Kitas: Männer verzweifelt gesucht

Kitas: Männer verzweifelt gesucht

In Kitas gibt es noch immer kaum männliche Erzieher, obwohl intensiv um sie geworben wird.

Düsseldorf. „Die Frage der Kinder, ob ich eigentlich nichts arbeite, begleitet mich bis heute. Ich musste auch immer erklären, dass ich weder im Kindergarten wohne, noch mit allen Erzieherinnen verheiratet bin.“ Der Pfälzer Peter Blase-Geiger war in den 90er Jahren einer der ersten männlichen Kita-Leiter in Deutschland und erinnert sich bis heute lebhaft an seine ersten Eindrücke. „Ich war damals ein absoluter Exot.“ Allein: Das wäre er auch heute noch.

Noch immer ist der Anteil von Männern in Kitas winzig. Nur 2,4 Prozent aller Mitarbeiter sind männlich. Das EU-Netzwerk „Kinderbetreuung“ empfiehlt einen Anteil von 20 Prozent — für Deutschland würde das laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bedeuten, 66 000 Männer zusätzlich in die Kitas zu bringen.

Warum das erstrebenswert sein könnte: Eine Studie des Bundesfamilienministeriums hat gezeigt, dass Männer mehr Wert auf Bewegung legen und sich intensiver um die wilden Jungen einer Gruppe kümmern. Zudem ist davon auszugehen, dass männliche Bezugspersonen bei immer mehr alleinerziehenden Müttern wichtiger werden.

Um den Männeranteil zu erhöhen, gibt es deshalb seit zweieinhalb Jahren die Koordinationsstelle „Männer in Kitas“, die vom Familienministerium gefördert wird und Projekte unterstützt, die gezielt Männer für Kitaberufe anwerben. Bis Ende 2013 werden bundesweit 16 entsprechende Initiativen mit einer Gesamtsumme von 13 Millionen Euro gefördert.

Etwa 1000 Männer seien dadurch bislang in die Kitas gebracht worden — weniger als erhofft, wie ein Mitinitiator der Koordinationsstelle gegenüber unserer Zeitung einräumt. Selbst der aktuelle Stellenanstieg durch den Ausbau der U3-Betreuung würde nicht zu einer höheren Männerquote führen. „Im Gegenteil: Wir haben einen handfesten Fachkräftemangel“, heißt es.

Doch woran liegt es, dass es Männer nicht in die Kita-Erziehung zieht? „Eine wichtige Rolle spielt die niedrige Bezahlung, die auch nicht durch Nacht- und Wochenendarbeit aufgebessert werden kann “, sagt Norbert Hocke von der GEW. Die Ausbildung an der Fachhochschule wird zudem nicht vergütet.

Heike Wallis van der Heide koordiniert für die Arbeiterwohlfahrt Westliches Westfalen das Projekt „Rolle vorwärts — Mehr Männer in Kitas“, das vom Familienministerium mit 1,1 Millionen Euro gefördert wird. Unter anderem steuert ein „Männermobil“ Jobmessen und Fachhochschulen im Ennepe-Ruhr-Kreis an, um Männer über Kitaberufe zu informieren.

Daneben werden Jugendliche angesprochen, die sich bereits sozial engagieren. „Das Interesse ist groß. Es sind auch Praktika zustande gekommen, aber noch keine Ausbildung“, sagt Heike Wallis van der Heide. Aus ihrer Sicht besteht ein Hauptproblem darin, „dass Männer in Kitas gesellschaftlich noch immer nicht vorgesehen sind“. Auch das hat Peter Blase-Geiger bereits vor 20 Jahren erfahren. „Mein Umfeld fand meine Berufswahl befremdlich.“

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