Präsidenten-Wahl in Frankreich: Kontrahenten ohne überzeugende Konzepte

Präsidenten-Wahl in Frankreich: Kontrahenten ohne überzeugende Konzepte

Hollande und Sarkozy liegen in Umfragen zwar vorne, aber die Extremisten holen auf.

Paris. Auf dem Place de la Concorde blickte Frankreichs Staatspräsident am Sonntag noch hochzufrieden auf ein Meer aus Trikoloren und „Sarkozy-Président“-Bannern. Doch neueste Umfragen kurz vor dem ersten Wahlgang am 22. April verpassen dem Präsidentenlager einen empfindlichen Dämpfer. Das Institut CSA sieht den Sozialisten François Hollande jetzt auch in Durchgang eins klar vorn (29 zu 27 Prozent).

„Liegt er in der ersten Runde nicht vorn, ist er tot“, zitiert die Zeitung „Le Parisien“ einen nervösen Sarkozy-Minister. Wie zuverlässig die Prognosen der Meinungsforscher aber wirklich sind, steht auf einem anderen Papier. Denn während die einen Hollande schon zum künftigen Staatsoberhaupt erheben, gehen Politexperten nach wie vor von einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus — wenn auch mit leichten Vorteilen für den Sozialisten.

Dem fast schon fiebrigen Wirken der Demoskopen steht die kühl-abwartende Haltung der Franzosen entgegen. Wohl noch nie haben sie das Ringen um den Elysée als so langweilig empfunden wie heute. Zehn Kandidaten stellen sich zur Wahl, und sämtliche Prognosen gehen davon aus, dass nur Nicolas Sarkozy und François Hollande die Stichwahl am 6. Mai erreichen werden.

Und dann? Nicolas Sarkozy, der in diesen Tagen oft blass und erschöpft wirkt, verspricht nach einem Wahlsieg sinkende Staatsschulden und mehr Wachstum. Dasselbe tut auch François Hollande, der unter mangelndem Charisma und wenig staatsmännischer Statur leidet. Überzeugende Konzepte bleiben beide jedoch schuldig. Ob in der Arbeiterschicht oder bei Handwerkern, bei Jugendlichen oder Studenten — die überall spürbare Bitternis schlägt entweder in Desinteresse oder in eine beängstigende Radikalisierung ab.

Eingesammelt werden die Verlierer vom linksradikalen Jean-Luc Mélenchon und von Marine Le Pen, der Chefin des rechtsextremen „Front National“. In populistischen Rundumschlägen wettert dieses ungleiche Duo unisonso gegen den Euro und die EU, gegen die verhasste Globalisierung und das korrupte System. Während die Rechtsradikale zudem mit dumpfen Parolen die Angst vor Einwanderern und Islamisten schürt, wettert der rote Volkstribun gegen die Macht der Banken und den republikanischen Adel. Alarmierend für die Etablierten: Beide zusammen repräsentierten schon fast ein Drittel der Wählerschaft. Die spannende Frage: Wer schlägt sich in der Stichwahl auf welche Seite?

Als Zünglein an der Waage könnte sich der Mitte-Rechts-Mann Francois Bayrou (zwölf Prozent Wähleranteil) erweisen, ein besonnener Mann der Mitte, der schon seit Jahren beharrlich die Verschuldung geißelt und auf eine maßvolle Geldpolitik drängt.

Eine völlig untergeordnete Rolle spielt übrigens das Thema Umweltschutz. Die grüne Spitzenkandidatin Eva Joly liegt abgeschlagen bei drei Prozent.

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