Borussia Dortmund: Jadon Malik Sancho - Ein bisschen wie Libuda

Borussia Dortmund : Jadon Malik Sancho - Ein bisschen wie Libuda

Jungstar Jadon Sancho berauscht Borussia Dortmund und wird immer wertvoller.

Diese Szene wird den Hoffenheimer Stefan Posch nicht nur eine Nacht aufgewühlt haben. Irgendwann in der ersten Halbzeit des Bundesligaspiels vergangenen Samstag in Dortmund war er plötzlich allein mit Ball und BVB-Jungstar Jadon Sancho. Ein Rendezvous, das sich kein Verteidiger dieser Welt wünscht. Der Österreicher wird die Aussichtslosigkeit der Situation rasch erkannt haben. Mit Händen und Füßen bearbeitete er den Briten und dessen Trikot – ohne wirkliche Chance auf Erfolg. Ein paar Sekunden später war Sancho auf und davon, natürlich mit Ball. Und Posch mutterseelenallein.

Jadon Malik Sancho, noch immer 18, hat die Bundesliga im Sturm erobert. Und in England fragen die (Massen-)Medien schon einige Zeit sehr nachhaltig, wie es passieren konnte, dass dieses Juwel die reiche Premier League auf die andere Seite des Ärmelkanals verließ.

Manchester City hatte das Talent 2015 vom FC Watford in die Jugend-Akademie an der Ashton New Road gelotst. Eine ganz feine Adresse, die Brücke ins Fußball-Paradies. Zwei Jahre später reichten weder ein gut dotiertes Vertragsangebot (kolportierte 33 000 Euro in der Woche) noch der Zuspruch von Startrainer Pep Guardiola, um Sancho vom Verbleib zu überzeugen. Der junge Kerl wollte spielen und nicht auf Bänken schmoren. Dortmund lieferte überzeugende Argumente und versprach Praxis. Für eine Ablösesumme von 8,7 Millionen Euro wechselte Sancho die Seiten. Jetzt will er seinen Landsleuten zeigen, dass er im Sommer 2017 alles richtig gemacht. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League tritt der BVB an diesem Mittwoch (21 Uhr) bei den Tottenham Hotspurs an. „Es ist ein großes Spiel für mich. Die Familie und viele Freunde werden im Stadion sein“, sagte Sancho.

Womöglich vor lauter Aufregung hätte er am Dienstag den Abflug beinahe verpasst. Weil er die notwendigen Reisepapiere vergessen hatte, musste Sancho noch einmal zurück. Als Konsequenz hob der BVB-Tross mit 30minütiger Verspätung ab.

Sancho, der im rauen Londoner Süden aufwuchs, ist ein großartiger Fußballer. Schnell, technisch stark, selbstbewusst – ein bisschen Libuda des 21. Jahrhunderts, der gute „Stan“ kam ja auch an allen vorbei. In Dortmund fliegen dem frechen Flügelspieler, dessen Eltern aus Trinidad und Tobago einwanderten, die Herzen längst zu. Im Oktober verlängerte Sancho seinen Vertrag bis 2022. Er fühlt sich bestens aufgehoben beim BVB. „Es ist unfassbar, dass ein Verein, der bei jedem Heimspiel mehr als 80 000 Zuschauer hat, jungen Spielern so viel Vertrauen schenkt“, erklärte er unlängst. Andererseits: Warum sollte Dortmund diesen Künstler, der in der laufenden Bundesliga-Saison bereits sieben Tore erzielte und zu weiteren neun die Vorarbeit leistete, verstecken?!

Tatsächlich ist der BVB sehr glücklich, Sancho zu haben. Und im Königreich verfolgen alle die phänomenale Entwicklung des Nationalspielers mit staunenden Blicken. Gut möglich, dass es Jadon Sancho irgendwann zurück in die Heimat zieht, Manchester City soll ein Vorkaufsrecht besitzen. Ein Deal während der laufenden Vertragszeit würde ein teurer Spaß. Das Portal „transfermarkt.de“ taxiert den Wert Sanchos auf 70 Millionen Euro. Damit ist er aktuell wertvollster Spieler der Bundesliga und wertvollster 18-Jähriger weltweit. Nicht nur der Hoffenheimer Stefan Posch weiß sehr genau, warum.

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