Umfrage: Krefelder Betriebe sind vorsichtig optimistisch

Wirtschaft : Umfrage: Krefelder Betriebe sind vorsichtig optimistisch

Betriebe sind vorsichtig optimistisch. Die Nachfrage wächst langsamer und Fachkräfte fehlen.

Die Lage der Krefelder Betriebe befindet sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Das geht aus der gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein hervor, an der knapp 800 Unternehmen mit insgesamt 92 000 Beschäftigten teilgenommen haben. Danach schätzen die Krefelder Unternehmen ihre Geschäfte so gut ein wie vor einem Jahr. Zu Jahresbeginn waren sie etwas zufriedener. 38 Prozent der Betriebe melden eine gute, nur 14 Prozent eine schlechte Lage.

Die zurückhaltenden Einschätzungen haben vor allem zwei Ursachen: Zum einen ist die Nachfrage zuletzt weniger dynamisch gewachsen als noch zum Jahreswechsel 2017/18. So wird die Konjunktur derzeit eher von einer weiter steigenden Binnennachfrage als von der auf sehr hohem Niveau verharrenden Exportnachfrage gestützt. Zum anderen sind neue Mitarbeiter immer schwerer zu finden, was bei dem ein oder anderen Betrieb bereits zu Resignation und Verzicht auf zusätzliche Geschäfte führt. „Auch deshalb dümpelt die Investitionsneigung weiter im nur leicht positiven Bereich vor sich hin, anstatt auf die seit Jahren herausragenden Konjunkturperspektiven zu reagieren“, sagte Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, bei der Präsentation der Umfrage-Ergebnisse.

Dennoch stehen die Konjunkturchancen insgesamt gut. Die Binnennachfrage nimmt weiter zu, der Beschäftigungsstand erreicht immer neue Rekordhöhen und auch die Einkommen steigen weiter. Selbst wirtschaftspolitische Belastungen wie höhere Sozialversicherungssätze, die künftig teuren Rentenregelungen, eine schleppende Reform der Fachkräftezuwanderung oder drohende Dieselfahrverbote vermögen derzeit offenkundig nicht, die gute Binnenkonjunktur zu stoppen.

Aus dem Ausland allerdings drohen vermehrt Risiken, denen der Großteil der befragten Unternehmen jedoch noch keine konjunkturgefährdende Bedeutung beimisst. Dazu zählen der aufziehende Handelskrieg zwischen den USA und China, die Strafzölle der USA auf europäische Produkte, der möglicherweise ungeordnete Brexit, der wirtschaftliche Niedergang der Türkei aber auch die Sanktionen gegen Russland beziehungsweise den Iran sowie die neuen Euro-Sorgen hinsichtlich der italienischen Schuldenpolitik. „Es ist sicher zu früh, Alarm zu schlagen. Doch die Unsicherheit wächst, und das ist mit ein Grund für die mangelnde Investitionsdynamik“, so Berghausen weiter.

Blickt man auf die Branchen, so zeigt sich ein differenzierteres Bild. „Die Bauwirtschaft verzeichnet einen Superlativ nach dem anderen. Die Stimmung hat sich auf höchstem Niveau nochmals verbessert. Alle Sparten befinden sich im Boom“, erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Die Industrie habe sich annähernd auf ihrem Zehn-Jahres-Hoch halten können. „Eine nachlassende Dynamik der Auftragseingänge könnte aber ein Zeichen dafür sein, dass die Branche ihren Konjunkturhöhepunkt in diesem Sommer überschritten hat“, gibt Steinmetz zu bedenken. Im Großhandel befindet sich die auf Produktionsbetriebe ausgerichtete Sparte aktuell in einer noch besseren Geschäftslage als die konsumorientierte Sparte. Diese gibt sich jedoch für das nächste Jahr aufgrund der guten binnenwirtschaftlichen Perspektive optimistischer. Nach einem kleinen Zwischentief sind auch die Einzelhändler deutlich zufriedener mit ihren Geschäften. Dies gilt allerdings nicht für alle Sparten: So spüre der Kfz-Handel deutlich die Zurückhaltung (verunsicherter) Käufer. Red

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