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Wuppertaler Vogelkundler gibt Tipps für die Winterfütterung

Tierwelt : „Rotkehlchen nehmen jetzt alles, was sie finden können“

Der Winter erschwert die Nahrungssuche für Vögel enorm. Gerade bei einer Kältewelle mit viel Schnee ist das Zufüttern für das Überleben der Vögel wichtig.

„Füttern: ja oder nein? Bei der Frage bin ich generell dafür“, sagt Rainer Mönig. Der Winter mit Schnee und Frost erschwere die Nahrungssuche für Vögel enorm. Gerade bei einer Kältewelle mit viel Schnee sei das Zufüttern für das Überleben der Vögel wichtig, weiß der Ornithologe. Denn Rotkehlchen, Kohl- oder Blaumeise, Gimpel, Buch- und Grünfinken oder Haussperlinge finden draußen dann wenig Essbares vor.

Am besten sollen im Spätherbst Futterstellen eingerichtet werden, um die Tiere daran zu gewöhnen. Durch die Kontinuität wissen die Vögel um das Nahrungsangebot und suchen es gezielt auf. Wenn das nicht zuvor erfolgt ist, wäre dennoch jetzt der richtige Zeitpunkt, zu handeln.
„Die meisten Vögel, die im Winter hier sind, sind Körnerfresser“, sagt Mönig. Andere Arten wiederum bevorzugen im Sommer zwar Würmer, Spinnen, Fliegen und Käfer, stellen ihr Ernährungsprogramm zum Winter hin aber um. „Rotkehlchen nehmen jetzt alles, was sie finden können, die sind nicht wählerisch und halten sich hauptsächlich am Boden auf“, benennt er ein Beispiel.

Helfen können man auch vor allem mit Fettfutter wie Sonnenblumenkerne. Weizen, Haferflocken, Leinensamen oder Mohn: Körner und Weichfutter werden angenommen. Beim Metzger könne man etwas Rindertalg besorgen und aufwärmen, um dies in eine Schale zu füllen. Die konventionelle Variante wären Meisenringe, die es handelsüblich zu kaufen gibt. „Und wer zum Beispiel ein Pferd hat, kann die Reste, die unten an den Heulagerstätten am Boden bleiben, zusammenfegen. Damit hat man etwas ganz Ideales gefunden“, gibt er einen Geheimtipp.

Wo die Vögel nach Essbarem picken, ist unterschiedlich. „Manche nehmen von Natur aus die Nahrung vom Boden auf“, sagt Mönig. Wenn sie sich an Futterstellen gewöhnt haben, fliegen sie gezielt eine gewisse Höhe an. Denn diese sollten möglichst schon leicht erhöht angebracht sein. Auf Nachbarskatzen ist dabei Acht zu geben. „Was nützt es sonst, wenn man gute Absichten hat. Denn die Katze hat eine natürliche Affinität zu den Vögeln, das kann man ihr nicht verdenken“, macht er auf den Jagdinstinkt der Samtpfoten aufmerksam.

Sauber sollte die Futterstelle auch gehalten werden. „Das ist das Gebot Nummer eins, um zu verhindern, dass Futter und Kot sich vermischen“, sagt der Ornithologe. Vögel könnten ihre Ausscheidungen schließlich nicht steuern. Ein wenig freikehren, besser noch gelegentlich ausputzen, empfiehlt er, sodass sich keine Krankheitserreger entwickeln können.  Bei Körnermischungen ist sowohl auf die Haltbarkeit als auch auf die Zusammensetzung zu achten. Körner, die in der Region nicht verbreitet sind, werden von Vögeln nicht angenommen.

Bei der Winterfütterung der Tiere gebe es das Gegenargument, dass sie sich daran gewöhnen und gar ihre Brut damit füttern. Das sei nicht der Fall. „Wenn genug natürliche Nahrung da ist, holen sie sich das, was sie für ihre Jungen am geeignetsten halten. Sie würden ihre Jungen nicht mit Sonnenblumenkernen füttern.“

„Mit der Winterfütterung sind wir auf der Schnittstelle zwischen Artenschutz und Tierschutz“, erklärte er.  Denn auf der einen Seite soll die Art erhalten bleiben, auf der einen gewährleistet werden, dass die Amsel, die regelmäßig so schön im Garten singt, am Leben bleibt.