Borussia Mönchengladbach: Erstes Bundesliga-Team mit MRT-Gerät zum Mitnehmen

Diagnosen jetzt überall möglich : Borussia setzt auf mobile Kernspin-Tomografie

Bundesligist stockt medizinische Abteilung auf. In einem Lkw-Anhänger am Stadion befindet sich eine „Röhre“.

Wenn sich ein Borusse beim Training verletzt, dauert es neuerdings kaum 45 Minuten, bis Klubarzt Ralf Doyscher die MRT-Bilder dazu besichtigen kann. Denn im Borussia-Park gibt es seit Ende Mai eine MRT-Einheit. Mobil ist diese, und untergebracht in einem Truck-Anhänger. Theoretisch könnten die Gladbacher das Gerät mitnehmen zu Auswärtsspielen oder in ihre Trainingslager. Doch wird es stationär genutzt, es ist angedockt an eine futuristische Praxis in einer Docking-Station an der Nordseite des Stadions. Borussia hat die Einrichtung in Kooperation mit der Firma Medneo umgesetzt, das Konzept ist in der Fußball-Bundesliga bislang einzigartig.

Für Kassenpatienten steht das MRT noch nicht zur Verfügung

Medneo realisierte als neuer Diagnostik-Kooperationspartner die Investition von über zwei Millionen Euro aufgrund der langen Erfahrung in der modernen MRT-Diagnostik in kürzester Zeit. Doyscher hat schon während seiner Zeit in der Berliner Charité mit diesem Anbieter zusammengearbeitet. „Medneo arbeitet durch das Pay-per-use-Geschäftsmodell immer mit Geräten auf dem neusten Stand der Technik und bietet eine voll gemanagte Diagnostikplattform. Das ist optimal für uns“, sagt Doyscher, der seit 2018 der erste fest angestellte Borussen-Arzt ist. Das Gerät ist der nächste Schritt zur Optimierung der Abläufe in der medizinischen Abteilung des Bundesligisten.

Zu Beginn des Jahres bezogen die Mannschaftsärzte Stefan Hertl und Heribert Ditzel ihre Praxen im neuen Gebäudekomplex gegenüber des Stadions, zur Praxis-Gemeinschaft gehört noch der Urologe Herbert Schrammen. Auch Borussias Gesundheitspartner Medical Park ist in dem Gebäude untergebracht. Das sorgt für schnelle Wege bei der Kommunikation und der Behandlung. Die Umstrukturierung der medizinischen Abteilung war 2017 von Sportdirektor Max Eberl angetrieben worden, nachdem es bei Gladbach in der Saison 2017/18 extrem viele Verletzungen gegeben hatte, die Borussen belegten in der entsprechenden Statistik den letzten Platz aller Bundesligisten. In der vergangenen Saison waren sie Siebter in der Verletzungs-Tabelle.

Das MRT-Gerät in nächster Nähe soll nun weitere Vorteile bringen. Vorher waren die Wege lang: Je nach Möglichkeit wurden die MRT-Bilder in Gladbacher Praxen oder in Düsseldorf, Düren oder Köln erstellt. Das machte die Logistik kompliziert. „Da gab es, das lag in der Natur der Sache, manchmal extreme Verzögerungen, bis wir den Befund vorliegen hatten“, sagt Doyscher.

Truc Tran, zuvor 30 Jahre in großen radiologischen Praxen tätig, ist der Radiologe vor Ort. Die Praxis ist nicht nur für Borussias Fußballer da, auch bei Berufsunfällen, für Privatpatienten und Selbstzahler steht die Einheit jedem zur Verfügung, eine Kassenzulassung gibt es bislang noch nicht – aber auch hier wird an einer Lösung gearbeitet. Binnen sechs Monaten wurde die Radiologie im Borussia-Park realisiert – vom Konzept bis zur ersten Untersuchung. „Wir wollten die innovative Medneo-Lösung zur neuen Saison zur Verfügung haben, darum haben wir uns für die modulare Lösung entschieden“, sagt Doyscher. Stefan Lainer, Breel Embolo und Marcus Thuram, die neuen Spieler, die in diesem Sommer bislang gekommen sind, wurden im Rahmen ihres medizinischen Checks schon dort „gescannt“.

„Die Bilder sind extrem gut, wir können die Verletzungen bis ins kleinste Detail nachvollziehen. So können wir die Situation noch präziser einschätzen, das erleichtert die Prognose. Für mich als Radiologe ist es auch wichtig, wie eine Verletzung passiert ist, um die Bilder richtig interpretieren zu können“, sagt Tran, während er und Doyscher ein lädiertes Fußgelenk analysieren. „Wir haben die Möglichkeiten und die Qualität unserer medizinischen Abteilung auf vielen Ebenen verbessert und effektiver gemacht“, sagt der
Borussen-Arzt.

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