So will sich Borussia Mönchengladbach neu erfinden

Borussia Mönchengladbach : Borussia Mönchengladbach erfindet sich gerade neu

Borussia Mönchengladbach will sich spielerisch verändern. Das 2:2 bei der Saison-Generalprobe gegen Chelsea hat gezeigt, dass dies dauern kann.

Am Samstag endete eine Ära. Seit Mitte der 90er-Jahre war sowohl am legendären Bökelberg wie auch im neuen Nordpark das Lied "Die Elf vom Niederrhein" gespielt worden, wenn die Mannschaft von Borussia Mönchengladbach den Rasen betrat. Damit aber ist es vorbei. Bei der Generalprobe für die neue Saison lief erstmals der Song "Die Seele brennt". Eine Neuerung, die von der aktiven Fanszene gewünscht wurde. Atmosphärischer und emotionaler soll die Einlauf-Hymne wirken. "Sie wird für Gänsehautmomente sorgen", sagt Stadionsprecher Thorsten Knippertz und der schon seit 2008 unter Vertrag stehende Angreifer Patrick Herrmann meint: "Der Song soll auch eine Botschaft für uns sein, unsere Seele muss im Spiel genauso brennen."

Erst eine andere Spielphilosophie, nun die geänderte Einlauf-Musik. Borussia Mönchengladbach erfindet sich gerade neu, ohne seine Identität verlieren zu wollen. Dafür passt aus dem Song "Die Seele brennt" die Zeile "Stolzer Blick zurück, volle Kraft nach vorn" bestens. Doch gut Ding will Weile haben. Mit der neuen Hymne fremdelten viele Anhänger am Samstag noch. Dies wird sicher schnell besser, wenn bald wieder mehr als das doppelte der 24 500 Zuschauer das Stadion füllen und es in den Spielen zudem dann auch um etwas geht. Die Akteure auf dem Rasen indes könnten länger brauchen, um die Spiel-Idee ihres neuen Trainers Marco Rose zu adaptieren. Das 2:2 (1:0) gegen Chelsea London jedenfalls zeigte, dass Rose noch einiges zu tun hat.

"Es ist ungefähr zu erkennen gewesen, wo wir hin wollen. Unser erstes Tor zum Beispiel war schön herausgearbeitet, da haben wir den Ball früh gewonnen. In der zweiten Halbzeit aber waren wir viel zu passiv, dadurch konnte uns Chelsea dann bespielen. Uns fehlt es noch an Konstanz, auch wenn wir heute nicht gegen irgendeine Mannschaft gespielt haben", sagte Rose. Sicher, der Europa-League-Gewinner und Champions-League-Teilnehmer von der Themse gehört zum europäischen Hochadel, bot allerdings nicht komplett seine erste Elf auf. Rose hingegen ließ über 75 Minuten die Mannschaft ran, die zum Beginn der Saison sein Vertrauen genießen dürfte.

Trainer Marco Rose bemängelt unkonstante Laufarbeit und vermisst Galligkeit

Vor Torhüter Sommer bildeten Lainer, Ginter, Elvedi und Wendt die Vierer-Abwehr. Strobl, Hofmann, Zakaria und Neuhaus formten im Mittelfeld die von Rose favorisierte Raute, davor stürmten Plea und Thuram. "Sie haben es ordentlich gemacht, dennoch liegt weiter eine Menge Arbeit vor uns", erklärte Rose. Explizit bemängelt der 42-Jährige, dass die für den Spielstil nötige intensive Laufarbeit noch nicht über 90 Minuten abgerufen wird. "Sie müssen verinnerlichen, beim Pressing konstant nachzusetzen.

Jeder macht es bislang nur punktuell. Es gilt aber immer wieder noch einen Meter und noch einen zu machen. Dafür müssen sie den inneren Schweinehund überwinden."

Diese Galligkeit fehlt nach Auffassung von Rose auch deshalb, weil die Mannschaft zu brav ist. "Es geht nicht darum, blöde Fouls zu machen. Wir müssen uns einfach mehr wehren, mehr Zweikämpfe draufpacken, einstecken können und so unangenehmer werden. Es gilt härter zu werden, besonders für die internationalen Aufgaben. Schließlich wollen wir uns ja mit solchen Teams wie Chelsea messen." Bei RB Salzburg hat der Leipziger diese Mentalität eingeimpft bekommen. Borussia Dortmund oder Lazio Rom wurden nicht besiegt, weil die Salzburger ihnen fußballerisch so überlegen waren. Sondern weil ihre Gegner mit dem leidenschaftlichen Biss nicht zu Recht gekommen sind.

Dass so ein Prozess seine Zeit benötigt, ist Marco Rose klar. Wer Ende Juni anfängt, französisch zu lernen, der wird es im August nicht fließend sprechen. "Die Jungs hören mir zu und haben es in manchen Spielen gut gemacht, doch eine Woche später war alles wieder weg. Wir werden am ersten Spieltag sicher keine "Pressingmonster" sein. Ich habe keine Ahnung, wie lange das dauert." Der "Fohlenelf" könnte demnach eine holprige Hinrunde mit Höhen und Tiefen bevorstehen. Möglich, dass hier und da als Stadion-Musik dann auch mal Xavier Naidoo bemüht werden muss. Der wusste schon 2005 "Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer."

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