollte das Grummeln der vielen Vernachlässigten nicht vergessen angesichts des Lobgesangs auf die „Exzellenten“.

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