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Wuppertal: Metzgerei Uhlemeyer schließt nach 58 Jahren

Nahversorgung : Wuppertaler Metzgerei Uhlemeyer schließt nach 58 Jahren

Viele Metzgereien gibt es in Wuppertal nicht mehr. Und nun ist ein weiteres Traditionsgeschäft geschlossen worden.

58 Jahre lang war der Name Uhlemeyer ein Qualitätsmerkmal für Meisterklasse im Fleischer-Handwerk. Doch nun ist das Gitter am Eingang zum Ladenlokal an der Ecke Weststraße/ Hopfenstraße heruntergelassen, und wenige Meter weiter ist auch gegenüber das Tor zum Verarbeitungsbetrieb geschlossen. Die Brüder Frank, Ralf und Jens haben gemeinsam beschlossen, das Traditionsgeschäft in der Elberfelder Südstadt mit dem integrierten Imbiss „Schlemmereck“ zu schließen.

Damit verschwindet eine weitere inhabergeführte Fleischerei, von denen es in den 1950er Jahren rund 300 im Tal und auf den Höhen gegeben hat, von der Bildfläche. „Inzwischen gibt es keine zehn Metzgereien mehr in Wuppertal“, listet Frank auf und gibt gleich ein ganzes Bündel von Gründen an, die zur Geschäftsaufgabe geführt haben.

„Für mich sind es vor allem gesundheitliche Gründe“, sagt der Mittfünfziger, der so wie sein Bruder Ralf Metzgermeister ist und das Handwerk im Betrieb von Vater und Firmengründer Gerhard gelernt hat. Bruder Jens, der im „Schlemmereck“ verantwortlich war, ist gelernter Koch.

„Ein weiterer Grund sind die Supermärkte, von denen fast jeder eine Fleischtheke hat. Die sind in der Lage, Fleisch- und Wurstwaren billiger als die herkömmlichen Metzgereien zu verkaufen und gleichen das durch höhere Preise bei den anderen Waren aus. Das ist bei einem reinen Metzgerbetrieb natürlich nicht möglich“, so Frank Uhlemeyer, der allerdings auch zugibt: „Wir haben sicher auch den Fehler gemacht, nicht gewinnorientiert genug zu arbeiten und steigende Kosten wie beispielsweise für Energie jeweils an unsere Kundschaft weiterzugeben.“

Bei der Entscheidung, den Betrieb zu schließen, hat neben dem ständig steigenden bürokratischen Aufwand auch die Änderung der Bevölkerungsstruktur in der Elberfelder Südstadt eine Rolle gespielt: „Hier haben früher überwiegend Beamte gewohnt. Jetzt hat sich das Bild geändert, und für muslimische Wuppertaler sind Metzgereien, die Schweinefleisch verarbeiten, tabu“, berichtet Jens, der den Plan hat, seine Kochkünste demnächst auf andere Art in der Elberfelder Südstadt zur Geltung zu bringen.

Frank, der Älteste, will wegen seiner lädierten Knie zwar im Beruf bleiben, aber das nur mit reduzierter Arbeitszeit.

Uhlemeyer, das war auch ein Synonym für Rostbratwurst, die an diverse Imbisse geliefert wurde. Und diese Tradition soll fortgeführt werden: In Gestalt von Bruder Ralf, der zukünftig im Betrieb der Ronsdorfer Fleischerei Thomas arbeiten wird und das Uhlenmeyersche Wurst-Rezept mitbringt. „Die Imbisse werden deshalb auch weiter beliefert“, versichert Ralf, der sich – wie seine Brüder – an Erzählungen der Eltern erinnert: „In den Siebziger Jahren mussten bei großem Kundenandrang Wartemarken ausgegeben werden, und die Menschen wurden gebeten, eine halbe Stunde später wiederzukommen.“