Meinung Unsicherheiten bleiben

DÜSSLDORF · Die Inflation legt wieder zu.

Die Inflation zieht nach längerem Rückgang wieder an.
Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Jetzt hat die Inflation doch wieder zugelegt. Nach dem Zwei-Jahres-Tiefststand im November ging es im Dezember wieder nach oben. Experten beruhigen zwar, das sei vorhersehbar gewesen, weil der Staat ein Jahr zuvor den Verbrauchern bei den Energiekosten unter die Arme gegriffen hat. Da sei es kein Wunder, dass sich das Blatt im direkten Vergleich der Dezembermonate 2023 zu 2022 wieder wendet. Doch diese rückblickende Analyse muss nicht heißen, dass es in den nächsten Monaten wieder besser wird. Wer in den ersten Januartagen an der Tankstelle war, hat registriert, dass es dort (wegen des steigenden CO2-Preises) spürbar teurer geworden ist. Und was die Rückkehr der Gastronomie zum regulären Umsatzsteuersatz für die Rechnung im Restaurant bedeutet, dürfte auch klar sein. Warten wir also ab, ob sich die Prognose der Experten bewahrheitet, dass der Trend in Sachen Preissteigerung wirklich weiter nach unten gehen soll. Zumal die zu erwartenden Lohnsteigerungen durchaus das Risiko bergen, dass dies, etwa bei Dienstleistungen, steigende Preise nach sich ziehen wird.

Dennoch wirkt das Inflationsgespenst im Vergleich zu 2022, als die Teuerungsrate im Herbst gar bei knapp 9 Prozent lag, nicht mehr so furchterregend. Sparer jedenfalls können angesichts gestiegener Zinsen immerhin ohne einen realen Verlust aus dem Spiel gehen. Das funktioniert schon mit risikolosen Festgeldanlagen. Und Aktienbesitzer haben im vergangenen Jahr unter dem Strich sogar noch bessere Ergebnisse erzielt. Diese Möglichkeiten haben jedoch Menschen nicht, die gewissermaßen von der Hand in den Mund leben müssen. Die überdurchschnittlich steigenden Lebensmittelpreise belasten sie besonders. Für Nahrungsmittel lag die Preissteigerung im Dezember mit 4,5 Prozent immer noch besonders hoch. Politischer Sprengstoff in einem Jahr, in dem neben der Europawahl Urnengänge in drei ostdeutschen Bundesländern anstehen. Angebliche Heilsbringer versuchen jede Unzufriedenheit, und dazu gehören eben auch steigende Preise, mit falschen Versprechen auszunutzen.

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