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Fortuna Düsseldorf: Hetzer wünschten Kind von F95 Torwart Florian Kastenmeier den Tod

Abscheuliche Attacken im Internet : Kastenmeier beklagt Hetze im Internet

Der Hass im Internet nimmt immer abscheulichere Ausmaße an. Zum wiederholten Mal ist ein Spieler von Fortuna Opfer von anonymen Hetzern geworden, die nicht einmal davor zurückschrecken, die Familien der Betroffenen mit reinzuziehen. Was passiert ist.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass im Internet einige Menschen die Anonymität für skrupellose Kommentare nutzen. Doch es erschrickt dann doch immer wieder, mit welche Hetze sie wirklich verbreiten. Mit sehr emotionalen Worten hat jetzt noch einmal Florian Kastenmeier darüber berichtet, was über ihn hereingebrochen ist, als ihm in seinen ersten Profispielen überhaupt zwei entscheidende Fehler unterliefen. Am 18. Januar 2020 war es beim 0:1 gegen Bremen ein Eigentor. Beim 0:3 in Leverkusen acht Tage später leistet er sich einen Patzer zum 0:2.

Kastenmeier kam im Juli 2019 vom VfB Stuttgart nach Düsseldorf. Nachdem er in seinem ersten halben Jahr bei der Fortuna noch Ersatztorhüter war, feierte der gebürtige Regensburger schließlich gegen Werder sein Bundesliga-Debüt. Damals war er 21 Jahre alt. Für ihn keine einfache Zeit, in der viel auf in eingeprasselt ist. Plötzlich stand er im Fokus, jeder Schritt von ihm wurde beobachtet, jeder Fehler seziert und vor allem in den sozialen Netzwerken nach Art des Hauses ausgeschlachtet. Kastenmeier hat sich einige Fehlgriffe geleistet, nach außen hin hat er sich nichts anmerken lassen, aber innerlich war er aufgewühlt.

Immer mehr Profis werden
Opfer von Hate-Speech

„Da kamen dann schon viele Hass-Nachrichten. Da wurde einem auch der Tod gewünscht. Meine Frau war schwanger, dem Kind wurde der Tod gewünscht. Das war schon eine sehr, sehr schlimme Phase“, erzählt Kastenmeier in der aktuellen Folge des Fortuna-Podcast „Rot&Schweiß“ über Vorfälle aus dem Jahr 2020, die ihn bis heute beschäftigen. „Vor allem als junger Torwart, ich war 21, 22, du machst dein zweites Bundesligaspiel. Dann passiert dir irgendwas, Fehler passieren, Fehler passieren jedem, wenn ich dann überlege, was da für Nachrichten gekommen sind, das hat mich dann schon betroffen gemacht. Das war dann auch nicht so einfach.“ Immer mehr Spieler werden Opfer von sogenannter Hate Speech im Netz. Dabei werden auch Akteure von Fortuna tagtäglich aufs Übelste beleidigt – und die Täter müssen bislang wenig befürchten. Im März 2021 machte Thomas Pledl öffentlich, was bei ihm mitunter im Postfach landet. Er erzählte damals von Kommentaren wie diesem: „Du dummer Hurensohn, hoffentlich verletzt du dich und spielst nie wieder für unseren Verein.“

Der 26-Jährige hat jeden einzelnen Buchstaben gelesen. Immer und immer wieder. Auf Anfrage unserer Redaktion sagte er dazu: „Das sind Geschichten wo du dir denkst, das würde kein normaler Mensch schreiben. Die Anonymität im Netz macht es schwer, diese Leute zu greifen. Ich kann am Wochenende, egal wie das Spiel ausgegangen ist, egal wie wir gespielt haben, zehn bis 20 Nachrichten herausfiltern, wo einfach nur so etwas steht.“ Besonders tragisch: Tage nach dem er über den Fall berichtet hat, verletzte sich Pledl schwer. „Beleidigungen im Netz sind ein akutes Problem unser gesamten Gesellschaft. Hier zeigt sich sehr krass eine sinkende Hemmschwelle bei den Tätern, aber es wird auch deutlich, dass die Möglichkeiten, anonym, unreflektiert und direkt Meinung zu verbreiten, ganz allgemein zur Verrohung der Sitten geführt hat. Nicht nur im Fußball werden Menschen im Internet auf das Übelste beschimpft“, sagte Fortunas Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann im März 2021 in Bezug auf den Fall Pledl. „Wir als Verein gehen auf unseren Kanälen aktiv dagegen vor, indem wir Beleidigungen löschen und über den Kanal melden. Wir werden da, wo dies möglich ist, juristische Schritte gegen solche Hetzer einleiten.“ Durch die Aussagen von Kastenmeier ist ins Gedächtnis gerufen worden, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben. Beleidigungen weit unterhalb der Gürtellinie sind kein Teil von irgendeiner Fußballkultur, sondern nur etwas für deutsche Gerichte.