Inga Bejer Engh nimmt Anders Breivik die Maske ab

Inga Bejer Engh nimmt Anders Breivik die Maske ab

Die 41-jährige Staatsanwältin treibt den mutmaßlichen Massenmörder in die Enge und zerstört seine Show.

Oslo. Immer wieder fallen Staatsanwältin Inga Bejer Engh die blonden Haare ins Gesicht, während sie den norwegischen Massenmörder Anders Breivik zurechtstutzt. „Jetzt rede ich aus, Breivik“, unterbricht sie den Attentäter. Breivik weicht ihren Fragen aus.

Doch die 41-Jährige lässt sich nicht irritieren. Sie bohrt nach und bleibt ganz ruhig, wenn sie die Hirngespinste eines Massenmörders mit der Realität konfrontiert. Engh treibt Breivik in die Enge, demaskiert ihn, zerstört seine Show. Eigentlich ist Inga Bejer Engh Spezialistin für internationales Recht. Sie hat bereits bei den Vereinten Nationen gearbeitet. Mit nur 32 Jahren wurde sie Staatsanwältin.

Schon in der Grundschule habe sie einen starken Gerechtigkeitssinn gehabt, schreibt die Zeitung „Drammens Tidende“. Diese zitiert auch Oslos obersten Staatsanwalt Jørn Maurud: „Bejer Engh ist eine energische und engagierte Staatsanwältin, und das ist sie auch als Person. Außerordentlich sozial und umgänglich.“

Die Mutter zweier kleiner Jungen musste nicht lange überlegen, den Prozess zu übernehmen. Zuerst sei es ihr schwergefallen, die Unterlagen zu den grausamen Attentaten aus der Hand zu legen. „Ich nahm sie mit nach Hause. Inzwischen habe ich eine größere, professionelle Distanz.“ Bei einem Verhör von Breivik schlich sie sich ein, um dem Massenmörder vor dem Prozess schon einmal ins Gesicht zu sehen.

Jetzt ist Engh vorbereitet. Jetzt schafft sie es, Breivik mit simplen Fragen bloßzustellen. Sie spricht dabei fast wie mit einem Kind. „Ich hoffe nicht, dass sich das so anhört“, sagt die 41-Jährige. „Ich spreche in einem freundlichen Ton, so wie mit jedem Angeklagten. Meine Erfahrung ist, dass ich so mehr aus ihnen herausbekomme.“ Bei Breivik gelingt das nur zum Teil. Er weigert sich, viele Fragen zu beantworten.

Ob Breivik zurechnungsfähig ist oder nicht, müsse das Gericht entscheiden, betont sie. Das norwegische Rechtssystem sei human. Inga Bejer Engh fügt hinzu: „Das wird jetzt der Rest der Welt beurteilen.“

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