Konzertkritik: So war es bei Volbeat in Köln

Konzertkritik : So war es bei Volbeat in Köln

Sänger Poulsen tritt in Köln zwar nicht als großer Entertainer auf, aber als Vollblut-Musiker. Zwei Stunden lang singt er so souverän, als würde er gerade ein Album nach dem anderen aufzeichnen.

Harte Bassgitarren lassen die Lanxess-Arena vibrieren, tausende Metal-Hände sind in die Höhe gestreckt, die Band auf der Bühne trägt ausnahmslos schwarz. Aber das war’s auch schon mit dem Klischee. Denn der Frontmann von Volbeat Michael Poulsen (44) hat so gar nichts von einem grölenden, Kraftausdrücke benutzenden Rockstar mit schwarzer Seele. Nein, Poulsen lächelt viel, trägt einen adretten Kurzhaarschnitt und polierte Schuhe, hat eine melodische Stimme und sagt auf der Bühne Bitte und Danke. Kann das wirklich Metal sein?

Jein. Dass sie sich in keine Schublade stecken lassen, war schon immer das Markenzeichen von Volbeat. Für ihre Musikrichtung wurde sogar ein neuer Begriff geprägt: Elvis-Metal. Vom Metal geht die Musik schnell in Rock’n’ Roll und Rockabilly über, es gibt auch Einflüsse aus dem Punkrock, Country und Blues. Das führt zu rasend schnellen Rhythmuswechseln in einigen Songs, die Fans in der ausverkauften Arena am Donnerstagabend durchaus ins Schwitzen bringen: Vom wilden Moshpit (gegenseitiges Anrempeln in einem kleinen Kreis) wechseln sie direkt ins gemeinsame Schunkeln.

Und Volbeat lassen die Menge auch kaum Luft holen. Schlag auf Schlag geht es von einem Song zum nächsten. In den knapp zwei Stunden auf der Bühne spielen sie mehr als 20 Songs von ihren sieben Alben.

Poulsen gibt dem Publikum dabei eifrig Regieanweisungen. Es soll die Fäuste zeigen, Klatschen, die Arme schwenken, die Handylampen anschalten, skandieren. Aber darüber hinaus redet der 44-Jährige nicht viel. Da wird es schon fast intim, als er sagt: „Wenn ich auf der Couch sitze mit meiner kleinen Tochter, dann singe ich ihr oft Johnny Cash vor.“ Beim anschließenden Cover von „Ring of Fire“ stimmt die gesamte Arena mit ein. Und Poulsen lässt sein Publikum einen Moment ganz allein singen.

Der 44-Jährige deutet auch die Härten des Tour-Lebens an, „wenn du lange weg bis von deinem Kind und deiner Frau“. Und das hat es in sich bei Volbeat: Seit Mitte April tourt die Band durch Amerika, Kanada und Europa. Mehr als 80 Shows in 8 Monaten werden sie Ende November gespielt haben. Nach Frankfurt, München, Leipzig und Hamburg war Köln die letzte Station der Deutschland-Tour. Gleich zwei Tage hintereinander haben Volbeat die Lanxess-Arena komplett mit ihren Fans gefüllt.

Sänger Poulsen. Foto: Christina Kiesewetter

Poulsen ist mit seiner markanten Stimme und der Schwiegersohn-Aura der Dreh- und Angelpunkt der Band. Die anderen drei Bandmitglieder sind dagegen fast schon Statisten. Schlagzeuger Jon Larsen, der wie Poulsen seit Gründung der Band 2001 dabei ist, bleibt komplett im Hintergrund. Der Lead- und der Bassgitarrist bewegen sich mit Poulsen über die Bühne und den Steg in der Menge. Sie beherrschen ihre Instrumente perfekt, aber halten sich sonst mit Publikumsgesten zurück.

Das macht Poulsen locker wett. Er tritt in Köln zwar nicht als großer Entertainer auf, aber als Vollblut-Musiker. Zwei Stunden lang singt er so souverän, als würde er gerade ein Album nach dem anderen aufzeichnen. Nur manchmal wird seine sympathisch-gelassene Art durchbrochen: Dann merkt man ihm an, dass er sich auf sein Instrument, seine Stimme, die Technik, das Timing konzentriert. Und man ahnt, dass da ein Perfektionist am Werk ist, der seine Musik einwandfrei rüberbringen will. Vielleicht hängt ihm auch noch der katastrophale Gig in Belfast Anfang Oktober nach. Da musste die Band ihr Konzert wegen technischer Probleme nach dem ersten Song komplett absagen. Ein Alptraum.

In Köln dagegen war die Technik perfekt. Die Lautstärke stimmte, Poulsens Stimme durchdrang die Arena, die Gitarrenklänge ließen niemanden stillstehen. Vor allem bei härteren Nummern wie „Seal the Deal“ und „Dead but Rising“ ging es rund. Bei „For Evigt“ halten die Fans dann dänische Fahnen in die Höhe. Es ist der einzige Song von Volbeat, bei dem der Refrain auf Dänisch gesungen wird. Auch da sind die Menschen in Köln textsicher. Und ein bisschen wirkt es, als helfe das gegen das leichte Heimweh der tourenden Band aus Kopenhagen. In ihrer Heimatstadt macht Volbeat am 1. Dezember den letzten Gig dieses wahnsinnigen Tourjahres.

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