Meinung: Bund verhandelt mit Hohenzollern über Kunstobjekte

Meinung : Die Gier und der Zeitgeist

Nein, das ist kein Déja-vu, keine Zeitschleife und auch kein Witz. Die Nach-Nachfahren von Wilhelm Zwo wollen zwar nicht den Kaiser wiederhaben, aber dessen Bilder, Preziosen und Besitzungen. Und sie wollen wieder in seinen Schlössern wohnen, gratis versteht sich.

Ihr Motiv ist dabei nicht, das kulturelle Erbe der Hohenzollern zusammenzuhalten. Das wäre ja noch was. Im Gegenteil, ihr Motiv ist Geld. Die Unverschämtheit der Forderungen entspricht dem Zeitgeist. Man nimmt, was man kriegen kann. Es gibt weder Skrupel, noch Gemeinsinn. In der französischen Revolution löste man die Frage von möglichen Restitutionsansprüchen des Adels eindeutig – mit der Guillotine. In Deutschland hingegen ließen die Revolutionäre Wilhelm II nach dem Umsturz von 1918 friedlich in Holland leben, wo er 1941 eines natürlichen Todes starb. Und das, obwohl er Millionen Landsleute im Ersten Weltkrieg für seine Großmachtgelüste hatte verbluten lassen.

Zudem bekamen die Hohenzollern 1926 nach langer Auseinandersetzung – gipfelnd unter anderem in der heftigen Debatte um die Fürstenenteignung – sehr viel Land und einige Schlösser zugesprochen. Ein auch nach den Enteignungen der DDR immer noch stattliches Immobilienvermögen, das die Urenkel-Generation heute verwalten und ausbeuten kann. Es reicht ihr nicht. Man nennt sich Hohenzollern, aber man ist vom Stamme Nimm.

Werner Kolhoff. Foto: nn

Museen müssten schließen, wenn die adeligen Urenkel mit ihren maßlosen Forderungen Recht bekämen. Die Verantwortlichen im Bund, in Berlin und in Brandenburg haben schon fünf Jahre Zeit und Geld in Verhandlungen mit diesen gierigen jungen Leuten vergeudet. Nun sollte der Staat den harten juristischen Weg gehen. Zur Not muss eben ein Gesetz her, um die Sache zu klären. Eine neue Fürstenenteignung.

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