Was hinter dem Hype der koreanischen Pop-Musik in Düsseldorf steckt

K-Pop : Was hinter dem Hype der koreanischen Pop-Musik in Düsseldorf steckt

Es gibt immer mehr koreanische Fanartikel und Tanzkurse. Seit kurzem finden sie auch in Düsseldorf immer größeren Anklang.

Die Musikrichtung K-Pop, also „Korean Pop“ hat mittlerweile Deutschland erreicht. Tausende Fans drehen wegen der koreanischen Boy- und Girlbands durch und auch in Düsseldorf gibt es bereits eine Tanzschule, die K-Pop Kurse anbietet und einen K-Pop-Laden mit Fanartikeln. Was geht dort vor und wen zieht dieser Trubel an?

Laute Pop-Musik mit koreanischen Texten und eigens von Jco, dem Trainer, konzipierte Choreografien bringen die zehn jungen Teilnehmerinnen in der Tanzschule Hop Spot an der Hüttenstraße ganz schön ins Schwitzen. Jco zeigt die Schritte vor der großen Spiegelwand zuerst langsam, dann immer schneller, und obwohl seine Schüler erst zum zweiten mal dabei sind, sieht die Choreo am Ende der Stunde schon gut einstudiert aus. Der Tanzstil hat einen Hauch von Niedlichkeit und Unschuld – die Hand wird vor den Mund gehalten, die Schultern werden hochgezogen –, gemischt mit ein wenig Sexappeal,  die Haare werden nach hinten geworfen und der Zeigefinder macht die typische „Komm her“-Geste. Dabei sind die Tanzschritte immer synchron und die Plätze werden häufig gewechselt.

K-Pop enthält mehrere verschiedene Musikelemente: Und zwar Elektro, Pop, R&B, Hip Hop, Soul, Rap und Rock, welche alle miteinander kombiniert werden. Die abgespielten Songs handeln überwiegend von Freundschaft, Familie und Liebe, aber auch von Themen wie Partys und Sex. Das verstehen die meist deutschsprachigen Schüler allerdings nicht, denn die Texte sind größtenteils auf Koreanisch. Zwischendurch gibt es immer wieder mal ein paar englische Sätze mit Botschaften wie „love yourself“ (liebe dich selbst) und „be free“ (sei frei).

Der Kurs ist immer gut besucht. Vier verschiedene Schwierigkeitsgrade lassen Anfänger bis hin zum „Master“ aufsteigen. Für 35 Euro im Monat können die Schüler mittwochs und samstags an Kursen teilnehmen. Die sieben Trainer sind erfahrene Tänzer, einige von ihnen standen schon in Korea auf den großen Bühnen und haben in Musikvideos der „Stars“ getanzt. Trainer Jco, wie sein Künstlername lautet, praktiziert seit zwölf Jahren K-Pop-Dance. Er rät jedem, den Tanzstil einmal auszuprobieren, denn: „Um es zu begreifen, muss man es selber erleben und fühlen.“ Zusammen mit der Koreanerin Jiwon trainiert er die Schüler seit zwei Jahren. Den Ursprung hat die Tanzschule 2005 in Köln, gegründet von Esther und Bernd Chrischilles. Mittlerweile gibt es sechs weitere Standorte deutschlandweit.

K-Pop-Fans: Eine riesige Gemeinde in sozialen Netzwerken

K-Pop ist aber nicht nur ein Tanzstil, dahinter steckt eine große Fangemeinde von jungen Leuten im Alter von durchschnittlich 18 Jahren. Sie organisieren gemeinsame Fantreffen und bilden eine große gemeinsame Community in den sozialen Netzwerken. Die Mitglieder der siebenköpfigen Boyband Bangtan Boys, kurz BTS, haben auf Youtube bereits 200 Millionen Aufrufe. Auch durch zahlreiche andere koreanische Bands und den 2012 veröffentlichten Song „Gangnam Style“ wurde die koreanische Musik zuerst in den USA und über das Internet dann auch im europäischen Raum bekannt.

Es gibt allerdings auch eine dunkle Seite der Medaille: Die K-Pop-Stars sind bei ihren Debüts durchschnittlich gerade mal 15 bis 20 Jahre alt. Bevor es aber überhaupt zu einem Debüt kommt, werden die Schönen und Talentierten herausgepickt und dürfen ein spezielles Internat besuchen, um ein fünfjähriges Training zum wahren K-Pop-Star zu absolvieren. Darin enthalten sind Schauspiel- und Gesangsunterricht sowie richtiges Verhalten in der Öffentlichkeit. Die Jugendlichen werden dabei unter starken Druck gesetzt, müssen sich strengen Diäten unterziehen, dürfen keine Beziehungen führen und haben Handyverbot, heißt es auf diversen Plattformen.

Der Hype um die jungen Teenager führt leider dazu, dass die Selbstmordrate immer weiter zunimmt, zuletzt starben sehr plötzlich die K-Pop-Stars Sulli (25), Jong-hyun (27) und Seo Minwoo (33), sie alle litten unter starken Depressionen und kamen mit dem gesellschaftlichen Druck nicht mehr klar. Finanziert werden diese Internate nicht selten von der koreanischen Regierung, denn K-Pop ist momentan der Nummer-eins-Exportschlager in Korea. Viele deutsche Fans wollen wegen ihrer Idole nach Korea reisen und kaufen fleißig Fanartikel.

In Düsseldorf gibt es an der Immermannstraße ein paar Läden, die unter anderem diese Fanartikel anbieten. An der Hüttenstraße 13 wurde Ende Juni der erste K-Pop Store in ganz NRW eröffnet. Unter dem Namen „Idol Byeol“ gibt es in dem überschaulichen Laden Alben, Fanshirts, koreanische Socken, Sticker und vieles mehr. „Die Kunden kommen aus allen Nationen, sind zwischen zwölf und 22 Jahren und überwiegend weiblich“, sagt Inhaberin Sarah Yu. Sie hatte die Idee schon seit zwei Jahren im Kopf, denn in anderen Großstädten wie Berlin und Hamburg gibt es bereits einige Geschäfte, die ausschließlich K-Pop Artikel führen. „Den Hype der koreanischen Boybands kann man ein bisschen mit dem der damaligen Backstreet Boys vergleichen“, sagt sie, kreischende Teenies und massig gefüllte Hallen sind jedenfalls auch Merkmale der K-Pop-Generation.

Das Magazin K*Bang ist das erste und einzige K-Pop-Magazin in deutscher Sprache, es kann am Hauptbahnhof und auf der Internetseite erworben werden.

Der Hype um die Backstreet Boys war übrigens irgendwann zu Ende ...

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