Wuppertal: Gräber der Engels-Familie sind wieder freigelegt

Einweihung : Gräber der Engels-Familie sind wieder freigelegt

Der Förderverein des Historischen Zentrums ließ die Grabmale zum Engelsjahr reparieren.

Der Unternehmer Friedrich Engels, Vater des berühmten Philosophen und Revolutionärs, war ein wichtiger Mann in Unterbarmen. Er hat sich bei der Gründung der vereinigten Evangelischen Kirchengemeinde engagiert, für die der Unterbarmer Friedhof angelegt wurde. Er hat auch die erste Grabstelle dort gekauft. In der Familiengrabstelle am Mittelweg des Friedhofs sind mindestens 18 Mitglieder der Familie beerdigt, auch Friedrich Engels senior, aber nicht der Revolutionär. Lange waren die Gräber zugewachsen, die Sandstein-Grabmale beschädigt. Zum Engelsjahr hat der Förderverein des Historischen Zentrums sie wieder herrichten lassen.

Am Freitag nahm Reinhard Grätz, Vorsitzender des Fördervereins, die offizielle Einweihung vor. Der Förderverein hat die Erneuerung der Grabstellen für etwas mehr als 7000 Euro finanziert. Zwei Zypressen und eine Eibe mussten Äste lassen, um die drei frühgotische Sandsteinsäulen sowie mehrere Grabplatten im Gras freizulegen.

Vor allem das Grabmal von Friedrich Engels senior war erheblich beschädigt: Die Spitze war ab- und in viele Teile zerbrochen. Zum Glück hat Friedhofsverwalter Carlos Pereira die Teile – insgesamt über 100 – aufgehoben. So konnte Steinmetz Gregor Rasch sie wieder zusammensetzen. „Ich habe das 3-D-Puzzle gelöst“, sagte Rasch. Er fand auch heraus. wohin die steinerne Kreuzblume gehört, die Pereira ebenfalls schon lange im Lager verwahrte: zum Grabmal von August Engels, das neben dem von Friedrich Engels steht.

Reinhard Grätz zeigte, wie viele Geschichten sich über die Engels-Familie anhand er Gräber erzählen lassen. Er berichtete, dass die bei der Eröffnung des Friedhofs 1821 gekauft Grabstelle fast 40 Jahre unbelegt blieb. Dann sei Friedrich Engels senior selbst zuerst dort begraben worden, nachdem er 1860 mit 64 Jahren an Typhus gestorben war.

Das Verhältnis von Friedrich Engels junior und seinem Vater sei gar nicht so schlecht gewesen, wie oft behauptet werde, so Grätz. Geschäftlich hätten sie harmoniert, immerhin habe der Sohn die Fabrik in Manchester für seinen Vater geleitet.

Zur Beerdigung des Vaters habe Engels junior eine Sondergenehmigung erhalten, denn eigentlich durfte er wegen seiner revolutionären Aktivitäten nicht einreisen. Doch sein Onkel August Engels, dessen Grabmal auch auf der Grabstelle steht, sei als Politiker in Barmen und Berlin vernetzt gewesen und habe vermitteln können. Und Friedrich Engels habe auch unbehelligt wieder abreisen dürfen.

Noch einmal sei er ins Wuppertal gekommen, als seine Mutter 1873 gestorben war. Zu ihr habe er stets ein enges Verhältnis gehabt. Auch zu seiner Schwester Marie. Viele seiner acht Geschwister seien auch auf dem Friedhof begraben, Gräber der Schwestern, die in angesehene Familien der Stadt geheiratet hätten, seien etwa mit den Namen Bredt, Molineus oder Schuchard zu finden.

Weitere Geschichten ergänzte Historiker Reiner Rhefus, der verspätet zur Einweihung kam. Dass etwa ebenfalls am Hauptweg eine Frau begraben sei, der Friedrich Engels junior in jungen Jahren Briefe schrieb – vielleicht eine Liebschaft? Und dass auch August Peter Bredt auf dem Friedhof liegt, der mit Friedrich Engels junior zur kaufmännischen Ausbildung in Bremen war, später dann die Untersuchungen über dessen revolutionären Umtriebe leitete.