Wuppertal trifft der Abschwung im Bergischen Land besonders stark

Wirtschaft : „Betriebe stellen sich auf schwierige wirtschaftliche Zeiten ein“

IHK-Umfrage zur Geschäftslage und Erwartungen von 467 Unternehmen im Bergischen.

Es war ein langer Sommer, der nicht enden wollte. Doch nach Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs sehen die Unternehmen im Bergischen Land pessimistischer in die Zukunft. Die Produktion wird aktuell in vielen Firmen wieder auf das Normalniveau zurückgefahren oder gar reduziert. Die Erwartungen werden zurückgeschraubt. Dies ergibt die Herbst-Konjunkturumfrage der Bergischen Industrie- und Handelskammer, an der 467 Unternehmen im IHK-Bezirk, darunter 239 aus Wuppertal, teilgenommen haben.

Aktuell bewerten 31 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als „gut“, wobei die Kurve in Wuppertal, wo die Industrie besonders stark vom Export abhängt, im Vergleich zu Remscheid und Solingen am deutlichsten nach unten zeigt. 53 Prozent schätzen die Lage im Bezirk als „befriedigend“ ein, 16 Prozent der Betriebe sind unzufrieden. Die Konjunkturerwartungen fallen wegen der internationalen handelspolitischen Konflikte, die insbesondere den exportorientierten Branchen zu schaffen machen, immer pessimistischer aus.

„Dies ist die negativste Einschätzung in den vergangenen drei Jahren, aber diese Zahlen sind kein Vergleich zu dem Einbruch, den wir 2009 durch die Finanzkrise zu verzeichnen hatten“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michel Wenge. „Wir haben die Hoffnung, dass es nicht noch weitere Quartale abwärts geht.“ Die Konflikte zwischen den USA und China, drohende US-Strafzölle gegen die EU und die Sanktionen gegenüber den Absatzmarktländern Russland und Iran werden als Gründe für den Abschwung genannt. Der Brexit hingegen treffe vor allem die Zulieferer, dürfe aber in seinen Folgen für die Bergische Wirtschaft nicht überschätzt werden. „Das Bergische ist eine aktive Exportregion. Es gibt Unternehmen, die in andere Länder ausweichen können. Insgesamt sind die Beschäftigungszahlen stabil. Wir haben keine Vollbeschäftigung, aber wir sind auch keine Problemregion“, sagt Wenge.

Dass der Optimismus der Sorge vor dem Abschwung gewichen ist, drückt sich in den Unternehmen nicht nur in geringeren Stückzahlen in der Produktion aus, sondern auch im Verzicht auf Investitionen. Ein weiteres Indiz: Wurde der Facharbeitermangel zuletzt von fast jedem zweiten Unternehmen als größtes Entwicklungshemmnis genannt, so hat die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern heute nur noch für ein Drittel der Betriebe die größte Relevanz. Unabhängig von der konjunkturell bedingten Veränderung bleibe das strukturelle Problem am Arbeitsmarkt bestehen, erklärt IHK-Geschäftsführer Uwe Mensch. „Die Fixkosten pro Stück steigen, das drückt auf die Erträge und bedeutet das Ende des Investitionsbooms“, sagt Mensch. Die Daten des Statistischen Landesamtes belegten, dass sich die Bergische Industrie besser entwickelt hat als der NRW-Durchschnitt.

In Deutschland wird
weiterhin kräftig konsumiert

Im Branchenvergleich steht die Dienstleistungsbranche einschließlich Gastgewerbe und Reisebüros relativ am besten da. Neben der Dienstleistungsbranche meldet nur die Verkehrsbranche einen Erwartungswert, der nicht unter null liegt.

Die Einzelhändler im Bergischen sind zufrieden mit der Lage und bewerten sie nur etwas schlechter als im Frühjahr. Dieser Trend gilt im Prinzip für alle Unternehmen, die Konsumgüter produzieren oder anbietnen, denn dank stabiler Arbeitsplätze und niedriger Zinsen wird in Deutschland weiterhin kräftig konsumiert. Davon profitieren zum Beispiel Solinger Unternehmen, die Schneidwaren für den „Hausgebrauch“ herstellen, nicht aber Remscheider Betriebe, die Maschinen zur Produktion von Schneidwaren bauen.

Die IHK geht davon aus, dass Umsätze, Investitionen und Personalbestände tendenziell abnehmen werden. Mit der Entwicklung des Ausbildungsmarktes zeigt sich Carmen Bartl-Zorn zufrieden. „Es gibt in Wuppertal mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Die Entwicklung hin zum Bewerbermarkt setzt sich fort“, sagt Carmen Bartl-Zorn. Allerdings melden die Unternehmen weniger offene Stellen, was den getrübten Erwartungen geschuldet ist. „Insgesamt stellen sich die Betriebe des IHK-Bezirkes auf wirtschaftlich schwierigere Zeiten ein“, sagt Michael Wenge.

Mehr von Westdeutsche Zeitung