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Wie eine Handyapp in Wuppertal Menschenleben rettet​

Erste Hilfe : Wie eine Handyapp in Wuppertal Menschenleben rettet

Nach einem Herz-Kreislaufstillstand zählt jede einzelne Sekunde. Diese kritische Zeit kann jetzt durch eine smartphonebasierte Ersthelferalarmierung überbrückt werden.

Wenn nach einem Herz-Kreislaufstillstand jede Sekunde zählt, sind rund neun Minuten, bis der Rettungsdienst nach einem Notruf bei der Feuerwehr (112) eintrifft, eine Ewigkeit, in der das Leben, zumindest aber die Gesundheit des Patienten erheblich gefährdet sind. „Eine viel zu lange Zeit“, wie Professor Hartmut Gülker von der Wuppertaler Herz-Initiative verdeutlicht, kann sich doch aus einem derartigen Notfall ein Langzeitpflegefall entwickeln.

Drei bis vier Minuten entscheiden dabei, ob der Betroffene später wieder ein normales Leben führen kann oder permanent auf fremde Hilfe angewiesen ist. Diese kritische Zeit kann seit dem 14. Juni durch eine smartphonebasierte Ersthelferalarmierung überbrückt und damit die Überlebenschance und die Möglichkeit auf ein Leben ohne durch den Kreislaufstillstand verursachte Organschädigungen entscheidend verbessert werden.

In drei bis vier Minuten
am Einsatzort dank App

Die Möglichkeit dazu eröffnet eine App, mittels der in der Nähe befindliche Ersthelfer innerhalb von drei bis vier Minuten vom Disponenten der Rettungsleitstelle der Feuerwehr zum Einsatzort beordert werden können, wo sie zum Beispiel durch die vor Ort durchgeführte Herzdruckmassage erste Hilfe bis zum Eintreffen des parallel alarmierten Rettungswagens leisten können.

Darüber informierte am Dienstagmittag das Technische Hilfswerk in der Otto-Hahn-Straße in Ronsdorf. Die geschulten Ersthelfer waren im Vorfeld unter anderem durch Nadine Pätzold, die Projektkoordinatorin der Wuppertaler Herz-Initiative, ausgebildet worden.

Derzeit sind es rund 120 Ersthelferinnen und Ersthelfer, die in Wuppertal für diesen Einsatz qualifiziert sind. „Davon 40 vom THW“, wie Tim Oelbermann, der Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit beim THW, verriet und erklärte: „Es werden noch etliche dazu kommen.“ Was auch für weitere Retterinnen und Retter aus den Bereichen Feuerwehr, Polizei oder medizinischen Berufen gilt. „Auch das St.-Josefs-Krankenhaus unterstützt die Initiative“, so Nadine Pätzold. 

Die per Computer ausgewählten und per App Informierten, die sich in der Nähe des Notfallortes befinden, können schnell entscheiden, ob sie den Auftrag erledigen können oder ob eine Kollegin oder ein Kollege alarmiert werden muss.

„Die angedachten viereinhalb Minuten für den Ersthelfereinsatz wurden bisher deutlich unterschritten und lagen unter vier Minuten“, berichtete Nadine Pätzold, wobei es seit Freischaltung des Systems „Mobile Retter“ in Wuppertal neun Fälle gegeben hat, in denen den betroffenen Patienten geholfen werden konnte. „Wenn eine qualifizierte Kraft unmittelbar nach Eintreten des Notfalls schnell vor Ort ist, dann hat das auch auf die Angehörigen eine beruhigende, positive Wirkung“, weiß Tim Oelbermann.

Wie auch die Stadt Wuppertal, die dieses System wie 33 andere Kommunen installiert hat, mitteilt, ist das Mobile-Retter-System für alle Personen geeignet, die in Hilfsorganisationen arbeiten, Ärzte oder Rettungsdienstmitarbeiter, Feuerwehrleute, Gesundheits- und Krankenpfleger, DLRG, Sanitätsdienst oder Einsatzersthelfer Alpha/Bravo (das sind Sanitätsausbildungsstufen der Bundeswehr). Wer mithelfen möchte, kann sich die Mobile-Retter-App herunterladen, sich registrieren lassen und für ein Training anmelden. Wie Nadine Pätzold erklärt, dauert diese Fortbildung, die Menschenleben retten und über ein weitgehend beschwerdefreies Leben entscheiden kann, lediglich rund drei Stunden.