Karneval: Der große Partyball der Prinzen

Beste Stimmung beim Top-Ereignis der Session: Im Hilton sorgten gute Musiker für einen amüsanten Abend.

Düsseldorf. So mancher Besucher des Prinzenballs dürfte gestern über Muskelkater geklagt haben — verursacht durch exzessives Tanzen. Jobsi Driessen, Präsident des Prinzenclubs, musste das Parkett hin und wieder in saloppem Befehlston freimachen, um Freiraum für die wenigen offiziellen Programmpunkte zu schaffen. Schlauerweise war der Besuch des Prinzenpaares gleich zu Beginn abgehakt worden, so dass einzig die Tombola um kurz vor Mitternacht für größere Unterbrechung sorgte.

Dass dieser Prinzenball als einer der besten seiner Art in die Annalen eingehen dürfte, war nicht zu erwarten. Das Motto ESC war doch ein wenig überholt. Acht Monate nach dem Song Contest muteten die Festival-Werbebanner an der Bühnenwand an wie Funde aus der Mottenkiste; die übrigen Wanddekorationen von Jacques Tilly jedoch, die rundherum eine stimmungsvoll illuminierte Festgesellschaft in Schloss Benrath darstellten, verliehen dem Rheinlandsaal fast royalen Glanz.

In diesem Umfeld folgte ein Höhepunkt dem anderen, was am Können und dem Schuss Selbstironie der Künstler lag — ein Glück, denn an gleicher Stelle hat man schon deutsche Schlagerveteranen oder die Italiener von Ricchi e Poveri mit betongrauen Mienen wie Untote erlebt, dazu verdammt, auf ewig ihre alten Hits herunterzunudeln.

Mary Roos dagegen, 1972 Platz 3 beim Grand Prix mit „Nur die Liebe lässt uns leben“, rezitierte zum Reim gezwungene Schlagertexte, um dann mit „Weit weg weg“ erste Reihentänze zu provozieren. Stimmlich war die Sängerin bestens in Form, was dann von Johnny Logan noch überboten wurde. Der Dreifachsieger — zweimal als Sänger, einmal als Komponist — hatte gleich beim zweiten Lied den Saal im Griff und erntete Jubelstürme.

Logan sang „What’s Another Year“ und „Hold Me Now“ ebenso wie „Angel“ von Robbie Williams und ein Elvis-Medley, zu dem er 1980 die Musik mit Presleys Band eingespielt hatte. Und weil’s so schön war, griff der Ausnahmemusiker spontan zur Gitarre und stimmte den Klassiker „The Wild Rover“ an, dessen Refrain er in die „Nordseeküste“ eindeutschte, so dass der Saal mitsingen konnte.

Das alles hatte große Klasse, und Logan grüßte von der Bühne „dem Jubsi“ (Driessen) und WZ-Redakteur Dieter Sieckmeyer, mit dem er als WZ-Gastkolumnist zwei Wochen während des ESC unterwegs war. Die Damen plünderten die Tischdeko und legten reihenweise weiße Orchideen zu Füßen des Iren nieder. Eine Abba-Coverband übernahm das in Smoking und Abendkleid angerückte Feiervolk und drehte den Euphorie-Regler auf Höchststufe.

Ihren Spaß hatten u.a. Karin-Brigitte Göbel (Stadtsparkasse), Polizeipräsident Herbert Schenkelberg, OB Dirk Elbers, der designierte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (dem Driessen dafür dankte, dass bald jedes zweite Länderspiel in Düsseldorf stattfindet), Achim Hunold (Air Berlin), Fortuna-Aufsichtsratschef Dirk Kall, Josef Klüh, Thomas Merz (gerade vom Zirkus-Festival in Monaco zurückgekehrt), die Unternehmensführer Werner Dornscheidt (Messe) und Christoph Blume (Flughafen) sowie Klaus-Peter Müller (Aufsichtsratschef Commerzbank).

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