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VfL Bochum: Ein Trio für den siebten Bundesliga-Aufstieg

2. Fußball-Bundesliga und der spannende Aufstiegskampf : Ein Trio für den siebten Bundesliga-Aufstieg

Der VfL Bochum könnte schon bald den FC Schalke 04 abhängen – obwohl die Dimensionen nicht im Ansatz vergleichbar sind. Wer hinter diesem Erfolg steckt. Und warum der möglich ist.

Ganz Verwegene träumen schon von einer Wachablösung im Revier. Auch wenn das 0:1 bei Erzgebirge Aue am 22. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga vergangenes Wochenende ein empfindlicher Rückschlag war: Tatsächlich spricht viel dafür, dass der VfL Bochum im Sommer nach 30 Jahren erstmals wieder eine Liga über dem großen FC Schalke 04 spielt. Selbst wenn dieses Szenario, das ob der Entwicklungen beider Clubs seit 1991 jahrzehntelang grotesk erschien, von Woche zu Woche realistischer wird, gehen Fragen danach Bochums Sportchef Sebastian Schindzielorz zu weit. „Wenn man die Zahlen, etwa beim Umsatz, sieht, dann ist doch klar, dass sie sich in ganz anderen Sphären bewegen“, sagte der Manager des Zweitliga-Dritten, der punktgleich mit Tabellenführer Hamburger SV und dem Tabellenzweiten SpVgg Greuther Fürth aber auch mit dem Vierten Holstein Kiel in Lauerstellung liegt.

Vor einem Jahr stand Bochum
vor dem Sturz in die 3. Liga

VfL Bochum: Ein Trio für den siebten Bundesliga-Aufstieg
Foto: dpa/Cathrin Müller

Zusammen mit Geschäftsführer Ilja Kaenzig und Chefcoach Thomas Reis krempelte Schindzielorz den VfL, der sich seit jeher zwischen den Reviergrößen Schalke und Borussia Dortmund behaupten muss, komplett um. Aus dem latent unruhigen Traditionsclub ist ein unaufgeregtes Spitzenteam geworden. 

VfL Bochum: Ein Trio für den siebten Bundesliga-Aufstieg
Foto: picture alliance / dpa/Salvatore Di Nolfi

Vor allem sportlich ist der Wandel immens. Vor einem Jahr stand der VfL vor dem Sturz in die Drittklassigkeit, nun sind die Bochumer auf dem besten Weg zurück in die Bundesliga und haben den siebten Aufstieg vor Augen. „Es haben viele Teams viele Punkte gesammelt. Da wollen wir weiter ein Wörtchen mitreden“, sagte Trainer Thomas Reis zuletzt. Forscher formulierte es zuletzt Torhüter Manuel Riemann: „Natürlich will ich auch am Ende Erster werden.“ Am Samstag stellt sich der Tabellenletzte Würzburger Kickers in Bochum vor (13 Uhr). Man kann wieder vorlegen im spannenden Titelrennen des Unterhauses.

Derlei wäre noch vor einem Jahr undenkbar gewesen. Im Februar 2020 war Reis damit beschäftigt, den VfL aus dem Tabellenkeller zu führen. Im September 2019 hatte sich Schindzielorz für einen riskanten Weg entschieden, indem er den renommierten, aber glücklosen Robin Dutt als Trainer freistellte und durch Trainer-Neuling Reis ersetzte. Schindzielorz setzte auf die „Identifikationsfigur“ des einstigen Bochumer Profis. Es funktionierte. Behutsam ging der 47-Jährige die Dinge an, veränderte aber nach und nach Entscheidendes.

Über personelle Umstellungen bekamen die Bochumer mehr Tempo auf den Außenpositionen. Nachhaltig änderte sich auch die Statik des Spiels durch die Verpflichtungen der Leistungsträger Robert Zulj schon im Januar 2020 und Gerrit Holtmann im vergangenen Sommer. Insbesondere Zulj ist inzwischen ein Unterschiedsspieler in der Zweiten Liga. Und: Das Team wächst weiter zusammen, nur sechs Spielerverträge laufen im Sommer aus.

„Da ist was zusammengewachsen“, formulierte es Reis, dessen Team im Kalenderjahr 2020 mit dem HSV und Darmstadt das erfolgreichste war. Sehr kommunikativ im Umgang, scheut sich Reis auch nicht vor unpopulären Maßnahmen. Etwa, indem er Leistungsträger auch mal auf die Bank setzt, wenn ihm die Trainingseinstellung nicht passt.

Auch wirtschaftlich zahlt sich die ruhige Arbeit im Club aus. Wie alle Vereine hat die Corona-Krise auch den VfL getroffen, doch laut Kaenzig, der als Geschäftsführer Finanzen, Organisation, Marketing, Vermarktung und Kommunikation und Sprecher der Geschäftsführung firmiert, ist der Club nicht nachhaltig angeschlagen. Für das vergangene und das laufende Geschäftsjahr kalkulieren sie in Bochum mit einem Corona-Minus von rund elf Millionen Euro. Für Kaenzig ist das noch vertretbar – vor allem, wenn es demnächst in der Bundesliga ganz andere Einnahmen gäbe. Der 47 Jahre alte Schweizer, der schon für Bayer Leverkusen und Hannover 96 und zuletzt beim französischen Verein FC Sochaux gearbeitet hatte, bezeichnete es mal als „DNA des Vereins, aus wenig viel zu machen“. Beim großen Nachbarn aus Gelsenkirchen war es zuletzt genau anders herum. Unter Kaenzig stieg der Umsatz von 30 auf 36 Millionen Euro, wie er unlängst der Schweizer Zeitung „Blick“ verriet. Und weiter schwärmte: „Wir haben in ganz Deutschland 13 Millionen Sympathisanten. Wir konnten in der Corona-Krise alle Sponsorenverträge verlängern. Wir hatten nie Theater, sondern nur eine große Solidarität, steigende Mitgliederzahlen, Absatzrekorde und eine positive Presse.“ Elf Jahre spielt der VfL Bochum inzwischen wieder in der 2. Liga. Jetzt soll der große Schritt folgen. Es wäre der siebte Aufstieg des VfL Bochum.