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Wuppertaler Schul-Chamäleon „Karlchen“ überlebt die Entführung nicht

Schicksal bewegt Schüler und Lehrer : Wuppertaler Schul-Chamäleon „Karlchen“ verendet nach Diebstahl

Das traurige Schicksal von „Karlchen“ bewegt Schülerschaft und Lehrer in Wuppertal: Ein Einbrecher hatte das Tier gestohlen. Das Schul-Chamäleon überlebte das nicht.

Nach der Rückkehr aus der Corona-bedingten Zwangspause haben die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums auf das Wiedersehen mit einem Bekannten verzichten müssen. Das Pantherchamäleon „Karlchen“ war in der Nacht zum 25. April von einem Einbrecher aus der Schule entführt worden. Leider wurde das Reptil anschließend so schlecht von dem Mann behandelt, dass es kurz nach seinem Wiederauffinden verendete. Das Gymnasium beklagt damit den Verlust eines Maskottchens, hatte das Tier doch eine „tragende Rolle“ in einem Imagefilm der Schule gespielt, wie Direktorin Claudia Schweizer-Motte erzählt.

Sie sei „traurig“ und „wütend“ darüber, dass der mittlerweile ermittelte mutmaßliche Einbrecher das Chamäleon mitgenommen habe, gesteht die Schulleiterin. Bei dem Einbruch hatte der Mann die Frontscheibe des großen Terrariums eingeschlagen und „Karlchen“ mitgehen lassen – offenbar aus Frust darüber, dass er in dem Gebäude ansonsten wenig Beute gemacht hatte. Dafür richtete der Einbrecher allerdings einen Sachschaden von 50 000 bis 100 000 Euro an. Türen wurden aufgebrochen und Scheiben zerstört. „Die Verwaltung mit dem Alarmbereich hat der Einbrecher aber ausgelassen“, erzählt Schweizer-Motte.

Als die Schulleitung den Vorfall bemerkte, machte man sich zunächst auf die Suche nach dem Chamäleon, das im Herbst 2018 dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium übergeben worden war. Damals war es von der Feuerwehr von einem Baum auf dem Barmer Friedhof gerettet worden. Da sich der Besitzer nicht mehr ermitteln ließ, kam das Tier nach einer Zwischenstation bei Reinshagen Terraristik an die Schule.

Als das Reptil nach dem Einbruch nun nicht wieder auftauchte, meldete die Schule „Karlchen“ als gestohlen. Nach etwa drei Wochen fand sich das Chamäleon dann in dem Zimmer eines Übergangswohnheimes wieder, in dem ein auf Bewährung entlassener Straftäter untergebracht gewesen war.

Als der Mann wegen eines Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen wieder in Haft musste, wurde beim Saubermachen des Zimmers das entkräftete Tier entdeckt. Es kam erneut in die Auffangstation von Reinshagen Terraristik. Inhaber Siegfried Reinshagen informierte daraufhin die Schulleitung.

Leider war das Tier aber so abgemagert und dehydriert, dass es einige Tage nach dem Auffinden verendete. Im Rosengarten der Schule wurde das Reptil dann bestattet. Das traurige Schicksal von „Karlchen“ habe die Schülerschaft und Lehrkräfte bewegt, sagt Schweizer-Motte. Im Kunstunterricht wurden sogar aus Pappe kleine Chamäleons gebastelt.

Zudem hat das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium auch schon einen Nachfolger: Ein Chamäleon auf den Namen „Yellow“, benannt nach der Farbe, die es aufgrund eines Gendefekts zur Schau trägt. Gegen den mutmaßlichen Einbrecher, dessen Fingerabdrücke am Tatort sichergestellt wurden, hat die Schuldirektorin mittlerweile Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet.

Die Unterbringung und Versorgung des Tieres durch den Einbrecher sei „absolut unzulässig“ gewesen, berichtet Experte Siegfried Reinshagen. „Karlchen“ habe sich nach seiner Ankunft in der Auffangstation von Reinshagen zunächst zwar „positiv entwickelt“.

Dann habe sich sein Zustand leider verschlechtert. Grundsätzlich seien die Tiere aber recht pflegeleicht.